Stand: Oktober 2026
Einen Gaming-PC zu bauen war schon immer eine Frage des richtigen Budgets. Doch 2026 hat sich die Ausgangslage deutlich verändert. Wer heute einen neuen Rechner zusammenstellen möchte, muss nicht mehr nur entscheiden, welche Grafikkarte oder welcher Prozessor das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Vor allem Arbeitsspeicher und SSDs sind zu einem erheblichen Kostenfaktor geworden. Die weltweite Nachfrage nach Speicherchips wird zunehmend von Rechenzentren und KI-Infrastruktur bestimmt, während die Kapazitäten der Hersteller entsprechend verschoben werden. Das bekommt inzwischen auch der klassische PC-Spieler zu spüren.
Die Entwicklung ist bemerkenswert: TrendForce erwartet für das vierte Quartal 2026 weitere Preissteigerungen von 10 bis 15 Prozent bei konventionellem DRAM und von 15 bis 20 Prozent bei NAND-Flash. Besonders Enterprise-SSDs stehen unter starkem Nachfragedruck, weil Cloud-Anbieter und KI-Rechenzentren enorme Speichermengen benötigen. Gleichzeitig wird Produktionskapazität zugunsten lukrativerer Server- und KI-Produkte eingesetzt.
Für den Gaming-PC bedeutet das: Die klassische Empfehlung „Beim RAM lieber etwas mehr nehmen“ oder „Eine große SSD kostet doch kaum noch etwas“ funktioniert nicht mehr so selbstverständlich wie noch vor einigen Jahren. Wer 2026 einen Rechner baut, muss stärker priorisieren. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht einfach, wie viel Geld man für einen Gaming-PC ausgeben sollte, sondern wo das Geld tatsächlich in Spieleleistung umgesetzt wird.
Und genau hier liegt die Chance. Denn trotz der Speicherkrise muss ein Gaming-PC nicht automatisch absurd teuer werden. Wer an den richtigen Stellen spart, kann weiterhin ein sehr leistungsfähiges System bauen. Wer dagegen an den falschen Komponenten kürzt, zahlt am Ende möglicherweise doppelt: zunächst durch eine schlechtere Ausstattung und später durch ein notwendiges Upgrade.
Die Speicherkrise verändert die Regeln beim PC-Bau
Die derzeitige Situation ist nicht einfach eine normale Preisschwankung bei einzelnen Produkten. DRAM und NAND sind zentrale Bausteine für praktisch jedes moderne Computersystem. DDR5-Arbeitsspeicher, NVMe-SSDs, Smartphones, Server und KI-Beschleuniger greifen auf dieselben grundlegenden Produktionskapazitäten der Halbleiterindustrie zurück. Besonders die stark wachsende KI-Infrastruktur benötigt enorme Mengen an Speicher und Storage.
Das führt zu einer unangenehmen Situation für klassische PC-Käufer. Während ein Gamer vielleicht 32 GB DDR5 und eine 2-TB-SSD benötigt, kaufen große Rechenzentrumsbetreiber Speicher in völlig anderen Größenordnungen. Für Hersteller ist deshalb entscheidend, wo sich die höheren Margen erzielen lassen. TrendForce beschreibt genau diese Verschiebung: Speicherhersteller priorisieren weiterhin leistungsfähige Serverprodukte und Enterprise-SSDs, wodurch weniger Kapazität für den klassischen PC-Markt zur Verfügung steht.
Auch im Endkundenmarkt sind die Auswirkungen bereits deutlich. PC Games Hardware berichtete im August 2026 von Rekordpreisen bei DDR5 und DDR4 sowie deutlich gestiegenen Preisen für SSDs und Festplatten. Besonders drastisch fällt der Anstieg bei manchen DDR5-Kits aus.
Das verändert die klassische Budgetverteilung. Früher konnte man beispielsweise einen bestimmten Betrag für eine Grafikkarte, einen kleineren Betrag für RAM und eine relativ günstige große SSD einplanen. Heute kann allein ein hochwertiges RAM-Kit einen wesentlich größeren Anteil des Gesamtbudgets verschlingen.
Die Konsequenz daraus sollte aber nicht lauten, beim Arbeitsspeicher einfach auf die kleinstmögliche Kapazität zu gehen. Viel sinnvoller ist es, die gesamte Plattform so zu planen, dass man möglichst wenig Geld für Dinge ausgibt, die beim Spielen kaum einen Unterschied machen.
Die wichtigste Regel: Nicht an der Grafikkarte sparen
Wenn das Budget begrenzt ist, sollte die Grafikkarte normalerweise die letzte große Komponente sein, an der man spart. Das klingt zunächst banal, ist aber gerade in Zeiten hoher Speicherpreise besonders wichtig.
