Cagiva T4: Die italienische Enduro mit Charakter, Tradition und Abenteuergeist
Die Cagiva T4 gehört zu den interessanten italienischen Enduros der 1980er-Jahre. Sie verbindet klassische Geländetauglichkeit mit einem luftgekühlten Viertaktmotor, einer vergleichsweise einfachen Konstruktion und einer Gestaltung, die den sportlichen Anspruch ihrer Zeit widerspiegelt. Entwickelt für Fahrer, die sich nicht auf asphaltierte Straßen beschränken wollten, war sie sowohl für alltägliche Fahrten als auch für Touren auf Schotter und unbefestigten Wegen gedacht. Besonders die Varianten T4 350 und T4 500 zeigen, wie Cagiva versuchte, ein leichtes, vielseitiges Motorrad mit ausreichend Leistungsreserven für Straße und Gelände zu schaffen. Bis heute ist die T4 für Liebhaber klassischer Enduros interessant, weil sie eine eigenständige Alternative zu den japanischen Modellen ihrer Epoche darstellt und zugleich ein Stück italienischer Motorradgeschichte verkörpert.
Die Geschichte der Cagiva T4
Cagiva in den 1980er-Jahren
Die 1980er-Jahre waren für die Motorradindustrie eine Zeit intensiver technischer Entwicklung. Die Enduro gewann zunehmend an Bedeutung, weil sie sportliche Fahreigenschaften mit Alltagstauglichkeit und der Möglichkeit kombinierte, auch abseits befestigter Straßen unterwegs zu sein. Japanische Hersteller dominierten zahlreiche Marktsegmente mit zuverlässigen und leistungsfähigen Maschinen. Gleichzeitig versuchten italienische Hersteller, mit eigenen Konzepten, charakteristischem Design und motorsportlicher Erfahrung eine unverwechselbare Position zu behaupten. Cagiva gehörte zu den Marken, die diese Herausforderung annahmen und mit einer Reihe eigenständiger Motorräder auf sich aufmerksam machten.
Die T4 entstand in diesem Umfeld als klassische Einzylinder-Enduro. Ihre Konstruktion setzte nicht auf komplizierte elektronische Systeme oder umfangreiche Verkleidungen, sondern auf einen luftgekühlten Viertaktmotor, einen Stahlrahmen und ein Fahrwerk, das sowohl auf der Straße als auch auf unbefestigtem Untergrund eingesetzt werden konnte. Die Modellfamilie umfasste unter anderem die T4 350 in unterschiedlichen Ausführungen sowie die hubraumstärkere T4 500. Gerade diese Kombination aus technischer Bodenständigkeit und sportlicher Ausrichtung macht die Baureihe aus heutiger Sicht bemerkenswert.
Vom klassischen Enduromotorrad zur Sammlermaschine
Die Cagiva T4 gehört heute zu jener Gruppe historischer Motorräder, deren Bedeutung sich nicht allein an Verkaufszahlen oder sportlichen Erfolgen messen lässt. Sie dokumentiert eine Epoche, in der die Enduro noch eine relativ unmittelbare Verbindung zwischen Straßenmotorrad und Geländemaschine darstellte. Der Fahrer musste sich auf seine Fähigkeiten, die mechanischen Eigenschaften des Motorrads und eine sorgfältige Wartung verlassen. Moderne Traktionskontrolle, elektronische Fahrmodi und ABS standen bei der ursprünglichen T4 nicht zur Verfügung.
Die verschiedenen T4-Ausführungen entwickelten sich im Lauf der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre weiter. In den Modellübersichten werden insbesondere die T4 350E, die T4 350R und die T4 500E geführt. Die genauen Produktionszeiträume unterscheiden sich je nach Modell und Quelle; für die 350er werden vor allem die Jahre 1986 bis 1989 genannt, während die 500er ab 1987 angeboten wurde. Diese Unterschiede sind bei der Recherche nach Ersatzteilen oder bei der Identifizierung eines historischen Motorrads wichtig, denn die Bezeichnung T4 steht nicht für eine einzige, über alle Baujahre identische Konfiguration.
