Avia BH-21

Avia BH-21

Die Avia BH-21 ist ein Meilenstein der frühen tschechoslowakischen Luftfahrttechnik und gehörte in den späten 1920er-Jahren zu den schnellsten und wendigsten Jagdflugzeugen ihrer Zeit. Entworfen von Pavel Beneš und Miroslav Hajn, verband der BH-21 modernes Ganzmetall- und Holzkombinationsbauweise mit einem starken Achtzylinder-Wasserkühlmotor. Seine hohe Geschwindigkeit, Agilität und Zuverlässigkeit machten ihn zum Rückgrat der Luftstreitkräfte der jungen Tschechoslowakei. In diesem Artikel betrachten wir seine Entstehung, die Konstruktionsprinzipien und alle maßgeblichen technischen Daten.

Entwicklung und Prototypen

Vorgeschichte bei Avia

Nach dem Ersten Weltkrieg gründeten Pavel Beneš und Miroslav Hajn die Firma Avia, um Flugzeugentwürfe zu realisieren, die moderne Fertigungstechniken mit bewährten Konstruktionen verbinden sollten. Auf den erfolgreichen BH-17- und BH-19-Entwürfen aufbauend, zielten sie beim BH-21 auf höhere Geschwindigkeit und bessere Steigleistung ab, um aktuellen internationalen Jagdbedürfnissen gerecht zu werden.

Erstflug und Erprobung

Der Prototyp hob im Frühjahr 1925 erstmals ab. Bereits wenige Testflüge zeigten, dass das neue Muster Geschwindigkeiten von rund 255 km/h erreichen konnte – im Vergleich zu vielen zeitgenössischen Flugzeugen ein erheblicher Fortschritt. Anpassungen betrafen vor allem die Kühleranordnung und die Verkleidung der Spornräder sowie Feinabstimmungen an Tragflächenprofil und Propeller.

Konstruktion und Aufbau

Rumpf und Hauptrahmen

Der Rumpf setzt auf eine Kombination aus Stahlrohr-Gitterstrukturen im vorderen Bereich und Holzlektopfen im Heck. Eine dünne Sperrholzbeplankung bildet die Außenhaut. Das Cockpit lag weit hinten, um einen kurzen Bug zu ermöglichen und die Visibilität beim Kurvenflug zu verbessern. Ein integriertes Panzerblech vor dem Sitz bot dem Piloten Schutz vor feindlichem Beschuss aus dem Bodenbereich.

Tragwerk und Fahrwerk

Der BH-21 ist ein zweisitziger Tiefdecker mit Einzelholm-Tragflächen aus Holz, die zu einem geringen Teil stoffbespannt sind. Die Stielstütze in V-Form verbindet Flügel und Rumpf, Quer- und Seitenruder steuern präzise die Wendigkeit. Das starre Fahrwerk besteht aus zwei fest angebrachten Rädern mit Gummistreifenfederung und einem kleinen Spornrad hinten. Diese Einfachheit erleichterte den Einsatz auf provisorischen Feldflugplätzen.

Antrieb

Herzstück ist der Wasserkühlmotor Hispano-Suiza 8Fb mit acht Zylindern in V-Anordnung und einer Leistung von rund 300 PS. Ein hydrodynamischer Lamellenkühler unterhalb des Motors sorgt für effiziente Kühlung, ohne den Luftwiderstand massiv zu erhöhen. Ein zweiblättriger Verstellpropeller optimiert Schub im Start- und Reiseflug.

Bewaffnung und Ausrüstung

Zwei synchronisierte Maschinengewehre Kaliber 7,7 mm sind im Rumpf montiert und feuern durch die Propellerblätter hinweg. Im Bombenschacht unter dem Rumpf konnte eine leichte Sprengladung von bis zu 50 kg mitgeführt werden. Navigationsinstrumente beschränkten sich auf Fahrtmesser, Höhenmesser und Kompass, dazu kam ein einfacher Drehzahlmesser für den Motor.

Technische Daten

Abmessungen und Gewichte

Spannweite: 8,40 m Länge: 6,65 m Höhe: 2,90 m Flügelfläche: 24,0 m² Leergewicht: 635 kg Zulässiges Startgewicht: 975 kg

Leistung und Flugbereich

Maximale Geschwindigkeit auf 1 500 m: 255 km/h Reisegeschwindigkeit: 230 km/h Dienstgipfelhöhe: 8 000 m Normreichweite: 500 km Steigleistung: 1 500 m/min Sinkgeschwindigkeit (minimal): 1,1 m/s Stallgeschwindigkeit mit ausgefahrenen Landeklappen: 110 km/h

Motor und Antrieb

Motortyp: Hispano-Suiza 8Fb, V8-Wasserkühlung Leistung: 300 PS bei 1 650 U/min Tankvolumen: 240 l Kraftstoffverbrauch bei Reiseleistung: 100 l/h Antrieb: zweiblättriger Metall-Verstellpropeller

Bewaffnung

Maschinengewehre: 2 × 7,7 mm synchronisierte MG Bombenlast: bis zu 50 kg in Rumpfunterschacht Panzerung: Bleche um Cockpit und Kühler

Einsatzgeschichte und Varianten

Dienst in der Tschechoslowakei

Ab 1927 kamen mehrere Staffeln BH-21 in Dienst. Piloten lobten hohe Wendigkeit, gutes Steigverhalten und zuverlässige Motorisierung. Die Maschine dominierte Trainings- und Abfangjägerrollen bis in die frühen 1930er-Jahre.

Export und Lizenzfertigung

Kleinserien verließ die Produktionslinien für den Export nach Jugoslawien und Rumänien. Dort baute man das Muster teils in Lizenz. Diese Exporte sicherten Avia Deviseneinnahmen und erhöhten den Bekanntheitsgrad der tschechoslowakischen Luftfahrtindustrie.

Variantenübersicht

BH-21L: Version mit Lorraine-Dietrich-Motor und geringerem Gewicht, erreicht höhere Gipfelhöhe. BH-21J: Hispano-Suiza-Upgrade mit optimiertem Kühlsystem für heiße Klimazonen. BH-21R: Rekognoszierende Ausführung mit Kameraausrüstung und zusätzlichem Beobachterschirm.

Erhaltungsstatus und Restaurierung

Nur wenige Objekte sind in Museen erhalten geblieben. Ein betriebsbereites Exemplar findet sich im Luftfahrtmuseum in Prag-Kbely. Restaurierungen erfordern aufwändige Neuanfertigung von Holzteilen, Überarbeitung der Stahlrohrstruktur und Nachfertigung des seltenen Hispano-Suiza-Motors. Flugvorführungen begeistern historische Luftfahrtfreunde regelmäßig bei Oldtimer-Airshows.

Fazit

Die Avia BH-21 war mehr als nur ein Jagdflugzeug ihrer Epoche. Sie steht beispielhaft für den Innovationsgeist der frühen tschechoslowakischen Luftfahrt. Mit kraftvollem Motor, geschickten aerodynamischen Details und solider Bauweise setzte sie Maßstäbe in Leistung und Zuverlässigkeit. Für Technikinteressierte und Modellbauer bleibt der BH-21 ein faszinierendes Beispiel historischer Ingenieurskunst.

Avia BH-21