Der Grund ist einfach: Die GPU bestimmt in den meisten Gaming-Szenarien maßgeblich, welche Auflösung, welche Grafikdetails und welche Bildraten möglich sind. Wer beispielsweise 100 Euro bei der Grafikkarte einspart, kann je nach Modell einen deutlich größeren Performanceverlust erleben als bei der Wahl eines etwas langsameren SSDs oder eines weniger luxuriösen Mainboards.
Das bedeutet nicht, dass man automatisch die teuerste GPU kaufen sollte. Im Gegenteil: Eine Grafikkarte sollte zum Monitor und zum gewünschten Spieleszenario passen. Wer auf 1080p mit hoher Bildrate spielt, benötigt eine andere Leistungsklasse als jemand mit einem 1440p- oder 4K-Monitor. Auch Raytracing und Upscaling-Technologien verändern die Anforderungen.
Die entscheidende Frage lautet daher: Welche GPU brauche ich tatsächlich?
Wer beispielsweise hauptsächlich kompetitive Spiele wie Counter-Strike, Valorant oder Fortnite spielt, kann seine Prioritäten anders setzen als jemand, der aktuelle AAA-Titel mit maximalen Details und Raytracing spielen möchte. Für den ersten Nutzer kann eine starke Mittelklasse-GPU vollkommen ausreichend sein. Für den zweiten wäre eine zu starke Kürzung bei der Grafikkarte dagegen schnell spürbar.
Gerade in der Speicherkrise sollte man deshalb nicht den Fehler machen, ein Luxus-Mainboard, eine riesige SSD und extrem schnellen RAM zu kaufen und anschließend bei der GPU zu sparen.
RAM: 32 GB sind 2026 der neue vernünftige Standard
Beim Arbeitsspeicher ist die Situation besonders interessant. Noch vor einigen Jahren galten 16 GB als komfortable Gaming-Ausstattung. Heute verschiebt sich die Grenze zunehmend.
Die September-2026-Statistik von Steam zeigt, dass 32 GB inzwischen die häufigste RAM-Konfiguration unter den erfassten Gaming-PCs sind. 42,22 Prozent der Systeme verfügen über 32 GB, während 16-GB-Systeme auf 37,82 Prozent zurückgefallen sind.
Das bedeutet allerdings nicht, dass 16 GB plötzlich unbrauchbar wären. Viele Spiele laufen weiterhin damit. Aber ein neuer Gaming-PC sollte heute möglichst nicht mehr auf 16 GB ausgelegt werden, wenn er mehrere Jahre verwendet werden soll.
Interessant ist dabei die Frage, ob man 32, 48 oder 64 GB kaufen sollte. Genau hier lässt sich in Zeiten hoher Speicherpreise viel Geld sparen.
Für einen klassischen Gaming-PC sind 32 GB DDR5 derzeit in vielen Fällen der sinnvollste Ausgangspunkt. Wer hauptsächlich spielt, nebenbei Discord, einen Browser und vielleicht Streaming-Software nutzt, benötigt normalerweise keine 64 GB. Wer dagegen häufig Mods mit extrem großen Texturen verwendet, gleichzeitig streamt, Videos bearbeitet oder speicherintensive Anwendungen nutzt, kann von 64 GB profitieren.
Noch größere Kapazitäten sind für einen reinen Gaming-PC meist Luxus.
Die Versuchung ist groß, angesichts der Speicherkrise möglichst viel RAM zu kaufen, solange man gerade ein Budget zur Verfügung hat. Doch das ist nicht unbedingt sinnvoll. Wenn 64 GB beispielsweise mehrere hundert Euro mehr kosten als ein ordentliches 32-GB-Kit, kann das Geld an anderer Stelle wesentlich mehr bewirken.
32 GB sind deshalb der wichtigste Kompromiss: genug für moderne Spiele, ausreichend Reserven und deutlich vernünftiger als ein überdimensionierter Speicherausbau.
Lieber 32 GB mit guter Plattform als 64 GB um jeden Preis
Noch wichtiger ist die Art und Weise, wie man die 32 GB realisiert.
Bei einer modernen DDR5-Plattform sollte man auf ein sinnvolles Kit mit zwei Modulen setzen, statt unnötig viele Module zu verwenden. Zwei DIMMs erleichtern dem Speichercontroller häufig den Betrieb mit höheren Taktraten und guten Timings.