Design und Konstruktion: Eine Enduro ohne unnötigen Ballast
Die charakteristische Formgebung
Die Cagiva T4 folgt der typischen Designsprache italienischer Enduros der 1980er-Jahre. Ein hoch angeordneter Vorderkotflügel, ein schmaler Tank, eine lange Sitzbank und ein breiter Lenker verleihen ihr eine sportliche Silhouette. Die Speichenräder und die vergleichsweise schlanke Fahrzeugmitte unterstreichen den Geländeeinsatz, während der Scheinwerfer und die notwendige Straßenausstattung die T4 als vielseitiges Motorrad kennzeichnen. Bei den sportlicheren R-Versionen kamen auffälligere Farbgestaltungen hinzu, die den Bezug zum Endurosport betonten.
Das Design erfüllt dabei einen praktischen Zweck. Eine schmale Sitzbank ermöglicht es dem Fahrer, das Motorrad mit den Beinen besser zu kontrollieren und bei Bedarf im Stehen zu fahren. Der breite Lenker unterstützt die Kontrolle auf unebenem Untergrund, während die hochbeinige Bauform mehr Bodenfreiheit ermöglicht als bei einem typischen Straßenmotorrad. Auf moderne Verkleidungselemente, die das Motorrad optisch massiver erscheinen lassen würden, wurde weitgehend verzichtet. Dadurch wirkt die T4 auch heute noch wie eine funktionale Maschine, die für den tatsächlichen Einsatz entwickelt wurde.
Rahmen und Fahrwerk
Das Fahrwerk der Cagiva T4 besteht grundsätzlich aus einem Stahlrahmen, einer konventionellen Teleskopgabel vorn und einer hinteren Schwinge mit Zentralfederbein. Diese Konstruktion war für eine Enduro der damaligen Zeit charakteristisch und bot eine praktikable Verbindung zwischen Stabilität auf der Straße und Bewegungsfreiheit im Gelände. Bei den dokumentierten T4-350-Ausführungen werden eine vordere Scheibenbremse und eine hintere Trommelbremse genannt. Das große Vorderrad mit 21 Zoll Durchmesser gehört ebenfalls zu den typischen Merkmalen der Modellfamilie.
Die konkreten Komponenten konnten je nach Ausführung variieren. Bei der T4 350R werden beispielsweise Marzocchi-Gabelkomponenten mit Einstellmöglichkeiten beschrieben. Das unterstreicht den sportlicheren Anspruch dieser Variante. Trotzdem sollte man die T4 nicht mit einer modernen Wettbewerbsenduro vergleichen: Federungsreserven, Reifen und Bremsen entsprechen einer anderen technischen Generation. Bei einem heutigen Exemplar hängt die tatsächliche Fahrwerksleistung zudem stark vom Erhaltungszustand ab. Verschlissene Lager, ermüdete Federn und alte Dämpferöle können das ursprüngliche Fahrverhalten erheblich beeinträchtigen.
Der Motor: Luftgekühlter Viertakter mit klassischem Charakter
Cagiva T4 350 – die ausgewogene Enduro
Die Cagiva T4 350 bildet den Kern der Baureihe und ist besonders für Fahrer interessant, die eine klassische Enduro mit überschaubarem Hubraum suchen. Ihr luftgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor besitzt einen Hubraum von 343 Kubikzentimetern, eine obenliegende Nockenwelle und vier Ventile. Die Bohrung beträgt 82 Millimeter, der Hub 65 Millimeter; das Verdichtungsverhältnis wird mit 9,5:1 angegeben. Diese Bauweise verbindet eine vergleichsweise kompakte Konstruktion mit einer für ihre Zeit modernen Ventiltechnik. Der Viertaktmotor unterscheidet sich deutlich von den Zweitaktaggregaten früherer kleiner Cagiva-Enduros: Er bietet einen anderen Klang, eine andere Leistungsentfaltung und ein anderes Wartungsprofil. Statt einer separaten Zweitaktölschmierung benötigt er eine funktionierende Motorölschmierung sowie die regelmäßige Kontrolle von Ventilspiel und Steuertrieb.
Bei den Leistungsangaben muss zwischen den verschiedenen Ausführungen und Quellen unterschieden werden. Für die T4 350 werden je nach Modell und Datenquelle Werte um 28 bis 33 PS genannt. Eine verbreitete technische Spezifikation der T4 350E/R gibt 27,9 PS beziehungsweise 19,7 kW bei 7.500 U/min an, während andere zeitgenössische Modellbeschreibungen für bestimmte Ausführungen rund 33 PS nennen. Solche Abweichungen können auf unterschiedliche Modellvarianten, Märkte oder die verwendete Datenbasis zurückgehen. Für eine konkrete Maschine sind daher die Angaben im zugehörigen Werkstatthandbuch und in den Fahrzeugpapieren maßgeblicher als ein pauschaler Wert für die gesamte Baureihe.
