Honda CR250M

Honda CR250M

Honda CR250M: Der Durchbruch ins Motocross-Zeitalter

Die Honda CR250M Elsinore war mehr als nur ein Motorrad – sie war ein Meilenstein in der Geschichte des Motocross-Sports. Als Honda 1973 die CR250M präsentierte, sorgte das Unternehmen für einen Paukenschlag in einer Szene, die damals von europäischen Marken wie Husqvarna, CZ und Maico dominiert wurde. Die CR250M war das erste voll wettbewerbsfähige Motocross-Motorrad mit Zweitaktmotor aus japanischer Produktion und markierte den Beginn von Hondas bis heute anhaltender Dominanz im Offroad-Bereich. In diesem Artikel nehmen wir die Honda CR250M detailliert unter die Lupe, von ihrer technischen Konzeption über ihr Fahrverhalten bis hin zu ihrer historischen Bedeutung.

Historischer Kontext

In den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren war Motocross in Nordamerika auf dem Vormarsch. Während europäische Hersteller ihre Vormachtstellung auf den Rennstrecken behaupteten, arbeitete Honda im Stillen an einem Motorrad, das diese Dominanz brechen sollte. Das Ergebnis war die CR250M Elsinore, benannt nach dem berühmten Elsinore Grand Prix in Kalifornien.

Die Einführung der CR250M 1973 war revolutionär: Sie war leichter, leistungsstärker und einfacher zu warten als viele ihrer europäischen Konkurrenten. Zudem war sie serienmäßig bereit für den Renneinsatz – ein Novum in einer Zeit, in der Fahrer ihre Maschinen oft erst umfangreich modifizieren mussten, um auf Wettbewerbsniveau zu kommen.

Technische Spezifikationen (Modelljahr 1973)

Motor

  • Typ: Luftgekühlter Zweitakt-Einzylindermotor
  • Hubraum: 247 cm³
  • Bohrung x Hub: 70 mm x 64,4 mm
  • Leistung: ca. 29–30 PS bei rund 8.000 U/min
  • Vergaser: Keihin Rundschieber-Vergaser, 34 mm
  • Zündung: Magnetzündung mit kontaktgesteuertem Unterbrecher
  • Kühlung: Luftgekühlt
  • Startsystem: Kickstarter
  • Kraftstoffmischung: 1:20 bis 1:25 (Zweitaktöl zu Benzin)

Antrieb

  • Kupplung: Mehrscheiben-Ölbadkupplung
  • Getriebe: 5-Gang-Schaltgetriebe
  • Endantrieb: Kette
  • Übersetzung: Für Wettbewerbsbedingungen abgestimmt, mit kurzem ersten und langem fünften Gang

Fahrwerk

  • Rahmen: Stahlrohrrahmen in Doppelschleifenbauweise
  • Vorderradaufhängung: Teleskopgabel, Federweg ca. 200 mm
  • Hinterradaufhängung: Zweifachfederbeine mit progressiver Federrate, Federweg ca. 180 mm
  • Bremsen:
    • Vorne: Trommelbremse, Ø 140 mm
    • Hinten: Trommelbremse, Ø 140 mm
  • Felgen: Aluminium mit Drahtspeichen
  • Reifen:
    • Vorne: 3.00 x 21 Zoll
    • Hinten: 4.00 x 18 Zoll

Maße und Gewicht

  • Radstand: 1.390 mm
  • Bodenfreiheit: ca. 300 mm
  • Sitzhöhe: ca. 860 mm
  • Leergewicht: ca. 96 kg
  • Tankinhalt: 7 Liter (Stahltank)

Leistung und Fahrverhalten

Die Honda CR250M war für ihre Zeit außergewöhnlich leistungsfähig. Ihr robuster Einzylindermotor mit knapp 30 PS bei einem Gewicht von unter 100 kg lieferte ein sensationelles Leistungsgewicht, das vielen damaligen Konkurrenten überlegen war. Die Beschleunigung war kraftvoll, der Motor drehfreudig und bot eine lineare Leistungsentfaltung – ein großer Vorteil auf technisch anspruchsvollen Kursen.