Das bedeutet gleichzeitig: Wer später aufrüsten möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass vier belegte RAM-Steckplätze nicht automatisch die beste Lösung sind. Ein 2×16-GB-Kit kann für einen Gaming-PC sinnvoller sein als ein gemischter Aufbau aus mehreren Modulen.
Wer heute 32 GB kauft und später auf 64 GB wechseln möchte, sollte möglichst von Anfang an eine Plattform wählen, bei der dieser Ausbau sinnvoll möglich ist. Allerdings darf man die Aufrüstbarkeit nicht überschätzen. Ein späteres 2×32-GB-Kit kann unter Umständen problemloser sein als das Hinzufügen eines zweiten 2×16-GB-Kits.
In der aktuellen Marktsituation lohnt sich deshalb ein Blick auf den Gesamtpreis pro sinnvoller Kapazität, nicht auf die bloße Modulanzahl.
Und auch beim Takt sollte man nicht jedem Aufpreis hinterherlaufen. Ein extrem teures High-End-Kit mit minimal besseren Timings bringt beim Spielen häufig deutlich weniger als die Marketingangaben vermuten lassen. Zwischen einem guten DDR5-Kit und einem absoluten Enthusiasten-Kit liegen auf dem Papier möglicherweise große Zahlen, in realen Spielen aber oft nur relativ kleine Unterschiede.
Gerade bei knappen Budgets ist das ein hervorragender Sparpunkt.
6000 MT/s oder 8000 MT/s? Nicht jeder Unterschied zählt
Speicherhersteller verkaufen RAM zunehmend mit beeindruckenden Taktraten und aggressiven Timings. Das kann technisch interessant sein, aber der teuerste Speicher ist nicht automatisch der beste Speicher für einen Gaming-PC.
Für viele moderne Plattformen ist ein gut abgestimmtes DDR5-Kit im Bereich um 6000 MT/s ein wesentlich interessanterer Sweet Spot als ein extrem teures Kit mit deutlich höherer nomineller Geschwindigkeit.
Wer bereit ist, sich intensiver mit Speicher-Timings, Speichercontrollern und Plattformverhalten zu beschäftigen, kann natürlich zusätzliche Leistung herausholen. Für den durchschnittlichen Gaming-PC ist der Mehrwert eines extrem schnellen Kits aber häufig zu klein, um einen großen Aufpreis zu rechtfertigen.
Hier lässt sich also relativ gefahrlos sparen.
Das Geld sollte besser in eine schnellere GPU, eine bessere CPU-Klasse oder schlicht in die Lebensdauer des Systems investiert werden.
SSD: Hier lässt sich 2026 besonders viel falsch machen
Noch komplizierter ist die Situation beim Massenspeicher. SSDs sind zwar deutlich schneller als klassische Festplatten, aber die Leistungsunterschiede zwischen verschiedenen NVMe-SSDs werden beim Spielen häufig überschätzt.
Eine moderne PCIe-4.0-NVMe-SSD kann bereits enorme sequenzielle Transferraten erreichen. Für das Betriebssystem, Spieleinstallationen und alltägliche Anwendungen ist sie in vielen Fällen mehr als schnell genug.
Das Problem: Die Hersteller verkaufen PCIe-5.0-SSDs mit teilweise spektakulären Leistungswerten. 10.000, 12.000 oder sogar mehr als 14.000 MB/s lesen sich beeindruckend. Doch beim Start eines Spiels bedeutet das nicht automatisch, dass dieses Spiel doppelt so schnell geladen wird wie auf einer guten PCIe-4.0-SSD.
Gerade hier sollte man zwischen Benchmark-Leistung und tatsächlichem Nutzen unterscheiden.
Ein Gaming-PC führt nicht permanent riesige sequenzielle Kopiervorgänge durch. Viele Spiele arbeiten mit zahlreichen kleinen Zugriffen, Kompression, Dekompression und anderen Aufgaben. Die SSD ist wichtig, aber ihre maximale sequentielle Transferrate ist nicht der einzige und oft auch nicht der wichtigste Faktor.
PCIe 5.0 kann sinnvoll sein, wenn große Datenmengen regelmäßig verschoben werden, bei professioneller Arbeit mit großen Projekten oder bestimmten Workstation-Anwendungen. Für einen normalen Gaming-PC ist eine gute PCIe-4.0-SSD dagegen häufig die vernünftigere Investition.
Bei der SSD lieber Kapazität als Luxusgeschwindigkeit kaufen
Wenn man 2026 beim Gaming-PC sparen möchte, ist die SSD ein besonders interessanter Ansatzpunkt.
Die entscheidende Frage lautet nicht: Wie bekomme ich die schnellste SSD?
