USS Paul F. Foster (DD-964)
Die USS Paul F. Foster (DD-964) gehört zur Spruance-Klasse der Zerstörer der US Navy und repräsentiert eine Generation hochflexibler Mehrzweckkriegsschiffe. Sie wurde nach Vice Admiral Paul Frederick Foster benannt, einem Träger der Medal of Honor aus dem Ersten Weltkrieg. Als einer der letzten Spruance-Zerstörer kombiniert sie robuste Kampffähigkeit mit moderner Elektronik und wartungsfreundlicher Konstruktion.
Der Zerstörer diente von ihrer Indienststellung 1976 bis zur Außerdienststellung 2003 in der Pazifikflotte, bevor sie als Self Defense Test Ship (SDTS) weiterbetrieben wurde. In dieser Rolle trägt sie keine Besatzung mehr in herkömmlichem Sinn, sondern fungiert als unbemanntes Versuchsschiff für neue Waffen und Sensoren.
Entwurf und Bau
Namensgeber und Auftrag
Vice Admiral Paul F. Foster (1889–1972) zeichnete sich im Ersten Weltkrieg durch außerordentliche Tapferkeit und herausragende Führungsqualitäten aus. Die Entscheidung, genau diesen Zerstörer nach ihm zu benennen, betont die Tradition der US Navy, technische Exzellenz mit inspirierendem Führungsideal zu verknüpfen. Der Bauauftrag für DD-964 wurde am 1. Juni 1970 vergeben.
Bau und Indienststellung
Der Kiel des Schiffes wurde am 6. Februar 1973 bei Ingalls Shipbuilding in Pascagoula, Mississippi gelegt. Der Stapellauf erfolgte am 22. Februar 1974, gesponsert von Isabelle L. Foster, der Witwe des Namensgebers. Am 21. Februar 1976 erfolgte die offizielle Indienststellung in San Diego, gefolgt von ersten Erprobungsfahrten und Ausbildungseinsätzen für die Besatzung.
Technische Spezifikationen
Rumpf und Abmessungen
- Länge über alles: 563 ft (172 m)
- Wasserlinienlänge: 529 ft (161 m)
- Breite: 55 ft (17 m)
- Tiefgang: 29 ft (8,8 m)
- Verdrängung: ca. 8.170 t (voll beladen)
Der Rumpf weist eine flache Stevenform auf, die hohe Seegängigkeit und gute Stabilität bei Sturm ermöglicht. Interne Gurtungen und Querträger verstärken die Struktur und vereinfachen die Aufnahme der schweren Raketenwerfer und Radarantennen.
Antrieb und Leistung
- Antriebsanlage: 4 × General Electric LM2500 Gasturbinen
- Gesamtleistung: 80.000 shp (ca. 60 MW)
- Anzahl Wellen: 2
- Höchstgeschwindigkeit: 32,5 kn
- Reichweite: 6.000 sm bei 20 kn
- Notfallantrieb: Dieselgeneratoren für Bordnetz und minimale Manövrierfähigkeit
Das Gasturbinenkonzept ermöglicht schnelle Leistungswechsel und reduziert Reaktionszeiten bei plötzlichem Bedrohungsaufkommen. Die zwei Hauptwellen sind mit verstellbaren Blattpropellern ausgestattet, um Effizienz und Manövrierfähigkeit zu optimieren.
Sensoren und elektronische Systeme
- Luftüberwachungsradar AN/SPS-40 (2D)
- Oberflächenradar AN/SPS-55
- Feuerleitradar AN/SPG-60 für Sea Sparrow
- Sonar AN/SQS-53 bow-mounted Active Sonar
- Towed Array Sonar AN/SQR-19 Tactical Towed Array Sonar (TACTAS)
- Elektronische Kampfführung AN/SLQ-32 (EW-Basis) mit SRBOC-Decoywerfern
Die integrierten Sensoren laufen in einem zentralen Combat Information Center (CIC) zusammen, wo Datenfusion eine schnelle Zielerfassung und -zuweisung erlaubt. Erweiterungsmodule der SDTS-Umrüstung versorgen zukünftige Tests neuer Sensorpakete.
