RV Sally Ride (AGOR-28)

RV Sally Ride (AGOR-28)

Die RV Sally Ride (AGOR-28) ist ein monohulls Diesel-elektrisches Forschungsschiff der Neil-Armstrong-Klasse, betrieben von der Scripps Institution of Oceanography im Auftrag des Office of Naval Research. Als Teil des University-National Oceanographic Laboratory System unterstützt sie multidisziplinäre Meeresforschung von Küstengebieten bis in die Tiefsee.

Entwicklung und Indienststellung

Design und Bau

Der Rumpf der Sally Ride wurde als glattes Monohull mit optimierter Strömungskontur entworfen, um Geräuschemissionen für akustische Sensorik minimal zu halten. Die Konstruktion erfolgte durch Dakota Creek Industries in Anacortes, Washington, mit Schwerpunkt auf modularen Labormodulen und energieeffizienter Diesel-Elektro-Antriebstechnik.

Schlüsseltermine

  • Auftragserteilung an Dakota Creek Industries: Oktober 2010
  • Kiellegung: 31. August 2012
  • Stapellauf: 4. August 2014
  • Auslieferung und Indienststellung: 1. Juli 2016

Nach erfolgreichen See- und Abnahmetests nahm sie ihren Heimathafen in San Diego auf und ersetzte die Vorgängerschiffe im UNOLS-Verbund.

Technische Parameter

Abmessungen und Tonnagen

  • Länge über alles: 238 ft (72,5 m)
  • Breite: 50 ft (15,2 m)
  • Tiefgang: 15 ft (4,6 m)
  • Bruttoregistertonnage: 2 641 GT
  • Verdrängung bei 15 ft Tiefgang: 3 043 long tons (≈3 092 t)

Die schlanke Form sorgt für geringen Wellenwiderstand und hohe Effizienz bei niedrigen Geschwindigkeiten.

Antrieb und Energieversorgung

  • Diesel-Elektro-System mit vier Generatoren (insgesamt 8 000 kW)
  • Zwei Siemens AC-Propulsionsmotoren (je 3 400 kW)
  • Dual controllable-pitch Festpropeller an zwei Wellen
  • Azimutantrieb–Bugstrahlruder (600 kW) und Heck-Tunnel-Thruster
  • Bordnetz: 690 VAC, 60 Hz
  • Notstromaggregate für kritische Systeme

Die Kombination erlaubt variable Leistungszuweisung zwischen Antrieb und Bordverbrauch bei sehr niedrigem Geräuschpegel.

Geschwindigkeit, Reichweite und Ausdauer

  • Reisegeschwindigkeit: 10,5 kn
  • Maximale Geschwindigkeit: 12,8 kn
  • Dynamische Positionierung: ±5 m bei Seegang bis Sea State 5
  • Reichweite: 11 500 nm bei ökonomischer Fahrt
  • Autonomie: 40 Tage ohne Nachschub
  • Treibstoffvorrat: ca. 500 m³ Diesel

Langfristige Einsätze in entlegenen Meeresgebieten erfordern nur seltene Hafenbesuche.

Deckausrüstung

Krane und Winden

  • Heck-A-Frame mit 10 000 lbs (≈4,5 t) Hubkapazität
  • Knickarmkran: 2 000 lbs (≈0,9 t) auf Steuerbord-Mitteldeck
  • Zwei‐trommelige Tiefsee‐Traction‐Winch für bis zu 10 000 m EM-Kabel
  • Zwei CTD-Winches für hydrographische Sonden

Diese Ausstattung ermöglicht das Aussetzen und Bergen von Sonden, ROVs und schweren Probenahmegeräten.

Überwasser- und Unterwasserplattformen

  • Integralrahmen auf dem Achterdeck für ROV- und Workboat-Launch
  • Stauraum für Rettungs- und Arbeitsboote (RHIBs)
  • Instrument Well (24 in Durchmesser) unter Achterdeck für kabellose Sensoren

Flexible Plattformen gestatten simultane Operationen von Tauchern und Robotern.

Labore und Containerflächen

  • Drei fest installierte Labore (Gesamtfläche 2 035 ft²/≈189 m²)
  • Anschlüsse für bis zu vier 20-ft Laborcontainer auf dem Achterdeck
  • Nasslabor mit Seewasser-Pumpensystem und Kühlanlage
  • IT-Racks mit 10 Gb/s Backbone, Klimatisierung und USV-Versorgung

Modulare Labore erlauben schnellen Umbau für Geochemie, Biologie, Akustik oder Sedimentologie.

Wissenschaftliche Sensorik und Systeme

Akustische Messsysteme

  • Multibeam-Echolot: Kongsberg EM 122 & EM 712 (12/70 kHz)
  • Sub-Bottom-Profiler: Knudsen 3260 CHIRP (3,5/12 kHz)
  • ADCPs: Teledyne RDI (38/150/300 kHz)
  • Akustische Positionierung: Kongsberg HiPAP 12/30 kHz SSBL

Physikalische und chemische Sensorik

  • CTD-Rosetten mit bis zu 36 Flaschen
  • SeaSoar-Towed-System für Wassersäulenprofilierung
  • Unterwegs-Sensoren: pCO₂, T/S, Oberflächenabsorption
  • Meteorologie-Suite und Quantitative Wave Radar

Echtzeit-Datenintegration vereinfacht Entscheidungen und Kursanpassungen unter, Wasser und an Deck.

Navigation und Kommunikation

  • Radar: X-Band und S-Band mit ARPA-Funktion
  • ECDIS mit DGPS und AIS-Integration
  • VSAT, Inmarsat-C und GMDSS-konforme HF/VHF
  • Brücken-Informationssystem mit Wetter- und Ozeanmodell-Daten

Redundante Systeme garantieren sicheren Betrieb bei jedem Wetter und weltweit.

Besatzung und Leben an Bord

  • Stammpersonal: 20 zivile Seeleute (Brücke, Maschinenraum, Deck)
  • Wissenschaftliche Crew: bis zu 24 Forscher und Techniker
  • Unterbringung: Einzel- und Zweibettkabinen mit Sanitäranlagen
  • Gemeinschaftsbereiche: Kombüse, Messe, Fitnessraum und Ludothek

Ein ausgewogenes Bordleben fördert Moral und Effizienz auf langen Expeditionen.

Einsatzprofil

Die Sally Ride führt Expeditionen in Küstengewässern, Open‐Ocean-Studien, Polarmissionen und Vulkanüberwachung durch. Sie agiert als Plattform für Tiefseefahrzeuge bis 2 000 m Tiefe, zieht Sedimentkerne und betreibt seismische Mehrkanal-Erkundung.

Wartung und Modernisierung

Regelmäßige Werftaufenthalte im 3- bis 5-Jahres-Rhythmus umfassen Motorenüberholung, Rumpfanstrich und die Prüfung von Elektronik- und DP-Systemen. Jüngste Upgrades betreffen emissionsärmere Generatoren und KI-gestützte Predictive-Maintenance-Sensorik.

Ausblick

Zukünftige Pläne sehen vor, Hybrid-Diesel-Batterie-Antrieb zu testen, die Bandbreite der Echtzeit-Datenübertragung zu erhöhen und automatisierte ROV-Launch-Systeme zu integrieren. Damit bleibt die RV Sally Ride ein Herzstück moderner Meeresforschung und Pionierin bei autonomen Unterwasseroperationen.

RV Sally Ride (AGOR-28) in Padilla Bay, Washington in February 2016