Sondern: Wie bekomme ich ausreichend Speicherplatz zu einem vernünftigen Preis?
Denn Spiele werden immer größer. Ein Gaming-PC mit einer extrem schnellen 1-TB-SSD kann sich im Alltag schnell unangenehmer anfühlen als ein Rechner mit einer etwas langsameren 2-TB-SSD. Wer regelmäßig große Spiele installiert, deinstalliert und wieder herunterlädt, weiß, wie schnell ein einzelnes Laufwerk voll sein kann.
Aktuelle Preisangebote zeigen zudem, wie groß die Unterschiede zwischen einzelnen SSD-Klassen sein können. Im Oktober 2026 finden sich beispielsweise weiterhin PCIe-4.0-Modelle mit 2 TB und 4 TB, die trotz der allgemein hohen Speicherpreise deutlich attraktiver sein können als High-End-PCIe-5.0-Laufwerke.
Das führt zu einer einfachen Empfehlung: Für einen Gaming-PC ist eine gute 2-TB-PCIe-4.0-SSD oft sinnvoller als eine extrem schnelle 1-TB-PCIe-5.0-SSD.
Noch besser kann es sein, zunächst eine vernünftige 2-TB-SSD einzubauen und später eine zweite SSD nachzurüsten, wenn der Speicher wieder günstiger wird.
QLC ist nicht automatisch schlecht – aber man sollte wissen, was man kauft
In Zeiten hoher SSD-Preise rückt außerdem QLC-NAND stärker in den Fokus. QLC speichert vier Bits pro Speicherzelle und ermöglicht dadurch eine hohe Speicherdichte. Das macht entsprechend ausgestattete SSDs potenziell günstiger pro Terabyte.
Für eine Spielebibliothek kann das durchaus interessant sein.
Eine QLC-SSD ist nicht automatisch eine schlechte SSD. Wer hauptsächlich Spiele installiert, Programme nutzt und gelegentlich Dateien kopiert, kann mit einem guten QLC-Modell durchaus zufrieden sein.
Problematisch wird es eher bei langen, intensiven Schreibvorgängen. Hier können Cache-Mechanismen eine Rolle spielen. Eine SSD kann zunächst sehr schnell schreiben und anschließend deutlich langsamer werden, wenn der schnelle Cache erschöpft ist.
Für einen typischen Gaming-PC ist das allerdings etwas anderes als für eine Workstation, auf der regelmäßig hunderte Gigabyte an Videomaterial bewegt werden.
Deshalb gilt auch hier: Nicht nach NAND-Typ allein kaufen, sondern nach dem Einsatzzweck.
Wer ausschließlich eine riesige Steam-Bibliothek unterbringen möchte, kann bei der SSD durchaus pragmatischer sein. Wer dagegen professionell Videoschnitt betreibt, große Datenbanken verwendet oder ständig Terabytes an Daten bewegt, sollte nicht am falschen Ende sparen.
PCIe 5.0 ist ein Luxus – und manchmal sogar ein thermisches Problem
Ein weiterer Punkt spricht aktuell gegen den reflexartigen Kauf einer PCIe-5.0-SSD: die Wärmeentwicklung.
PCIe-5.0-Laufwerke können unter hoher Last deutlich mehr Wärme erzeugen als viele PCIe-4.0-Modelle. Das macht Kühlung wichtiger. Untersuchungen zu Mainboard-M.2-Kühlern haben außerdem gezeigt, dass die Qualität und der tatsächliche Kontakt zwischen Kühler und SSD keineswegs bei jedem Board optimal sind. Unter hoher Last können schnelle PCIe-5.0-Laufwerke deshalb thermisch gedrosselt werden.
Damit entsteht eine gewisse Ironie: Man kauft eine besonders schnelle SSD, um maximale Transferraten zu erhalten, und muss anschließend Geld und Aufmerksamkeit in eine bessere Kühlung investieren, damit diese Leistung überhaupt länger anliegt.
Für einen Gaming-PC ist das häufig unnötig.
Eine gute PCIe-4.0-SSD ist einfacher zu kühlen, verbraucht oft weniger Energie und reicht für Spiele in vielen Fällen völlig aus. Wer nicht regelmäßig große Datenmengen bewegt, kann den Aufpreis für PCIe 5.0 deshalb sehr gut einsparen.
Beim Mainboard lässt sich überraschend viel Geld sparen
Eine der größten Budgetfallen beim Gaming-PC ist das Mainboard.
Hersteller verkaufen Mainboards in enorm vielen Varianten. Einige Modelle kosten nur einen Bruchteil von High-End-Platinen, obwohl sie denselben Prozessor unterstützen und ähnliche Gaming-Leistung ermöglichen.
