Burg Reuland

Burg Reuland

Burg Reuland thront auf einem steilen Felssporn oberhalb der Our im ostbelgischen Deutschsprachigen Gemeinschaft. Die Ruine stammt ursprünglich aus dem späten 12. Jahrhundert und markierte jahrhundertelang die Grenze zwischen dem Herzogtum Limburg und den Grafschaften Blankenheim und Reuland. Heute zieht sie Wanderer, Geschichtsinteressierte und Familien mit einem Panoramablick ins Tal an.

Geschichte und Entwicklung

Die Gründung im Hochmittelalter

Die Entstehung der Burg fällt in die Zeit um 1180, als die Grafen von Blankenheim ihre Macht im Ourtal festigen wollten. Erste Mauern und ein rechteckiger Bergfried wurden errichtet, um die Handelswege zwischen Trier und Lüttich zu kontrollieren.

Ausbau und Blütezeit im 13. und 14. Jahrhundert

Im 13. Jahrhundert kam ein mächtiger Ringmauer­gürtel hinzu, flankiert von zwei Rundtürmen im Westen und Osten. Ein breiter Zwinger mit Pechnasen sicherte den Vorbereich, während im Inneren Wohnbauten und eine Kapelle entstanden.

Verfall und modernere Sicherung

Nach mehreren Verwüstungen durch kriegerische Auseinandersetzungen zu Beginn des 17. Jahrhunderts diente die Burg kaum noch als Verteidigungsanlage. Bis ins 18. Jahrhundert verfiel sie zunehmend. Ab den 1980er Jahren startete eine umfassende Konsolidierung: Mauerspuren wurden freigelegt, Mauerreste mit zeitgemäßen Stützstrukturen gesichert und Zugänge für Besucher geschaffen.

Architektur und bauliche Besonderheiten

Bergfried und Kernburg

Der quadratische Bergfried erreicht eine Höhe von etwa 14 Metern. Seine Grundmauern messen im Schnitt 1,2 Meter Dicke und bestehen aus lokalem Sandstein. Im Inneren war ursprünglich eine Holzbalkendecke eingezogen, heute führt eine Stahltreppe zu einer Aussichtsplattform.

Ringmauer und Türme

Die Ringmauer umschließt ein Areal von rund 700 m². An der Westseite befinden sich zwei Rundtürme mit Schießscharten, im Osten ein halbrunder Schildturm. Ein schmaler Wehrgang verläuft auf Kragsteinen entlang der Mauerkrone.

Vorburg und Zugangsbereich

Vor der Kernburg lag ein Zwinger mit Graben, der heute als Grünfläche gepflegt ist. Das Haupttor wurde einst über eine Holzbrücke mit Zugmechanismus erreicht. Reste von Pechnasen und Schwellbalken zeugen von der einstigen Verteidigungsfunktion.

Technische Parameter

  • Standort: 50°09′12″ N, 6°11′45″ E
  • Höhenlage: 480 m über NN
  • Fläche Kernburg: ca. 700 m²
  • Mauerstärke: 0,8–1,2 m
  • Bergfriedhöhe: 14 m
  • Bau- und Naturstein: örtlicher Sandstein, Kalktuff
  • Wehrgangbreite: 0,6 m

Besichtigung und Veranstaltungen

Burg Reuland ist das ganze Jahr über frei zugänglich. Infotafeln erläutern die Anlage auf Deutsch und Französisch. Im Sommer finden regelmäßig:

  • Mittelaltermärkte mit Handwerksvorführungen
  • Ritterspiele und Bogenschieß-Workshops
  • Kinderführungen und Schatzsuchen

Ein Picknickplatz im ehemaligen Zwingerbereich lädt Familien zu Rast und Spiel ein.

Anfahrt

Mit dem Auto

  1. Aus Richtung Eupen über die N632 nach Reuland fahren.
  2. Am Ortseingang den Schildern „Burg Reuland“ folgen (beschilderte Abzweigung zur Burgstraße).
  3. Am Wanderparkplatz vor der Burg stehen rund 30 kostenfreie Stellplätze zur Verfügung.

Öffentliche Verkehrsmittel

  • Ab Eupen Bahnhof mit Buslinie 29 (Richtung Sankt-Vith) bis Haltestelle „Reuland Kirche“.
  • Von dort etwa 1,8 km Wanderweg (beschildert) entlang der Our zum Burgaufgang (ca. 25 Min.).

Fußweg vom Parkplatz

Der befestigte Pfad zum Burgtor ist 350 m lang und überwindet knapp 50 Höhenmeter. Er führt durch lichte Waldstücke und bietet an mehreren Stellen weite Ausblicke über das Ourtal.

Vennbahn-reuland