Cagiva T4 500 – mehr Hubraum für längere Strecken
Mit der T4 500 erweiterte Cagiva das Konzept um eine stärkere Variante. Trotz der Modellbezeichnung beträgt der tatsächliche Hubraum rund 451 Kubikzentimeter. Die Vergrößerung wurde vor allem durch eine größere Zylinderbohrung erreicht, die bei der 500er 94 Millimeter beträgt, während der Hub mit 66 Millimetern angegeben wird. Auch diese Version verwendet einen luftgekühlten Viertakt-Einzylinder mit vier Ventilen und obenliegender Nockenwelle. Je nach Ausführung und Quelle liegen die Leistungsangaben ungefähr zwischen 35 und 41 PS. Die stärkere Motorisierung macht die 500er insbesondere für Fahrer interessant, die mehr Durchzug und Leistungsreserven auf der Landstraße wünschen.
Die größere Motorvariante verändert den Charakter des Motorrads, ohne das grundlegende Konzept aufzugeben. Die T4 500 bleibt eine relativ schmale Enduro mit klassischer Sitzposition, Speichenrädern und einer für den Straßen- und Geländebetrieb gedachten Konstruktion. Allerdings sollte man aus der größeren Leistung nicht automatisch auf eine höhere Alltagstauglichkeit in jeder Situation schließen. Auf anspruchsvollen Wegen spielen Gewicht, Reifen, Fahrwerkszustand und die Erfahrung des Fahrers eine ebenso wichtige Rolle wie die Motorleistung. Gerade bei einem historischen Einzylinder ist außerdem entscheidend, dass Vergaser, Zündung und Ventiltrieb korrekt eingestellt sind.
Fünfganggetriebe und Kraftübertragung
Die T4 350 und T4 500 verfügen über ein manuelles Fünfganggetriebe. Die Kraft wird über eine Mehrscheiben-Ölbadkupplung und eine Kette an das Hinterrad übertragen. Dieses klassische Antriebskonzept ist mechanisch gut nachvollziehbar und erleichtert grundsätzlich viele Wartungsarbeiten. Gleichzeitig verlangt es regelmäßige Pflege: Die Kette muss gereinigt, geschmiert und korrekt gespannt werden, während Kupplung und Getriebeöl entsprechend den Herstellervorgaben kontrolliert werden sollten.
Das Fünfganggetriebe passt zum vielseitigen Anspruch der T4. Es ermöglicht eine Anpassung an langsame Passagen und an zügigere Straßenetappen, ohne die Bedienung unnötig kompliziert zu gestalten. Im Vergleich zu modernen Reiseenduros fehlen jedoch elektronische Unterstützungen, und die Abstufung der einzelnen Gänge muss vollständig über die mechanische Schaltung genutzt werden. Wer die T4 heute fährt, erlebt deshalb eine direktere Verbindung zwischen Fahrer, Motor und Antrieb.
Die Modellvarianten im Überblick
T4 350E: Die alltagstaugliche Version
Das Kürzel „E“ wird bei den entsprechenden T4-Modellen mit dem elektrischen Anlasser in Verbindung gebracht. Die T4 350E richtet sich damit an Fahrer, die den Komfort eines Elektrostarters schätzen und das Motorrad regelmäßig im Alltag oder auf Touren einsetzen möchten. Gerade bei einem großvolumigeren Einzylinder kann der Elektrostarter die Bedienung angenehmer machen, weil das wiederholte Ankicken entfällt. Die elektrische Anlage muss dafür allerdings in gutem Zustand sein: Batterie, Anlasser, Relais, Leitungen und Ladesystem sollten zuverlässig funktionieren.
Die T4 350E wird in Modellübersichten vor allem für die späten 1980er-Jahre geführt. Je nach Datenquelle werden unterschiedliche Leistungs- und Gewichtsangaben aufgeführt. Eine häufig genannte Spezifikation liegt bei rund 28 PS und 137 Kilogramm Trockengewicht; für einzelne Baujahre und Datenblätter finden sich abweichende Angaben. Bei einem Kauf sollte daher geprüft werden, ob es sich tatsächlich um eine originale E-Version handelt und welche Komponenten dem jeweiligen Baujahr entsprechen.