Teure Mainboards bieten natürlich zusätzliche Funktionen: mehr M.2-Steckplätze, bessere Spannungsversorgung, mehr USB-Anschlüsse, WLAN, hochwertige Audiochips, zusätzliche PCIe-Lanes, Diagnoseanzeigen oder aufwendigere Kühlung.
Die entscheidende Frage ist aber: Brauche ich das?
Wer einen normalen Gaming-PC baut, benötigt selten eine extrem aufwendige Spannungsversorgung. Moderne Mainboards der Mittelklasse können leistungsfähige CPUs problemlos versorgen. Auch ein riesiger Vorrat an M.2-Steckplätzen ist nicht zwingend notwendig, wenn man ohnehin nur eine oder zwei SSDs einbauen möchte.
Hier kann man problemlos einen dreistelligen Betrag sparen, ohne auch nur ein einziges Bild pro Sekunde zu verlieren.
Das ist einer der besten Sparpunkte beim PC-Bau.
Aber nicht am Netzteil sparen
Beim Netzteil gilt das Gegenteil.
Ein billiges Netzteil ist eine der schlechtesten Stellen, an denen man beim Gaming-PC Geld einsparen kann. Es ist nicht nur für die Stabilität des Systems verantwortlich, sondern versorgt sämtliche Komponenten mit Energie.
Gerade moderne High-End-Grafikkarten können erhebliche Lastspitzen erzeugen. Ein hochwertiges Netzteil mit passenden Schutzschaltungen und ausreichender Leistungsreserve ist deshalb eine Investition in die Zuverlässigkeit des gesamten Systems.
Man muss allerdings auch hier nicht automatisch das teuerste Modell kaufen. Ein hochwertiges Netzteil mit sinnvoller Leistungsklasse ist wichtiger als eine riesige Wattzahl.
Wer beispielsweise eine effiziente Mittelklasse-GPU verwendet, benötigt kein überdimensioniertes Netzteil, nur weil ein Hersteller ein 1.200-Watt-Modell anbietet.
Beim Netzteil sparen: nein. Beim unnötigen Überdimensionieren: ja.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Beim Gehäuse muss es kein Luxusmodell sein
Auch beim Gehäuse lässt sich Geld sparen, ohne die Spieleleistung zu reduzieren.
Ein 250-Euro-Gehäuse macht eine Grafikkarte nicht schneller als ein gutes 80- oder 100-Euro-Gehäuse. Entscheidend sind vielmehr Airflow, Platzangebot, Verarbeitung und Kompatibilität.
Ein vernünftiges Gehäuse mit Mesh-Front, ausreichend großen Lüftern und guter Belüftung ist für die meisten Gaming-PCs völlig ausreichend.
RGB-Beleuchtung, Glasflächen, spezielle Materialien und ausgefallene Designs können natürlich attraktiv sein. Sie sind aber Luxus.
Wer ein knappes Budget hat, sollte lieber ein schlichtes Gehäuse mit gutem Airflow kaufen und das gesparte Geld in die GPU investieren.
Das ist ein wiederkehrendes Muster beim PC-Bau: Komponenten, die direkt Leistung erzeugen, sollten Vorrang vor Komponenten haben, die nur die Optik verbessern.
Auch bei den Lüftern muss man nicht übertreiben
Ein ähnlicher Grundsatz gilt für zusätzliche Lüfter.
Ein gutes Gehäuse bringt häufig bereits mehrere Lüfter mit. Je nach Aufbau können zwei oder drei zusätzliche Lüfter sinnvoll sein, aber ein halbes Dutzend Premium-Lüfter für mehrere hundert Euro ist für einen Gaming-PC normalerweise nicht notwendig.
Der optimale Airflow lässt sich mit vergleichsweise einfachen Mitteln erreichen.
Auch hier kann man sparen, ohne Leistung zu verlieren.
CPU: Nicht zu viel Geld für theoretische Reserven ausgeben
Bei der CPU sollte man sich ebenfalls davor hüten, unnötig weit nach oben zu gehen.
Für einen Gaming-PC ist ein aktueller Mittelklasse- oder gehobener Mittelklasse-Prozessor häufig die bessere Wahl als ein extrem teures High-End-Modell. Zwar gibt es Szenarien, in denen zusätzliche CPU-Kerne und höhere Leistung sinnvoll sind, doch für viele Spiele limitiert irgendwann die GPU.
