Amiot 120

Amiot 120

Amiot 120 – Französische Eleganz und technische Ambition der 1920er Jahre

Die Amiot 120 war ein französisches Langstreckenbomber- und Aufklärungsflugzeug aus den frühen 1920er Jahren, das von der Société d’Emboutissage et de Constructions Mécaniques (SECM) unter dem Namen Amiot entwickelt wurde. Die Maschine ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten, spielte jedoch in der Entwicklung französischer Militärluftfahrt zwischen den Weltkriegen eine wichtige Rolle.

Mit ihrer charakteristischen Metallbauweise, der eleganten Linienführung und dem leistungsstarken Motor war die Amiot 120 Teil eines ambitionierten französischen Programms zur Modernisierung der Luftstreitkräfte nach dem Ersten Weltkrieg. Obwohl sie in ihrer Grundausführung nur in begrenzter Stückzahl produziert wurde, bildete sie die Grundlage für mehrere Varianten – darunter auch Exportmodelle und Versuchsflugzeuge.

Historischer Kontext

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs begann Frankreich mit einer systematischen Modernisierung seiner Luftwaffe. Ein zentraler Punkt dabei war die Entwicklung neuer Bomberflugzeuge, die im Unterschied zu den meist stoffbespannten Doppeldeckern des Krieges leistungsfähiger, stabiler und für längere Reichweiten geeignet sein sollten.

Die Amiot-Werke, gegründet von Félix Amiot, einem jungen, innovativen Luftfahrtpionier, entwickelten in diesem Zusammenhang eine Reihe von Ganzmetallflugzeugen, die sich durch eine neuartige Bauweise und fortschrittliche Aerodynamik auszeichneten. Das Modell Amiot 120 war eine der ersten Konstruktionen dieser Reihe und diente als technologische Grundlage für spätere Modelle wie die Amiot 122, 123 und 124.

Konstruktion und Design

Die Amiot 120 war ein konventioneller Schulterdecker in freitragender Bauweise mit starrem Fahrwerk und Spornrad. Die Zelle bestand größtenteils aus Duraluminium – ein Material, das für die damalige Zeit hochmodern war – mit einer strukturell belastbaren Metallhaut anstelle der üblichen Stoffbespannung. Diese Konstruktion verlieh dem Flugzeug eine außergewöhnliche Festigkeit bei gleichzeitig relativ geringem Gewicht.

Die Besatzung bestand aus drei Personen: einem Piloten, einem Bordschützen vorne im Bug und einem weiteren Schützen am hinteren Ende des Rumpfes. Die offene Kanzel war für damalige Militärflugzeuge typisch, wurde aber bei späteren Amiot-Modellen teilweise durch geschlossene Cockpits ersetzt.

Technische Daten der Amiot 120 BN2

Allgemeine Merkmale:

  • Hersteller: Amiot (SECM – Société d’Emboutissage et de Constructions Mécaniques)
  • Modell: Amiot 120 BN2 (Bomber de Nuit, zweisitzig)
  • Typ: Langstreckenbomber / Aufklärer
  • Erstflug: 1926
  • Besatzung: 3 (Pilot, vorderer und hinterer Schütze)
  • Struktur: Ganzmetallbauweise mit Duraluminium

Abmessungen:

  • Spannweite: ca. 20,50 m
  • Länge: ca. 13,30 m
  • Höhe: ca. 4,20 m
  • Flügelfläche: ca. 75 m²

Gewichte:

  • Leergewicht: ca. 3.250 kg
  • Maximales Startgewicht: ca. 5.200 kg
  • Zuladung (Nutzlast inkl. Bomben): bis zu 1.000 kg

Antrieb:

  • Motor: 1 × Lorraine-Dietrich 18 Kdrs
  • Leistung: 650 PS (V18-Zylinder in W-Form, wassergekühlt)
  • Propeller: Zweiblatt-Zugpropeller aus Holz

Leistungsdaten:

  • Höchstgeschwindigkeit: ca. 205 km/h in 2.000 m Höhe
  • Reisegeschwindigkeit: ca. 180 km/h
  • Dienstgipfelhöhe: ca. 6.500 m
  • Reichweite: bis zu 1.000 km
  • Steigleistung: ca. 5 m/s

