Burg Reinhardstein

Burg Reinhardstein

Burg Reinhardstein erhebt sich majestätisch auf einem steilen Felsgrat oberhalb der Warche und beherrscht die bewaldeten Täler der Ostkantone Belgiens. Erbaut im frühen 14. Jahrhundert, diente die Anlage jahrhundertelang als Grenzfeste zwischen den Herrschaftsgebieten. Heute präsentiert sie sich nach umfassender Restaurierung als nahezu vollständig erhaltene Burg mit originalen Wehrelementen und einem modernen Museum im Inneren. Ihr romanisch-gotischer Charakter und die spektakuläre Lage machen Reinhardstein zu einem Anziehungspunkt für Geschichts- und Naturfreunde.

Geschichte und Entwicklung

Frühmittelalterliche Gründung und Ausbau

Die erste Erwähnung von Burg Reinhardstein datiert auf das Jahr 1323, als Graf Arnold von Durbuy in Urkunden die neu errichtete Feste „Reynardstein“ beschreibt. Die Anlage wurde errichtet, um den Zugang zum Hohen Venn und die Handelsstraßen im Tal der Warche zu kontrollieren. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erfolgten massive Ausbauphasen: Errichtung eines zweiten Mauerrings und Ausbau des Bergfrieds zum Aussichtsturm.

Krieg, Verfall und Wiederaufbau

Während des Dreißigjährigen Krieges und später in den Spanischen Erbfolgekriegen erlitt die Burg mehrere Belagerungen und Beschädigungen. Im 18. Jahrhundert verlor Reinhardstein seine militärische Bedeutung und verfiel zusehends. Erst ab 1969 begann der Ingenieur Jean Overloop eine beispiellose Rettungskampagne, in deren Verlauf Mauern stabilisiert, Dächer erneuert und Innenräume museal erschlossen wurden. 1992 wurde die Burg nach erfolgreicher Restaurierung wieder für Besucher geöffnet.

Architektur und bauliche Besonderheiten

Burghof und Hauptgebäude

Der rechteckige Burghof misst etwa 25 × 20 Meter und wird im Süden von einem langgezogenen Palas flankiert. Seine Fassade zeigt gotische Fenstergewände aus behauenen Kalksteinblöcken. Im Erdgeschoss wurden ehemalige Vorratskammern und eine Küche freigelegt, deren große Flintsteinöfen noch gut erhalten sind.

Zwinger und Wehrmauern

Ein doppelter Zwinger umgibt die Kernburg auf Nord- und Ostseite. Die äußere Mauer erreicht eine Höhe von rund 7 Metern und ist mit Schießscharten sowie pechgeschleuderten Nasen ausgestattet. Entlang des Wehrgangs führen steinerne Kragsteine zu einer umlaufenden Plattform, die einst Verteidiger beheimatete.

Bergfried und Türme

Im Nordwesten erhebt sich der 18 Meter hohe fünfeckige Bergfried, dessen Mauern an der Basis 1,5 Meter stark sind. Seine Plattform bot einst Sicht auf den gesamten Umkreis. Ein runder Stampfturm im Südwesten diente als Wachturm und ist über eine spätgotische Zugbrücke mit dem Palas verbunden.

Technische Parameter

Standort und Koordinaten

  • Koordinaten: 50°34′47″ N, 6°08′06″ E
  • Höhenlage: 420 m über NN
  • Geländetyp: Dolomitfels in Flussbiegung der Warche

Bauwerksmaße und Materialien

  • Länge des äußeren Mauerrings: 180 m
  • Fläche des inneren Burgareals: 800 m²
  • Höhe Bergfried: 18 m
  • Mauerstärke: 1,2–1,5 m
  • Hauptmaterial: Dolomitbruchstein, Kalksteingewände, Tuffstein

Verteidigungsanlagen

  • Doppelter Zwinger mit fünf Rundtürmen
  • Schießscharten, Pechgruben und Wehrgänge
  • Zugbrücken über zwei Burggräben
  • Balkenstube des Palas mit originalen Eisenzapfen

Restaurierungsstand

  • Grabungen und Sicherung ab 1969
  • Komplettdach mit Schieferdeckung erneuert
  • Innenausbau als Museum ab 1985
  • Regelmäßige Wartung durch ehrenamtliche Burgwacht

Besichtigung und Besucherinformationen

Burg Reinhardstein empfängt Gäste von Ostern bis Ende Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr. Der Besuch beinhaltet eine geführte Tour durch Wehrgänge, Wohnbereiche und die Ausstellung „Leben im Mittelalter“. Im Burghof befindet sich ein kleines Café mit regionalen Spezialitäten. Zur Saison werden historische Festspiele, Rittermahle und mittelalterliche Handwerksvorführungen angeboten.

Anfahrt

Mit dem Auto

  1. Über die Autobahn E42/A27 Ausfahrt 5 (Malmedy) nehmen.
  2. Bundesstraße N68 Richtung Robertville folgen (ca. 12 km).
  3. In Robertville der Beschilderung „Burg Reinhardstein“ auf der Rue de la Hérelle folgen.
  4. An der Burgstraße stehen rund 60 kostenfreie Parkplätze zur Verfügung.

Öffentliche Verkehrsmittel

  • Nächster Bahnhof: Verviers-Central (ca. 25 km entfernt)
  • Von dort Buslinie 387 bis Haltestelle Robertville Place
  • Weiter mit Regionalbus 389 bis Haltestelle Reinhardstein

Zu Fuß vom Parkplatz

Ab dem Hauptparkplatz sind es 1 km auf befestigtem Waldweg mit 70 Höhenmetern. Auf Informationstafeln am Weg werden Flora, Fauna und Burggeschichte erklärt. Die Gehzeit beträgt etwa 20 Minuten bis zum mächtigen Burgtor.

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