Wer beispielsweise in 1440p mit hohen Grafikeinstellungen spielt, sollte nicht mehrere hundert Euro zusätzlich in eine CPU investieren, während gleichzeitig die Grafikkarte unter dem eigentlichen Budget liegt.
Anders sieht es bei sehr hohen Bildraten aus. Wer einen 240-Hz- oder 360-Hz-Monitor verwendet und kompetitive Spiele spielt, kann stärker von einer schnellen CPU profitieren.
Deshalb sollte die CPU immer gemeinsam mit GPU, Auflösung und Monitor betrachtet werden.
Der größte Fehler: Ein „ausgewogenes“ System nach Datenblatt bauen
Ein Gaming-PC muss nicht auf dem Papier überall gleich teuer ausgestattet sein.
Das ist eine wichtige Erkenntnis.
Viele Nutzer versuchen, eine Art Gleichgewicht herzustellen: schnelle CPU, schnelle GPU, maximaler RAM, schnellste SSD, teures Mainboard, Wasserkühlung und hochwertiges Gehäuse. Das klingt nach einem perfekten System, ist bei begrenztem Budget aber häufig ineffizient.
Ein Gaming-PC darf stattdessen bewusst unausgewogen sein, solange diese Unausgewogenheit zum Einsatzzweck passt.
Ein Rechner mit einer sehr starken GPU, einer guten Mittelklasse-CPU, 32 GB RAM, einer PCIe-4.0-SSD und einem günstigen Mainboard kann für Gaming wesentlich sinnvoller sein als ein Rechner mit High-End-CPU, 64 GB Luxus-RAM, PCIe-5.0-SSD und einer schwächeren Grafikkarte.
Der Unterschied zeigt sich auf dem Bildschirm.
Und genau darum geht es beim Gaming-PC.
Wo sollte man also konkret sparen?
Wenn das Budget knapp ist, würde ich die Komponenten ungefähr nach folgendem Prinzip priorisieren.
Nicht oder nur vorsichtig sparen sollte man bei der Grafikkarte, sofern sie für die gewünschte Auflösung und Bildrate nicht ohnehin ausreichend dimensioniert ist. Die GPU ist der wichtigste Leistungsträger für viele Gaming-Szenarien.
Beim RAM sollte man auf 32 GB als vernünftigen Standard setzen, aber nicht unbedingt 64 GB kaufen, nur weil es technisch möglich ist. Extreme Taktraten und besonders teure Kits sind ebenfalls ein guter Ansatzpunkt zum Sparen.
Bei der SSD sollte man PCIe 4.0 ernsthaft in Betracht ziehen. Eine gute 2-TB-SSD kann für einen Gaming-PC sinnvoller sein als eine teure PCIe-5.0-SSD mit nur 1 TB. Wer nur spielt, muss nicht unbedingt für maximale sequenzielle Transferraten bezahlen.
Beim Mainboard darf man sehr bewusst sparen. Wichtig sind die tatsächlich benötigten Anschlüsse, die CPU-Kompatibilität, vernünftige Spannungsversorgung und ausreichend M.2-/PCIe-Möglichkeiten. Alles darüber hinaus ist optional.
Beim Gehäuse kann man ebenfalls sparen, solange Airflow, Platz und Verarbeitung stimmen.
Beim Netzteil sollte man nicht billig kaufen, aber unnötige Wattreserven und Luxusfeatures vermeiden.
Bei der Kühlung gilt: Eine gute Luftkühlung reicht für viele Gaming-CPUs völlig aus. Eine teure Wasserkühlung ist nicht automatisch schneller und sollte nicht das Budget der Grafikkarte auffressen.
Ein Beispiel für eine sinnvolle Budgetverteilung
Nehmen wir einen Gaming-PC mit einem Gesamtbudget von beispielsweise 1.500 Euro. Die genaue Verteilung hängt natürlich vom aktuellen Markt und den Preisen einzelner Komponenten ab, aber das Prinzip lässt sich unabhängig davon anwenden.
Statt möglichst viele High-End-Komponenten einzubauen, könnte man den Schwerpunkt auf die Grafikkarte legen. Dazu kommen eine vernünftige Mittelklasse-CPU, 32 GB DDR5, eine gute 2-TB-PCIe-4.0-SSD, ein solides Mainboard, ein hochwertiges Netzteil und ein schlichtes Airflow-Gehäuse.
Was man bewusst nicht braucht, sind 64 oder 96 GB RAM, eine extrem teure PCIe-5.0-SSD, ein 300-Euro-Mainboard und eine aufwendige Wasserkühlung.
Das Entscheidende ist nicht, dass jede Komponente maximal schnell ist. Entscheidend ist, dass möglichst viel des Budgets in tatsächlich relevante Gaming-Leistung fließt.