Bewaffnung:

  • Defensiv:
    • 2 × Lewis-Maschinengewehre (7,7 mm) – je eines im Bug und am Heck
  • Offensiv:
    • Bombenlast bis zu 1.000 kg, unter dem Rumpf mit Schnellabwurfanlage

Varianten

Die Amiot 120 diente als Grundlage für eine ganze Flugzeugfamilie, die sich in Motorisierung, Ausstattung und Einsatzzweck unterschieden:

  • Amiot 121: Versuchsmuster mit leicht verändertem Rumpf
  • Amiot 122: Aufklärungs- und Bombenversion mit verbesserter Aerodynamik – kam bei der Armée de l’Air in begrenzter Zahl zum Einsatz
  • Amiot 123: Exportversion für Polen mit stärkerem Motor
  • Amiot 124: Rekordversion für Langstreckenflüge, mit erweitertem Tankvolumen

Besonders die Amiot 123 erlangte im Ausland Bedeutung. So wurde sie in Polen von der Luftwaffe getestet und diente als Basis für die nationale Weiterentwicklung eigener Langstreckenflugzeuge. Die Langstreckenversion Amiot 124 wurde sogar für Transatlantik-Versuche in Betracht gezogen, allerdings nie in Serie gebaut.

Besondere Merkmale und Innovationen

Die Amiot 120 war eines der ersten größeren französischen Flugzeuge mit vollständig metallischer Bauweise. Dies machte sie für damalige Verhältnisse besonders langlebig, wetterfest und wartungsfreundlich. Das reduzierte Strukturgewicht erlaubte trotz nur eines Triebwerks eine beeindruckende Reichweite und Bombenzuladung.

Aerodynamisch überzeugte die Amiot 120 mit einem sauberen Tragflächenprofil und einem schlanken Rumpf, was ihre Effizienz bei Langstreckenflügen erhöhte. Die gute Sicht für Pilot und Beobachter war besonders im Aufklärungseinsatz ein Pluspunkt.

Ein weiteres Merkmal war die einfache Modularität: Der Flugzeugrahmen ließ sich vergleichsweise leicht anpassen, um neue Motoren oder Avionikkomponenten aufzunehmen – ein entscheidender Vorteil bei der Weiterentwicklung der Baureihe.

Operativer Einsatz und Bewertung

Obwohl die Amiot 120 selbst nie in großen Stückzahlen eingeführt wurde, war sie ein technologisch wichtiger Meilenstein. Sie ermöglichte es der französischen Luftfahrtindustrie, Erfahrungen mit Ganzmetallkonstruktionen zu sammeln und wurde intensiv zu Schulungs- und Testzwecken eingesetzt.

Die französischen Luftstreitkräfte nutzten spätere Varianten wie die Amiot 122 im aktiven Dienst. Besonders geschätzt wurde das stabile Flugverhalten, die Wartungsfreundlichkeit und die Flexibilität der Plattform. Im Vergleich zu zeitgenössischen Doppeldeckerbombern war die Amiot 120-Reihe aerodynamisch fortschrittlicher, litt jedoch unter begrenzter Geschwindigkeit und begrenzter Schubleistung des Einmotorsystems.

Fazit

Die Amiot 120 ist ein hervorragendes Beispiel für den technologischen Übergang der 1920er Jahre in der Luftfahrt. Sie vereint klassische Linien mit modernen Bauweisen, experimentelle Triebwerkskonfigurationen mit praktikablem Design. Auch wenn sie nicht in großen Stückzahlen eingesetzt wurde, war sie der Startpunkt für eine bedeutende Flugzeugfamilie.

Als technischer Vorläufer späterer Rekord- und Militärflugzeuge stellt die Amiot 120 einen wichtigen Beitrag zur europäischen Luftfahrtentwicklung dar – und ist ein würdiges Symbol für den französischen Pioniergeist zwischen den Kriegen. Heute ist sie nahezu vergessen, doch Luftfahrtkenner schätzen ihre historische Bedeutung und ihre stilvolle Erscheinung als Ausdruck einer Zeit voller Aufbruch und Ingenieurskunst.

Pierwszy lot transatlantycki majorów Kazimierza Kubali i Ludwika Idzikowskiego (1-S-1222-2)