Bewaffnung
- 2 × 5-in/54 Mark 45 Dual-Purpose Hauptgeschütze
- 1 × Mk 41 VLS mit 61 Zellen für Tomahawk-Marschflugkörper
- 1 × Mk 29 NATO Sea Sparrow Zellwerfer (8 Zellen)
- 2 × Mk 15 Phalanx CIWS (20 mm Gatling-Kanonen)
- 2 × Vierfach-Harpoon RGM-84 SSM-Startbehälter
- 2 × Mk 32 Torpedorohre (3-fach) für Mk 46 Torpedos
Die flexible Bestückung erlaubt automatisches Überwechseln zwischen Luftabwehr, Seezielangriff und Unterwasserabwehr. Im SDTS-Modus sind einige Zellen für neuartige Lenkwaffen reserviert.
Luftfahrtanlagen
- Hangar für 2 × SH-60B Seahawk Hubschrauber
- Flugdeck mit automatischer Rutschbremse und Landeseil
- LAMPS III Schnittstelle für Sensorintegration der Hubschrauber
- Hangarversorgungsanlagen für Treibstoff, Hydraulik und Elektrik
Die Hubschrauber dienen primär zur U-Jagd, Aufklärung und SAR-Operationen. Ein integriertes Helo-Handling-System beschleunigt Be- und Entladung.
Besatzung und Unterbringung
- Standardkomplement: 19 Offiziere, 315 Mannschaftsdienstgrade
- CIC- und Systemoperatoren in Wachen zu je 3×8 Stunden
- Kabinenmix aus Zwei- und Vierbett-Kojen mit Gemeinschaftsbad
- Kombüse, Messe, Fitnessbereich und Krankenstation
Die Unterbringung ist bewusst kompakt bemessen, um Platz für Kampfsysteme freizuhalten. Komforträume und Fitnessgeräte unterstützen Moral und Einsatzdauer.
Einsatz und Rolle
Frühere Einsätze
Während ihrer Dienstzeit operierte die USS Paul F. Foster im Westpazifik, Indischen Ozean und Arabian Gulf. Sie begleitete Flugzeugträgerverbände, führte NATO-Übungen durch, nahm an Friedensmissionen teil und sicherte Seewege gegen irreguläre Bedrohungen. Die Fähigkeit, Tomahawk-Marschflugkörper zu verschießen, machte sie zu einem wichtigen Baustein der strategischen Abschreckung.
SDTS-Umrüstung
2003 wurde das Schiff außer Dienst gestellt und ab 2005 als Self Defense Test Ship (SDTS) umgebaut. Dabei entfernte man lebensnotwendige Besatzungsräume, modernisierte die Energieversorgung und installierte ferngesteuerte Steuerungstechnik. Seither dient sie als unbemanntes Platform für 24/7-Versuche mit neuen Waffensystemen, Energieproben und Sensorfusionstechnologien.
Instandhaltung und Modernisierung
Regelmäßige Dockaufenthalte beim Pearl Harbor Naval Shipyard und Ingalls Shipbuilding sichern die Strukturintegrität des Rumpfes sowie die Leistungsfähigkeit der Gasturbinen. Zu den jüngsten Modernisierungen zählen die Aufrüstung der EW-Suite auf AN/SLQ-32(V)6-Standard und Tests mit elektrisch angetriebenen Demonstrationswerfern.
Ausblick
Als letzte Spruance-Klasse auf See prägt die ehemalige USS Paul F. Foster weiterhin die Zukunft der Schiffsentwicklung. Erkenntnisse aus SDTS-Versuchen fließen in die Konzeption von Zerstörern der nächsten Generation ein. Ihre flexible Plattform nutzt künftig energieeffiziente Antriebe, Laserwaffen und KI-unterstützte Gefechtsführung – Erbe einer Klasse, die mit Innovation und Wandel untrennbar verbunden ist.