USNS Henson (T-AGS-63)

USNS Henson (T-AGS-63)

Die USNS Henson (T-AGS-63) ist ein hochmodernes ozeanografisches Forschungsschiff der United States Navy, betrieben vom Military Sealift Command. Als viertes Schiff der Pathfinder-Klasse vereint sie Präzisionstechnologie, seegängiges Design und wissenschaftliche Spezialausrüstung. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, detaillierte hydrographische, geophysikalische und akustische Daten zu erfassen und auszuwerten. Damit leistet die Henson einen wichtigen Beitrag zur Planung von Marineoperationen, Unterwasserkabelverlegungen und der Kartierung unbekannter Meeresgebiete.

Historischer Hintergrund

Die Kiellegung der USNS Henson erfolgte am 13. Oktober 1995 bei Halter Marine in Pascagoula, Mississippi. Nach dem Stapellauf am 21. Oktober 1996 wurde das Schiff am 20. Februar 1998 in Dienst gestellt. Benannt nach dem Polarforscher Matthew Henson, der 1909 gemeinsam mit Robert Peary den Nordpol erreichte, spiegelt das Schiff den Pioniergeist bei der Erforschung unbekannter Gewässer wider. Seither patrouilliert die Henson weltweit – von der Arktis bis zum Indopazifik – und unterstützt militärische wie zivile hydrographische ­Missionen.

Design und Konstruktion

Rumpf und Abmessungen

Der Rumpf der Henson weist eine Länge von 100,1 m und eine Breite von 17,7 m auf. Mit einem maximalen Tiefgang von 5,8 m verdrängt sie im beladenen Zustand rund 5 000 t. Die U-Förmige Schwimmlage und die mehr­gelenkige ­Spanten­anordnung bieten hervorragende Seegängigkeit und reduzieren Rollbewegungen, was für präzise Vermessungsarbeiten unerlässlich ist. Stahlbauweise mit strategisch platzierten Schotten sichert zusätzliche Festigkeit und Unterteilung bei eventuellen Wassereinbrüchen.

Antriebssystem und Manövrierfähigkeit

Angetrieben wird die Henson von einem Diesel-Elektro-Propulsionssystem. Vier EMD-Baylor-Dieselgeneratoren liefern insgesamt rund 11 400 bhp, die zwei General Electric Elektromotoren (je 4 000 bhp) speisen. Die Kraftübertragung erfolgt über zwei azimutfähige Z-Pod-Antriebe, die eine Höchstgeschwindigkeit von 16 Knoten bei optimaler Laufruhe ermöglichen. Ein 1 500 PS-Bugstrahlruder gestattet exaktes Positionieren, während das dynamische Positioniersystem (DP-Funktion) Kurs und Lage autonom stabilisiert – auch bei starkem Seegang oder punktuellen Manövern.

Elektronische Ausstattung und Sensorik

Navigationssysteme

Die Brücke ist mit dualen ECDIS-Terminals, GPS/DGLONASS-Differentialempfängern und X- sowie S-Band-Radargeräten ausgestattet. Ein automatisches Identifikationssystem (AIS) kombiniert mit Kursüberwachungssoftware gewährleistet sichere Kollisions­vermeidung und Routenplanung auf komplexen Seewegen.

Kommunikationsanlagen

Ein modernes SATCOM-Terminal stellt Voice- und Datendienste rund um den Globus bereit. Ergänzt wird dies durch VHF/UHF-Funkgeräte sowie eine redundante Kurzwellenanlage für Not- und Langstreckenkommunikation. Intern vernetzt ein stabiles LAN- und WLAN-System Brücke, Labor- und Wohnbereiche.

Hydrographische Survey-Ausrüstung

  • Multi-Beam-Echo-Sounder (SIMRAD EM 121A) mit 121 Einzellstrahlen für die Echtzeit-Topografie bis in Tiefen von 11 000 m
  • SubBottom-Profiler zur geologischen Untergrunduntersuchung bis 10 000 m
  • Single-Beam-Schallgeber (ODEC BATHY-2000) für punktuelle Tiefenmessungen bis 12 000 m
  • Akustisches Doppler-Stromprofil (RD VM-0150) zur Strömungsanalyse bis 380 m Tiefe
  • Magnetometer (EGG 811/613) zur geomagnetischen Vermessung bis 7 000 m
  • Automatisches Wassersampler-System und Trübungssensoren für chemische Analysen

Diese Sensoren sind in einer multi-girder-verstärkten Unterwassersonar-Konstruktion montiert und werden über ein geführtes Kabelausleger-System präzise gefahren.

Besatzung und Leben an Bord

Die Henson fährt mit einer zivilen MSC-Crew von 28 Personen sowie bis zu 27 wissenschaftlichen Fachkräften. Die Unterbringung umfasst Einzel- und Doppelkabinen mit eigenem Sanitärbereich. Gemeinschaftsflächen wie Messe, Fitnessbereich und Bibliothek fördern Erholung und Teamzusammenhalt während mehrwöchiger Forschungs- und Kartierungsfahrten. Eine bordeigene Klinik mit Telemedizin-Anbindung sorgt für medizinische Grundversorgung.

Betriebseinsatz und Aufgabenprofil

USNS Henson unterstützt militärische Bathymetrie für Amphibienlandungen, begleitet Unterseekabel-Verlegungen und erfasst Gefahrenbereiche wie Wracks oder Minenfelder. Zivile Forschungsaufträge umfassen Meeresbiologie, Klimaforschung und ­Tsunami-Modellierung. Notfalls kann sie auch zur Vermessung von Häfen nach Naturkatastrophen oder Ölunfällen eingesetzt werden.

Technische Daten im Überblick

Merkmal Spezifikation
Klasse & Typ Pathfinder-Klasse, ozeanografisches Forschungsschiff
Verdrängung (leer/voll) 3 019 t / 5 000 t
Länge 100,13 m
Breite 17,68 m
Tiefgang 5,79 m
Antrieb 4 × EMD-Baylor DG (11 425 bhp) → 2 × GE-ECD (8 000 bhp) → 2 × Z-Pods
Bugstrahlruder 1 500 PS
Geschwindigkeit 16 Knoten
Reichweite 6 500 Seemeilen bei 12 Knoten
Crew 28 zivile MSC, bis zu 27 Wissenschaftler
Multi-Beam Sonar SIMRAD EM 121A
SubBottom-Profiler ODEC BATHY-2000
Akustischer Doppler RD VM-0150
Magnetometer EGG 811/613

Modernisierungen und Ausblick

Regelmäßige Werftaufenthalte haben digitale Steuerungssysteme, Datenverarbeitungszentren und Sensor­schnittstellen auf den neuesten Stand gebracht. Zukünftige Upgrades zielen auf KI-gestützte Datenanalyse, autonome Unterwasserfahrzeuge und emissionsoptimierte Generatoren ab. Damit bleibt USNS Henson ein Kernstück moderner Meeresexploration und Sicherheit auf See.

USNS Henson (T-AGS-63) 2010