Wann 64 GB RAM trotzdem sinnvoll sind
Die 32-GB-Empfehlung darf allerdings nicht als Dogma verstanden werden.
Wer seinen Gaming-PC gleichzeitig als Arbeitsstation verwendet, sollte genauer hinschauen. Videoschnitt, virtuelle Maschinen, große Entwicklungsumgebungen, 3D-Anwendungen, lokale KI-Modelle und bestimmte Modding-Szenarien können deutlich mehr Arbeitsspeicher benötigen.
Auch bei sehr umfangreichen Simulationen oder Spielen mit extrem großen Mod-Sammlungen kann zusätzlicher RAM sinnvoll sein.
Für diese Nutzer wäre es ein Fehler, ausgerechnet beim Arbeitsspeicher zu sparen.
Das zeigt erneut, warum pauschale PC-Kaufempfehlungen problematisch sind. Ein Gaming-PC ist nicht zwangsläufig ein reiner Spielecomputer.
Wer weiß, dass regelmäßig speicherintensive Anwendungen laufen, sollte die zusätzliche Kapazität einplanen. Wer dagegen nur spielt, muss angesichts der aktuellen Preise nicht unbedingt auf 64 GB aufspringen.
Sollte man wegen der Speicherpreise überhaupt noch einen PC bauen?
Diese Frage ist 2026 durchaus berechtigt.
Wenn ein vorhandener Gaming-PC noch problemlos funktioniert, kann Abwarten finanziell sinnvoll sein. Besonders ein Upgrade von RAM oder SSD ist aktuell schwieriger zu rechtfertigen, wenn die bestehende Hardware noch ausreichend Leistung bietet.
Anders sieht es aus, wenn ein kompletter Neubau notwendig ist. Dann hilft das Warten auf „irgendwann wieder normale Preise“ nur bedingt. Niemand kann garantieren, dass RAM und SSDs in wenigen Monaten plötzlich wieder auf das Preisniveau früherer Jahre fallen.
TrendForce erwartet auch im vierten Quartal 2026 weiterhin steigende Preise bei DRAM und NAND.
Die richtige Strategie lautet deshalb nicht unbedingt „nicht kaufen“, sondern gezielt kaufen.
Wer einen neuen Rechner benötigt, sollte unnötige Luxuskomponenten vermeiden und den PC so konfigurieren, dass später problemlos erweitert werden kann.
Eine clevere Strategie: Heute Leistung kaufen, morgen Speicher erweitern
Ein besonders interessanter Ansatz besteht darin, den Gaming-PC zunächst mit einer vernünftigen Grundausstattung aufzubauen.
32 GB RAM können heute völlig ausreichend sein. Eine 2-TB-SSD bietet bereits viel Platz. Ein Mainboard mit zwei M.2-Steckplätzen lässt später zusätzliche Speicherkapazität zu.
Wenn die Speicherpreise irgendwann wieder stärker fallen, kann man nachrüsten.
Diese Strategie hat einen großen Vorteil: Man bezahlt heute nicht zwangsläufig den aktuellen Aufpreis für Kapazitäten, die man vielleicht erst in zwei oder drei Jahren benötigt.
Allerdings sollte man dabei nicht übertreiben. Ein späteres Upgrade ist nur dann sinnvoll, wenn die Plattform tatsächlich dafür geeignet ist. Deshalb lohnt sich beim Mainboard ein Blick auf die vorhandenen Steckplätze und beim RAM auf die DIMM-Konfiguration.
Der beste Spartrick ist also nicht, weniger Computer zu kaufen.
Es ist, weniger unnötigen Computer zu kaufen.
Was die Speicherkrise für Komplett-PCs bedeutet
Interessant ist außerdem, dass sich die Speicherkrise nicht nur auf Selbstbauer auswirkt. Auch Hersteller fertiger Gaming-PCs müssen mit steigenden Kosten für DRAM und NAND umgehen.
Bereits 2026 zeigen sich im gesamten PC-Markt Auswirkungen steigender Speicherpreise. Untersuchungen zum PC-Markt berichten von rückläufigen Stückzahlen und steigenden Gerätepreisen, während Hersteller gleichzeitig versuchen, die gestiegenen Komponentenkosten weiterzugeben.
Für Käufer bedeutet das: Ein Komplett-PC ist nicht automatisch günstiger als ein Selbstbau, aber Bundles können in manchen Fällen interessant werden. Wenn ein Anbieter CPU, Mainboard und RAM gemeinsam günstiger anbietet, kann sich das gerade in einer angespannten Speicherphase lohnen.