T4 350R: Der sportlichere Charakter
Die T4 350R steht stärker für die sportliche Seite der Baureihe. Ihre Ausrichtung zeigt sich in der Enduro-Optik und bei bestimmten Ausführungen in der Ausstattung des Fahrwerks. Die R-Version ist deshalb vor allem für Liebhaber interessant, die eine Maschine mit deutlichem Bezug zum klassischen Endurosport suchen. Bei der Identifikation ist jedoch Vorsicht angebracht: Nicht jedes Motorrad mit auffälliger Lackierung oder nachträglich montierten Sportteilen ist automatisch eine originale R-Ausführung.
Für Sammler sind Rahmennummer, Typenschild, historische Dokumente und die Übereinstimmung der Komponenten entscheidend. Besonders bei restaurierten Enduros wurden im Lauf der Jahrzehnte häufig Teile aus verschiedenen Baujahren kombiniert. Eine sorgfältige Dokumentation kann deshalb nicht nur die Originalität besser nachvollziehbar machen, sondern auch spätere Reparaturen vereinfachen.
T4 500E: Die stärkere Reiseenduro
Die T4 500E kombiniert den größeren Motor mit dem elektrischen Anlasser. Sie bietet damit eine interessante Mischung aus klassischer Enduro-Konstruktion und zusätzlichem Bedienkomfort. Der rund 451 Kubikzentimeter große Einzylinder ist das wesentliche Unterscheidungsmerkmal gegenüber der 350er. Auch bei der 500E kommen ein Fünfganggetriebe, Kettenantrieb, eine vordere Scheibenbremse und eine hintere Trommelbremse zum Einsatz. Der Tank fasst in den verbreiteten technischen Angaben ungefähr zwölf Liter.
Die T4 500E ist besonders für Fahrer interessant, die eine klassische Enduro mit kräftigerem Motor suchen, ohne auf die einfache Grundkonstruktion der Modellfamilie verzichten zu wollen. Ihre Seltenheit kann allerdings die Suche nach passenden Originalteilen erschweren. Auch bei diesem Modell sollte vor dem Kauf nicht nur auf den Motor, sondern ebenso auf die elektrische Anlage, die Fahrwerkslager, den Zustand des Tanks und die Verfügbarkeit spezifischer Ersatzteile geachtet werden.
Wie fährt sich die Cagiva T4 heute?
Auf der Straße
Auf der Landstraße zeigt die Cagiva T4 die Eigenschaften einer klassischen Enduro aus den 1980er-Jahren. Die aufrechte Sitzposition sorgt für gute Übersicht, der breite Lenker erleichtert die Kontrolle und der Einzylindermotor vermittelt ein deutlich spürbares mechanisches Fahrerlebnis. Die T4 ist keine moderne Sportmaschine, die hohe Kurvengeschwindigkeiten oder elektronische Assistenz in den Mittelpunkt stellt. Ihre Stärken liegen vielmehr in der vielseitigen Sitzposition, der übersichtlichen Bauweise und der Möglichkeit, auch abseits des Asphalts unterwegs zu sein.
Bei längeren Fahrten macht sich die technische Generation allerdings bemerkbar. Windschutz und Komfort sind begrenzt, die Federung kann auf schlechten Straßen an ihre Grenzen kommen, und Vibrationen gehören zum Charakter eines großen Einzylinders. Zudem ist die tatsächliche Fahrstabilität stark vom Zustand der Reifen, Radlager und Federung abhängig. Ein gut restauriertes Exemplar kann ein angenehmer Begleiter für entspannte Touren sein; eine Maschine mit ungeklärter Wartungshistorie sollte dagegen erst nach einer gründlichen technischen Prüfung auf die Straße.
Auf Schotter und im leichten Gelände
Die T4 wurde für vielseitige Einsätze konzipiert, weshalb sich ihre Stärken auch auf Schotterwegen und festem Naturboden zeigen. Das große Vorderrad, die schmale Fahrzeugmitte und der breite Lenker entsprechen dem klassischen Enduro-Konzept. Auf solchen Untergründen kann die T4 ihrem Fahrer ein unmittelbares und kontrollierbares Fahrgefühl vermitteln. Die einfache Konstruktion erleichtert außerdem das Verständnis der Fahrzeugtechnik und macht die Maschine für Motorradfahrer interessant, die sich gern selbst mit Wartung und Reparatur beschäftigen.