Das Getriebe war fein abgestimmt und erlaubte schnelle Gangwechsel, während die Kupplung eine sehr gute Rückmeldung lieferte. Die Gasannahme war dank des Keihin-Vergasers direkt und berechenbar, auch bei schwierigen Bodenverhältnissen.

Fahrwerksseitig war die CR250M ihrer Zeit voraus: Die Kombination aus einem steifen Doppelschleifenrahmen und langhubigen Federelementen verlieh dem Motorrad eine ausgezeichnete Fahrstabilität und Traktion. Besonders bemerkenswert war die Neutralität im Kurvenverhalten – das Vorderrad führte präzise durch enge Turns, während das Heck willig nachfolgte, ohne unkontrolliert auszubrechen.

Trotz der noch konventionellen Trommelbremsen war die Verzögerung in der Praxis ausreichend, da das geringe Gewicht die Bremskräfte effizient auf den Boden brachte. Die mechanische Einfachheit der Bremsen hatte zudem den Vorteil der hohen Zuverlässigkeit und leichten Wartbarkeit.

Verarbeitung und Detailqualität

Die CR250M war nicht nur leistungsstark, sondern auch exzellent verarbeitet. Honda legte großen Wert auf Detailtreue und mechanische Präzision: Vom sauber geschweißten Rahmen über die robuste Gabelbrücke bis hin zu den leichtgängigen Hebeln war jedes Bauteil hochwertig gefertigt. Selbst nach Jahrzehnten im Einsatz – oft unter harten Wettbewerbsbedingungen – finden sich heute noch viele fahrbereite CR250M in Sammlungen und bei Vintage-Rennen.

Ein weiteres Highlight war das geringe Maß an notwendigem Feintuning. Wo bei europäischen Marken oftmals umfangreiche Modifikationen erforderlich waren, konnte die CR250M „aus der Kiste“ heraus auf der Strecke bestehen. Dies machte sie besonders für nordamerikanische Privatiers und Amateure attraktiv.

Bedeutung für den Offroad-Sport

Die Honda CR250M veränderte die Motocross-Welt. Mit ihr zeigte ein japanischer Hersteller zum ersten Mal, dass er in der Lage war, ein wettbewerbsfähiges und gleichzeitig zuverlässiges Motocross-Motorrad zu bauen. Zahlreiche nationale und internationale Siege – unter anderem mit Fahrern wie Gary Jones und Marty Smith – untermauerten das Potenzial der Maschine.

Sie gilt als eines der Motorräder, das den Übergang von der europäischen zur japanischen Dominanz im Offroad-Rennsport eingeläutet hat. Die CR-Serie von Honda wurde nach ihr über Jahrzehnte weiterentwickelt und erreichte mit der späteren CR250R weitere Meilensteine, doch der Ursprung liegt in der legendären Elsinore.

Restaurierung und Ersatzteilversorgung

Trotz ihres Alters ist die CR250M nach wie vor ein begehrtes Objekt für Sammler und Restauratoren. Ersatzteile sind überraschend gut verfügbar – sowohl durch Nachfertigungen als auch durch originale Honda-Bestände. Besonders beliebt sind komplette Restaurationen im Originalzustand, mit dem klassischen silbernen Tank, grünen Startnummerntafeln und minimalistischem Heckkotflügel.

Technisch bietet die CR250M aufgrund ihrer Einfachheit einen hervorragenden Zugang für Hobby-Schrauber. Wer sich mit Zweitakttechnik auskennt, kann Motor und Fahrwerk problemlos selbst warten und instand setzen.

Fazit

Die Honda CR250M war eine Pionierleistung, die die Offroad-Welt nachhaltig veränderte. Mit ihrer ausgewogenen Kombination aus Leistung, Gewicht, Zuverlässigkeit und Handling setzte sie neue Maßstäbe im Motocross-Sport. Sie war das erste Motorrad, das Honda mit echtem Wettbewerbsanspruch auf die Rennstrecke schickte – und es war ein voller Erfolg.

Auch heute noch ist die CR250M ein Symbol für technische Innovation, Mut zur Veränderung und japanische Ingenieurskunst. Wer das Glück hat, eine gut erhaltene oder restaurierte Maschine zu besitzen, hält ein Stück Motorsportgeschichte in den Händen – kraftvoll, leicht, schön und absolut einzigartig.

Honda ELSINORE CR250M in the honda collection hall