Hawker Siddeley HS 748
Die Hawker Siddeley HS 748 ist ein zweimotoriges Turboprop-Regionalflugzeug, das Anfang der 1960er-Jahre als Weiterentwicklung der Avro 748-Serie auf den Markt kam. Durch robuste Bauweise und zuverlässige Rolls-Royce-Dart-Triebwerke gewann es schnell das Vertrauen von Fluggesellschaften weltweit. Seine Fähigkeit, auf kurzen und unbefestigten Pisten zu operieren, machte es besonders in entlegenen Regionen zum Favoriten.
Entwicklungsgeschichte
Ursprung und Bedarf
Nach der Integration von Avro in Hawker Siddeley entstand der Wunsch, das erfolgreiche Avro 748-Design weiter zu verbessern. Ziel war ein modernes Turboprop-Flugzeug für den Kurz- und Mittelstreckenverkehr mit höherer Zuladung und optimiertem Passagierkomfort.
Produktionsstart und Serienvarianten
1960 erfolgte der Erstflug der überarbeiteten HS 748 Series 1. Rasch folgte die Series 2 mit verstärkten Fahrwerkskomponenten und größerer Treibstoffkapazität. Bis zum Produktionsende 1988 wurden über 380 Maschinen in mehreren Entwicklungsstufen gefertigt.
Konstruktionsmerkmale
Flugwerk und Rumpf
Die HS 748 verfügt über einen freitragenden Hochdecker mit trapezförmigen Tragflächen. Der Rumpf ist in konventioneller Halbschalenbauweise gefertigt, kombiniert Sperrholz- und Aluminiumbeplankung. Eine Druckkabine erlaubt Flüge bis in mittlere Reiseflughöhen.
Fahrwerk und Steuerung
Das vierteilige Flugwerk besteht aus einem einziehbaren Hauptfahrwerk in den Tragflächen und einem selbstlenkenden Bugrad. Die Steuerung erfolgt mechanisch über Seilzüge mit teilweiser hydraulischer Unterstützung für die Landeklappen.
Triebwerk und Antrieb
Rolls-Royce-Dart-Turboprops
Angetrieben wird die HS 748 von zwei Rolls-Royce Dart 7- oder Dart 8-Turboprops, je nach Variante mit einer Dauerleistung von 1 520 bis 1 600 shp pro Motor. Diese Triebwerke sind für ihre Laufruhe und Wartungsfreundlichkeit bekannt.
Kraftstoff- und Ölsystem
Zwei Tragflächentanks fassen insgesamt rund 3 300 Liter Jet A1. Ein zentrales Öltanksystem versorgt beide Motoren, während Kraftstoffpumpen redundante Versorgung sicherstellen und ein automatisches Kraftstoffmanagement Balance und Reichweite optimiert.
Variantenübersicht
Series 1 und Series 2
- Series 1: Erste Baureihe mit 40–48 Passagiersitzen und Dart 7-Motoren
- Series 2: Verstärktes Fahrwerk, größere Tragflächenaußenflügel und erhöhte Treibstoffkapazität
Series 2A und 2B
- Series 2A: Komfortoptimierte Kabine, verbesserte Schalldämmung
- Series 2B: Frachtkonfiguration mit großer Heckrampe und verstärktem Boden
Einsatzbereiche
Ziviler Regionalverkehr
Fluggesellschaften in Europa, Afrika, Asien und Südamerika setzten die HS 748 für Inlandsverbindungen auf kurzen Pisten ein. Ihre Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit machten sie oft zur ersten Wahl für entlegene Flughäfen.
Militärischer und spezialgewerblicher Betrieb
Mehrere Luftstreitkräfte nutzten die HS 748 als Transport- und Seeaufklärungsvariante. Darüber hinaus dienten einige Flugzeuge als Lufttankwagen, medizinische Evakuierungsflugzeuge oder für Vermessungs- und Überwachungsflüge.
Technische Parameter im Überblick
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Besatzung | 2 Crew |
| Passagiere/Fracht | 40–58 Passagiere / bis 6 800 kg Fracht |
| Gesamtlänge | 22,33 m |
| Spannweite | 29,48 m |
| Höhe | 8,19 m |
| Flügeloberfläche | 70,54 m² |
| Leergewicht | 11 340 kg |
| Max. Abfluggewicht | 21 472 kg |
| Triebwerke | 2 × Rolls-Royce Dart 7/8 Turboprop |
| Motorleistung | 1 520–1 600 shp je Triebwerk |
| Höchstgeschwindigkeit | 550 km/h |
| Reisegeschwindigkeit | 460 km/h |
| Reichweite | 2 720 km |
| Dienstgipfelhöhe | 7 620 m |
| Steigrate | 7,2 m/s |
| Treibstoffvorrat | 3 300 l |
| Startlauf (bei MTOW) | 800 m |
| Landeanflug (bei MLW) | 500 m |
Fazit
Die Hawker Siddeley HS 748 vereint robuste Technik mit flexiblen Einsatzmöglichkeiten. Ob auf kurzen Pisten in entlegenen Regionen oder im regelmäßigen Linienverkehr – ihre Zuverlässigkeit und einfache Wartung sichern ihr einen festen Platz in der Luftfahrtgeschichte. Weitere Betreiber pflegen heute oft noch restaurierte Exponate für Charter- und Museumsflüge.