Ultravia Pelican
Die Ultravia Pelican ist ein vielseitiges Ultraleichtflugzeug, das als Leichtbau-Kit für Amateurbau entwickelt wurde. Mit ihrem pushergetriebenen, hochflügeligen Konzept und der optionalen Amphibienversion bietet sie Hobbypiloten ein flexibles Fluggerät für Sport- und Erholungsflüge. Die Kombination aus einfacher Handhabung, robustem Rohrrahmen und moderner Avionik macht die Pelican zu einem Klassiker in der Szene.
Entwicklungsgeschichte
Ursprünge und Designer
Die Pelican wurde in den frühen 1990er-Jahren von der kanadischen Firma Ultravia-Leisure Industries entworfen. Ziel war es, ein einfach zu bauendes Ultraleichtflugzeug zu schaffen, das sowohl auf festen Pisten als auch auf Seen operieren kann. Das Design vereint bewährte Konstruktionsprinzipien mit einer pusher-Motoranordnung, die hervorragende Rundumsicht und Aerodynamik ermöglicht.
Kit-Bausatz und Verbreitung
Ultravia bot die Pelican als Komplettbausatz an, inklusive vorgefertigter Rohrrahmensegmente, Formteilen und Stoffbespannung. In den Folgejahren entstanden verschiedene Ableger und Weiterentwicklungen, bis das Unternehmen 2006 Insolvenz anmeldete. Die Rechte übernahmen kleine Hersteller und eine aktive Gemeinschaft von Heimbauern pflegt das Modell bis heute.
Konstruktion und Struktur
Rumpf und Rahmen
Der Rumpf basiert auf einem Gitterrohrrahmen aus 4130 Chrom-Molybdän-Stahl. Diese Konstruktion bietet eine optimale Balance zwischen Festigkeit und Gewicht. Die Bespannung erfolgt mit doped Polyesterstoff, der UV-beständig beschichtet ist. Zugangs- und Wartungsklappen sind strategisch in den Seitenwänden verteilt.
Tragwerk und Flügel
Die Flügel bestehen aus einem Aluminium-Sparren mit Rippen aus Sperrholz. Eine vollflächige Stoffbespannung erzeugt das glatte Profil. Die rechteckige Grundform mit leicht eingezogenen Winglets sorgt für stabile Langsamflugeigenschaften und ein gutmütiges Stallverhalten.
Fahrwerk und Schwimmer
Die Standardversion verfügt über ein festes, gefedertes Hauptfahrwerk mit Gummistreifen als Dämpfung. Für den Amphibienbetrieb lassen sich optionale Aluschwimmer montieren, die am Unterboden des Rumpfs mithilfe von Schnellverschlüssen angebracht werden. Ein hinteres Spornrad oder ein Heckrad ist je nach Variante möglich.
Antriebssystem
Motoroptionen
- Rotax 503 (50 PS): Leicht und preiswert, ideal für Einsteiger.
- Rotax 582 (65 PS): Zweizylinder-Zweitaktmotor mit gutem Leistungsgewicht.
- Rotax 912 UL (80 PS): Vierventiler, luft-/wasssergekühlt, zuverlässiger Vierventilmotor.
- Rotax 912 ULS (100 PS): Mehr Leistung für bessere Steigrate und höhere Reisegeschwindigkeit.
Alle Motoren sitzen im pusher-Layout hinter dem Cockpit und treiben über eine lange Welle einen Composite-Propeller an.
Propeller
Im Standardlieferumfang ist ein zweiblättriger, bodenverstellbarer Composite-Propeller mit einem Durchmesser von 1,80 m enthalten. Optional sind Dreiblatt-Propeller für feinere Drehmomentabstimmung und leiseren Betrieb erhältlich.