Deshalb sollte man 2026 nicht dogmatisch sagen: „Selbstbau ist immer günstiger.“
Die bessere Regel lautet: Vergleiche den kompletten Rechnerpreis.
Wenn ein Fertig-PC eine starke GPU, 32 GB RAM und eine vernünftige SSD zu einem besseren Gesamtpreis enthält als die Einzelteile, kann er durchaus die bessere Wahl sein.
Die Zukunft: Speicher bleibt ein strategischer Faktor
Die derzeitige Speicherknappheit dürfte nicht über Nacht verschwinden. Die Nachfrage durch KI-Infrastruktur verändert die Prioritäten der Halbleiterindustrie. Gleichzeitig braucht der Aufbau neuer Fertigungskapazitäten Zeit.
Für PC-Spieler bedeutet das, dass Speicherpreise wahrscheinlich noch längere Zeit stärker schwanken werden als gewohnt. Wer heute einen Rechner baut, sollte deshalb nicht mit den Preisstrukturen früherer Jahre kalkulieren.
Gleichzeitig darf man sich von der Krise nicht verrückt machen lassen.
32 GB RAM sind keine Katastrophe. Eine PCIe-4.0-SSD ist nicht veraltet. Ein günstigeres Mainboard macht den Prozessor nicht langsamer. Ein Luftkühler ist keine Notlösung. Und ein schlichtes Gehäuse kann genauso gut kühlen wie ein Luxusmodell.
Der wichtigste Unterschied liegt vielmehr darin, welche Komponente tatsächlich die Spieleleistung bestimmt.
Fazit: Sparen ja – aber an den richtigen Stellen
Der Gaming-PC-Bau im Jahr 2026 verlangt mehr Planung als früher. Die globale Speicherknappheit macht RAM und SSDs teurer und zwingt Käufer dazu, ihre Prioritäten neu zu setzen. Gleichzeitig eröffnet genau diese Situation die Möglichkeit, einige übertriebene Hardwaretrends kritisch zu hinterfragen.
Wer heute einen Gaming-PC baut, sollte zunächst die Grafikkarte entsprechend seiner Auflösung und gewünschten Bildrate auswählen. Danach folgt eine CPU, die zur GPU und zum Einsatzzweck passt. Beim RAM sind 32 GB für einen neuen Gaming-PC ein sehr vernünftiger Ausgangspunkt. 64 GB sollte man dann kaufen, wenn man sie tatsächlich benötigt – nicht nur, weil die Zahl auf dem Datenblatt besser aussieht.
Bei der SSD ist die Situation noch eindeutiger: Eine gute PCIe-4.0-NVMe-SSD mit ausreichend Kapazität kann für Gaming wesentlich sinnvoller sein als ein extrem schnelles PCIe-5.0-Modell. Die hohen sequenziellen Transferraten moderner Gen5-Laufwerke sind beeindruckend, aber im normalen Spielebetrieb längst nicht immer entsprechend spürbar. Dazu kommen höhere Anforderungen an die Kühlung. Eine PCIe-5.0-SSD ist daher eher eine gezielte Investition für bestimmte Nutzer als eine Pflichtausstattung für jeden Gaming-PC.
Das Mainboard, das Gehäuse und die RGB-Ausstattung bieten dagegen großes Sparpotenzial. Beim Netzteil und bei der grundlegenden Qualität der Komponenten sollte man hingegen nicht den Rotstift ansetzen.
Die wichtigste Erkenntnis lautet deshalb: In Zeiten von Speicherknappheit sollte man nicht versuchen, überall das billigste Teil zu kaufen. Man sollte gezielt dort sparen, wo weniger Geld kaum weniger Leistung bedeutet.
Oder anders formuliert: 32 GB statt 64 GB, PCIe 4.0 statt PCIe 5.0, Mittelklasse-Mainboard statt Luxusplatine und Luftkühlung statt Prestige-Wasserkühlung können zusammen einen erheblichen Betrag sparen. Dieses Geld ist bei der Grafikkarte meist wesentlich besser aufgehoben.
Der perfekte Gaming-PC 2026 ist deshalb nicht der Rechner mit den höchsten Zahlen auf jedem Datenblatt. Es ist der Rechner, bei dem möglichst wenig Budget für Dinge verschwendet wird, die beim Spielen keinen entsprechenden Mehrwert liefern.
Und genau das ist angesichts der aktuellen Speicherpreise wahrscheinlich die wichtigste Fähigkeit beim PC-Bau: nicht möglichst viel Hardware zu kaufen, sondern möglichst viel Leistung pro Euro.