Für anspruchsvolles Gelände sollte man die Grenzen eines historischen Motorrads jedoch realistisch einschätzen. Die Federungsreserven und Bremsen entsprechen nicht dem Stand heutiger Sportenduros, und jahrzehntealte Komponenten können trotz gepflegter Optik erheblich verschlissen sein. Geeignete Reifen, ein korrekt eingestelltes Fahrwerk und funktionierende Bremsen sind daher unerlässlich. Hinzu kommt, dass Feld- und Waldwege nicht überall legal befahren werden dürfen. Die Enduro-Eigenschaften der T4 sollten deshalb verantwortungsvoll und im Rahmen der geltenden Vorschriften genutzt werden.
Wartung, Restaurierung und Ersatzteile
Die wichtigsten Prüfpunkte beim Kauf
Wer eine Cagiva T4 kaufen möchte, sollte die technische Substanz höher bewerten als eine frisch lackierte Oberfläche. Besonders wichtig sind der Zustand des Rahmens, die Lagerungen von Lenkkopf und Schwinge sowie die Funktion von Gabel und Zentralfederbein. Rost, frühere Unfallschäden oder unsachgemäße Schweißarbeiten können umfangreiche Reparaturen erforderlich machen. Bei einer Maschine mit Elektrostarter sollten zusätzlich Batterie, Anlasser und Ladesystem geprüft werden. Auch der Zustand der Bremsanlage verdient besondere Aufmerksamkeit, da eine historische Enduro nur mit technisch einwandfreien Bremsen sicher bewegt werden kann.
Am Motor sollten ungewöhnliche Geräusche, Ölundichtigkeiten, Startprobleme und ein ungleichmäßiger Lauf untersucht werden. Bei einem Viertakt-Einzylinder sind außerdem Ventilspiel, Steuertrieb, Schmierung und Vergaser wichtige Prüfpunkte. Ein kurzer Probelauf reicht nicht aus, um den Zustand eines jahrzehntealten Motors zuverlässig zu beurteilen. Fehlen Wartungsnachweise, ist es sinnvoll, nach dem Kauf eine vollständige Inspektion einschließlich der Kontrolle der relevanten Verschleißteile einzuplanen.
Ersatzteile und Originalzustand
Die Ersatzteilsituation kann je nach Modell und Bauteil unterschiedlich ausfallen. Allgemeine Verschleißteile lassen sich teilweise durch geeignete Ersatzprodukte ersetzen, während originale Karosserieteile, Auspuffanlagen, spezielle Fahrwerkskomponenten oder modellspezifische elektrische Bauteile schwieriger zu finden sein können. Wer eine T4 restaurieren möchte, sollte daher zunächst feststellen, welche Ausführung tatsächlich vorliegt und ob bereits Umbauten vorgenommen wurden.
Hilfreich sind historische Ersatzteilkataloge und Werkstatthandbücher, die den Aufbau der jeweiligen Variante dokumentieren. Für die T4 350 und T4 500 sind Werkstattunterlagen für den Zeitraum 1987 bis 1991 verfügbar, die unter anderem Motor, Kraftstoffversorgung, Elektrik, Fahrwerk und Bremsanlage behandeln. Solche Dokumente sind bei einer sachgerechten Restaurierung besonders wertvoll, weil sie helfen, Reparaturen nach den vorgesehenen technischen Verfahren durchzuführen.
Die Cagiva T4 als Klassiker für Sammler
Die Cagiva T4 ist heute vor allem für Motorradliebhaber interessant, die eine klassische italienische Enduro mit eigenständigem Charakter suchen. Sie steht für eine Epoche, in der luftgekühlte Viertakt-Einzylinder, Stahlrahmen und mechanisch überschaubare Fahrwerke den Motorradbau prägten. Anders als manche spätere Reiseenduros setzt sie nicht auf große Verkleidungen oder umfangreiche Komfortausstattung, sondern auf eine schlichte und zweckmäßige Konstruktion.