Technische Daten im Überblick
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Sitzplätze | 2 (nebeneinander oder hintereinander) |
| Spannweite | 10,43 m |
| Länge | 6,33 m |
| Höhe | 2,15 m |
| Flügelfläche | 15,8 m² |
| Leergewicht | 230 kg |
| Maximales Abfluggewicht | 450 kg |
| Motorleistung | 50–100 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 175 km/h |
| Reisegeschwindigkeit | 145 km/h |
| Mindestgeschwindigkeit (Stall) | 52 km/h |
| Steigrate | 4,5 m/s (mit 100 PS) |
| Dienstgipfelhöhe | 4.000 m |
| Kraftstoffkapazität | 80 l |
| Reichweite | 700 km |
| Gurtungsbereich | +4 / –2 g |
Cockpit und Avionik
Instrumentierung
Das offene oder halb geschlossene Cockpit kann in minimalistischer Version mit analogen Rundinstrumenten ausgestattet werden. Erweiterungen umfassen:
- GPS-Panel
- Mode-S-Transponder
- Variometer und Fluginformationssysteme
- Engine-Monitor mit Temperatur- und Drucksensoren
Ergonomie und Sicherheit
Bequeme, ergonomisch geformte Sitze mit Vierpunktgurten sorgen für sicheren Halt. Die Einstiegsklappe lässt sich zur Seite schwenken und dient gleichzeitig als Regenschutz. Ein einstellbares Seitenfenster bietet Schutz vor Wind und Spritzwasser.
Flugleistungen
Start und Landung
Dank geringem Flächenbelastungsverhältnis reicht in der Regel eine Pistenlänge von 100 m für den Start, selbst bei voller Zuladung. Die Landestrecke liegt bei etwa 80 m. Mit Amphibien-Schwimmern verlängert sich die Anlauf- und Bremsstrecke auf Wasser um etwa 30 %.
Manövrierfähigkeit und Handling
Die Pelican zeichnet sich durch direkte Ruderansprache und stabiles Längs- und Querruderverhalten aus. Sie erlaubt leichte Kunstflugmanöver im zulässigen Rahmen und bietet in Kurvenflug ein präzises Feedback.
Betrieb und Wartung
Wartungsintervalle
Kleinere Sichtprüfungen werden alle 25 Flugstunden empfohlen. Eine umfassende Inspektion des Stahlrohrrahmens und der Fertigungsschweißnähte ist alle 100 Stunden oder einmal jährlich durchzuführen. Die Rotax-Serienmotoren haben TBO-Werte zwischen 1.200 und 2.000 Stunden.
Betriebskosten
Durch den geringen Kraftstoffverbrauch (ca. 15 l/h bei Reisegeschwindigkeit) und einfache Konstruktion liegen die durchschnittlichen Betriebskosten bei etwa 25–35 € pro Flugstunde. Ersatzteile und Verschleißkomponenten sind dank großer Community und verbreiteter Motoren leicht erhältlich.
Varianten und Sonderausstattung
Pelican PL
Die Basisversion mit Starrachsenfahrwerk und Stoffbespannung.
Pelican Sport
Verstärktes Fahrwerk, Dreiblatt-Propeller und optionale Winglets für bessere Langsamflugeigenschaften.
Pelican Amphibie
Mit Schwimmern aus Aluminium und korrosionsgeschützten Komponenten für Wasserflug.
Optionale Extras:
- Funkgeräte und moderne Glas-Cockpits
- Heizung für Winterflüge
- LED-Landebeleuchtung
- Lackierung nach Kundenwunsch
Einsatzbereiche und Anwenderkreise
Die Ultravia Pelican eignet sich ideal für Freizeitflüge, Schulung von Ultraleichtpiloten und abgelegene Erkundungsflüge in unwegsamem Gelände oder auf Seen. Ihre einfache Handhabung macht sie bei Flugschulen und Abenteurern gleichermaßen beliebt.
Zukunftsperspektiven
Mit aktuellen Fertigungsmethoden wie CNC-gefertigten Rohrrahmen und 3D-gedruckten Cockpitteilen könnten zukünftige Pelican-Kits noch präziser und schneller montiert werden. Hybrid- oder Elektroantriebe stehen als mögliche Modernisierung zur Debatte, um Emissionen zu senken und die Flugeffizienz weiter zu steigern.