Avro Avian
Die Avro Avian ist ein leichter britischer Doppeldecker aus den späten 1920er-Jahren, der sich als Sport- und Reiseflugzeug großer Beliebtheit erfreute. Mit seinem eleganten, offenen Cockpit und der robusten Rohr- und Stoffbauweise bot er Piloten ein ausgewogenes Verhältnis aus Wendigkeit und Reisekomfort. Berühmt wurde die Avian durch zahlreiche Übersee-Expeditionen und Rekordflüge, darunter Amy Johnsons historische Einzelflugreise nach Australien im Jahr 1930. Die einfache Konstruktion und die Kompatibilität zu verschiedenen Antriebseinheiten machten das Muster weltweit attraktiv für Vereine und Privatbesitzer.
Entwicklungsgeschichte
Ursprungsentwurf
Die Avian entstand bei Avro als Weiterentwicklung der Avro 594 Trainer-Serie. Ziel war ein wendiges, leichtes Flugzeug, das sowohl im Kunstflug als auch im längeren Reiseflug überzeugen konnte. Der erste Prototyp hob 1926 ab und diente als Testträger für verschiedene Motoren von 65 bis 100 PS.
Serienreife und Export
Nach umfangreichen Erprobungsflügen begann 1928 die Serienproduktion der Avian II. Neben der Royal Air Force als Schulflugzeug führten Exportaufträge nach Australien, Neuseeland und Südafrika zu zahlreichen Lizenzbauten. Bis 1933 entstanden rund 250 Exemplare in verschiedenen Ausführungen.
Konstruktion und Materialien
Rumpf- und Tragwerksaufbau
Der Rumpf besteht aus einem Fachwerk aus Stahlrohren, das an nicht tragenden Stellen mit Sperrholz verkleidet ist. Die trapezförmigen Doppeldecker-Flügel ruhen auf einholmigen Holmen und sind über gestaffelte Streben miteinander verbunden. Die Bespannung erfolgt mit widerstandsfähigem Leinenstoff, der mit Dope lackiert ist.
Leitwerk und Fahrwerk
Das Kreuzleitwerk ist an festen Streben aufgehängt und mit Stoff bespannt. Die Steuerflächen werden durch Drahtzüge betätigt. Das feste Starrachsfahrwerk verfügt über einfache Gummiseilfederung und ein Spornrad im Heck, das die Belastung auf kurzen Gras- oder Schotterpisten verteilt.
Technische Daten
Abmessungen und Gewichte
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Besatzung | 1 Pilot, 1 Passagier |
| Länge | 7,90 m |
| Spannweite | 10,57 m |
| Höhe | 2,95 m |
| Flügelfläche | 23,0 m² |
| Leergewicht | 410 kg |
| Max. Abfluggewicht | 670 kg |
Antriebsvarianten
| Motor | Leistung | Propeller |
|---|---|---|
| Cirrus II | 85 PS | Zweiblatt-Holzpropeller |
| ADC Cirrus III | 90 PS | Zweiblatt-Verstellpropeller |
| de Havilland Gipsy | 100 PS | Metall-Verstellpropeller |
Leistungsdaten
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Höchstgeschwindigkeit | 185 km/h |
| Reisegeschwindigkeit | 160 km/h |
| Stallgeschwindigkeit | 70 km/h |
| Dienstgipfelhöhe | 4.600 m |
| Steigleistung | 3,3 m/s |
| Reichweite | 500 km |
Varianten
Avian II
Standardversion mit 85-PS-Cirrus-II-Motor und einfacher Instrumentierung. Häufig als Sport- und Kunstflugtrainer verwendet.
Avian III
Modernisierte Ausführung mit 90-PS-ADC-Cirrus-III-Motor und Verstellpropeller. Verbesserte Leistung in mittleren Höhen.
Avian IV
Reiseflugversion mit 100-PS-Gipsy-Motor, größeren Flügeln und Kraftstoffbehältern für erweiterte Reichweite. Beliebt bei Langstreckenflügen.
Einsatz und Nachwirkung
Sport- und Kunstflug
Dank guter Roll- und Querruderansprache war die Avro Avian ein Favorit im Kunstflug. Viele Clubs setzten sie in den 1930er-Jahren für Wettbewerbe ein.
Rekord- und Rundreiseflüge
Die Avian erlangte Weltruhm, als Amy Johnson 1930 allein von England nach Australien flog. Weitere Abenteurer folgten mit Expeditionen durch Afrika und Südamerika.
Erhalt und Restaurierung
Heute sind weltweit noch einige flugfähige Exemplare in Museen und bei Enthusiasten erhalten. Restaurierungen basieren auf Originalplänen und zeitgenössischer Stoffbespannungstechnik.
Zusammenfassung
Die Avro Avian steht für die goldene Ära der Leichtflugzeuge zwischen den Weltkriegen. Mit ihrer flexiblen Motorisierung, der robusten Rohr- und Stoffkonstruktion und bewährten Flugeigenschaften prägte sie Sport- und Reiseflug gleichermaßen. Historische Rekordflüge und der Erhalt weniger Originalmaschinen sichern der Avian bis heute eine bedeutende Rolle in der Luftfahrtgeschichte.