Der Sammlerwert hängt wesentlich vom Zustand und von der Originalität ab. Eine gut dokumentierte T4 350R kann aufgrund ihrer sportlichen Ausrichtung besonders interessant sein, während die T4 350E durch den Elektrostarter einen praktischen Vorteil bietet. Die T4 500E wiederum spricht Fahrer an, die den größeren Motor bevorzugen. Ein pauschaler Marktwert lässt sich daraus nicht ableiten, denn Vollständigkeit, Wartungshistorie, Zulassung, Restaurierungsqualität und regionale Nachfrage können den Preis erheblich beeinflussen. Gerade bei seltenen Varianten ist eine sorgfältige Prüfung der Identität des Fahrzeugs sinnvoll.
Fazit: Warum die Cagiva T4 bis heute begeistert
Die Cagiva T4 ist ein eindrucksvolles Beispiel für die italienische Enduro-Tradition der 1980er-Jahre. Ihr luftgekühlter Viertaktmotor, die klassische Fahrwerkskonstruktion und das schlanke Design machen sie zu einem Motorrad, das seine Attraktivität aus mechanischer Authentizität und vielseitigem Einsatzcharakter bezieht. Die 350er bietet einen vergleichsweise ausgewogenen Einstieg in die Modellfamilie, während die 500er mit mehr Hubraum und Leistungsreserven aufwartet. Die E- und R-Ausführungen setzen jeweils eigene Schwerpunkte bei Bedienkomfort und sportlicher Ausrichtung.
Wer heute eine Cagiva T4 besitzt oder erwerben möchte, sollte sich intensiv mit der jeweiligen Variante beschäftigen. Die Unterschiede zwischen Modelljahren, Ausstattungen und technischen Daten sind wichtig, sowohl für die Beschaffung von Ersatzteilen als auch für eine originalgetreue Restaurierung. Bei guter Pflege kann die T4 ein reizvolles historisches Motorrad sein, das auf Landstraßen und geeigneten unbefestigten Wegen ein unmittelbares Fahrerlebnis bietet. Ihre besondere Stärke liegt nicht darin, moderne Enduros technisch zu übertreffen, sondern darin, die Motorradwelt einer vergangenen Epoche lebendig zu halten.
Technische Daten der Cagiva T4
Die nachfolgende Tabelle bezieht sich auf die Cagiva T4 350E der Modellgeneration von 1987 bis 1989. Je nach Baujahr, Markt und Ausführung können einzelne Werte abweichen. Insbesondere bei der Motorleistung existieren unterschiedliche Angaben in historischen und späteren Datenquellen.
| Merkmal | Technische Daten |
|---|---|
| Hersteller | Cagiva |
| Modell | T4 350E |
| Baujahre | Je nach Quelle etwa 1987–1989 |
| Fahrzeugklasse | Straßenenduro |
| Motortyp | Luftgekühlter Viertakt-Einzylinder |
| Ventilsteuerung | Eine obenliegende Nockenwelle (SOHC) |
| Ventile | 4 |
| Hubraum | 343 cm³ |
| Bohrung × Hub | 82 × 65 mm |
| Verdichtungsverhältnis | 9,5:1 |
| Kraftstoffversorgung | Vergaser, Dell’Orto laut technischen Daten |
| Zündung | Elektronisch |
| Motorleistung | Rund 28 PS bei 7.500 U/min; je nach Quelle und Ausführung abweichend |
| Getriebe | 5-Gang-Schaltgetriebe |
| Kupplung | Mehrscheiben-Ölbadkupplung |
| Endantrieb | Kette |
| Rahmen | Stahlrahmen |
| Vorderradaufhängung | Teleskopgabel |
| Hinterradaufhängung | Schwinge mit Zentralfederbein |
| Vorderradbremse | Einzelne Scheibenbremse, etwa 240 mm |
| Hinterradbremse | Trommelbremse, etwa 130 mm |
| Vorderrad | 21 Zoll |
| Hinterrad | 17 Zoll |
| Vorderreifen | Häufig 3.00–21 |
| Hinterreifen | Je nach Datenquelle 4.60–17 |
| Tankinhalt | Rund 12 Liter |
| Trockengewicht | Rund 137 kg |
| Höchstgeschwindigkeit | Etwa 145–146 km/h laut veröffentlichten technischen Daten |
| Starter | Elektrisch bei der E-Version |
Hinweis: Die Tabelle fasst verbreitete technische Angaben zur T4 350E zusammen. Für Restaurierung, Ersatzteilbestellung oder Zulassungsfragen sollten die Daten anhand der Fahrgestellnummer, der Fahrzeugpapiere und des passenden Werkstatthandbuchs überprüft werden.