Als italienische Motorradtradition auf Abenteuerlust traf
Die Cagiva SXT gehört zu jener Generation von Motorrädern, die den Begriff Enduro auf eine besonders ursprüngliche Weise verkörperten. Sie entstand in einer Zeit, in der Motorräder nicht nur durch hohe Leistung, ausgefeilte Elektronik oder aufwendige Fahrwerkskonzepte überzeugen mussten, sondern vor allem durch Vielseitigkeit, unkomplizierte Technik und einen eigenständigen Charakter. Mit ihrer hochbeinigen Silhouette, dem schmalen Aufbau, den klassischen Speichenrädern und dem charakteristischen Zweitaktmotor verkörperte die SXT eine Motorradphilosophie, die sowohl auf der Landstraße als auch auf unbefestigten Wegen ihren Platz hatte. Sie war kein ausschließlich für den Wettbewerb entwickeltes Spezialmotorrad, sondern eine robuste Allrounderin für Fahrer, die Freiheit, praktische Alltagstauglichkeit und gelegentliche Ausflüge abseits befestigter Straßen miteinander verbinden wollten.
Besonders interessant ist die Cagiva SXT, weil ihre Geschichte eng mit dem Übergang zwischen zwei bedeutenden Namen der Motorradindustrie verbunden ist: Harley-Davidson und Cagiva. Die Modellreihe ging Mitte der 1970er-Jahre an den Start und wurde zunächst im Umfeld der italienischen AMF-Harley-Davidson-Produktion angeboten. Nach dem Wechsel der Marke und des Werks zu Cagiva entwickelte sich die SXT zu einem frühen Beispiel für die technische und gestalterische Eigenständigkeit des italienischen Herstellers. Angeboten wurden unterschiedliche Hubraumvarianten, darunter 125, 175, 250 und 350 Kubikzentimeter. Vor allem die kleine SXT 125 wurde zu einem wichtigen Modell für jüngere Motorradfahrer und Einsteiger. Die Baureihe steht damit nicht nur für ein bestimmtes Motorrad, sondern auch für eine spannende Phase europäischer Motorradgeschichte.
Die Entstehung der Cagiva SXT
Von AMF-Harley-Davidson zu Cagiva
Um die Bedeutung der Cagiva SXT zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die wirtschaftlichen und industriellen Hintergründe ihrer Entstehung. In den 1970er-Jahren befand sich die Motorradbranche in einem tiefgreifenden Wandel. Japanische Hersteller gewannen mit modernen, leistungsfähigen und zunehmend zuverlässigen Maschinen Marktanteile, während europäische Marken ihre Position neu bestimmen mussten. In Italien existierte zugleich eine lange Tradition kleiner und mittelgroßer Motorräder, deren technische Konzepte häufig auf geringes Gewicht, überschaubare Betriebskosten und vielseitige Einsatzmöglichkeiten ausgerichtet waren. In diesem Umfeld entstanden Modelle, die sowohl für den täglichen Weg zur Arbeit als auch für Freizeitfahrten und leichte Geländeeinsätze geeignet waren.
Die SXT wurde zunächst unter dem Namen AMF-Harley-Davidson angeboten. Nachdem Claudio Castiglioni und seine Familie die italienischen Produktionsanlagen und die Marke Cagiva übernommen hatten, wurde das Motorrad im Verlauf der Übergangszeit auch als HD-Cagiva und schließlich als Cagiva vermarktet. Diese Entwicklung erklärt, weshalb bei älteren Exemplaren unterschiedliche Markenbezeichnungen und Beschriftungen vorkommen können. Für Sammler ist dieser Umstand besonders interessant, denn Embleme, Tankgestaltung, Rahmennummern und Produktionsunterlagen können wichtige Hinweise auf Baujahr und Herkunft geben. Die SXT ist somit auch ein Zeugnis des industriellen Übergangs, aus dem Cagiva als eigenständiger italienischer Motorradhersteller hervorging.
Die Modellreihe und ihre Position im Markt
Die Cagiva SXT wurde ab 1975 mit verschiedenen Motorgrößen angeboten. Die 125er-Ausführung richtete sich vor allem an junge Fahrer und Menschen, die ein leichtes, überschaubares Motorrad suchten. Die größeren Versionen boten mehr Hubraum und eigneten sich für Fahrer, die zusätzliche Durchzugskraft bevorzugten. Die SXT 250 entwickelte sich zu einer wichtigen mittleren Variante, während die SXT 350 das obere Ende der ursprünglichen Modellfamilie markierte. Die genauen Produktionszeiträume unterscheiden sich je nach Ausführung und Quelle: Für die SXT 125 wird häufig der Zeitraum von 1975 bis 1983 genannt, für die 250er reichen Angaben bis 1985 und für die 350er ungefähr von 1978 bis 1984.
Entscheidend war die Idee hinter dem Konzept. Die SXT sollte keine reine Motocrossmaschine sein, die für den Alltag zu kompromisslos ausfiel, und auch keine klassische Straßenmaschine, die auf Schotter oder Feldwegen schnell an ihre Grenzen kam. Stattdessen verband sie eine aufrechte Sitzposition mit einem vergleichsweise schmalen Motorradkörper, einer geländetauglichen Radkombination und einer einfachen mechanischen Konstruktion. Genau diese Mischung machte sie für eine Generation attraktiv, die mit einem einzigen Motorrad möglichst viele Möglichkeiten abdecken wollte.
Design und Konstruktion: Funktion statt modischer Effekte
Der typische Enduro-Look der 1970er-Jahre
Optisch folgt die Cagiva SXT einer klaren Formensprache. Der hoch angeordnete Lenker, die schmale Sitzbank, die Speichenräder und die auf Geländeeinsatz ausgelegte Bereifung verleihen ihr einen unverwechselbaren Enduro-Charakter. Hinzu kommen der relativ schlanke Tank, die hochgezogene Frontpartie und eine Gestaltung, bei der technische Funktion wichtiger war als dekorative Verkleidungselemente. Anders als viele moderne Motorräder besitzt die SXT keine großflächigen Kunststoffverkleidungen, die den Motor und das Fahrwerk optisch abschirmen. Der mechanische Aufbau bleibt weitgehend sichtbar und trägt wesentlich zu ihrem klassischen Erscheinungsbild bei.
Diese Gestaltung ist keineswegs nur eine nostalgische Stilfrage. Ein schlankes Motorrad lässt sich auf schmalen Wegen leichter zwischen Hindernissen bewegen und bietet dem Fahrer mehr Bewegungsfreiheit im Stehen. Die aufrechte Sitzposition erleichtert den Überblick im Verkehr und unterstützt eine entspannte Haltung auf längeren Strecken. Gleichzeitig wirkt die SXT im Vergleich zu heutigen Reiseenduros kompakt und ursprünglich. Ihr Erscheinungsbild vermittelt den Eindruck eines Motorrads, das nicht für einen bestimmten Lifestyle inszeniert wurde, sondern aus einer Zeit stammt, in der die praktische Verwendbarkeit im Mittelpunkt stand.
Rahmen, Räder und Fahrwerk
Die SXT 125 verfügt in der dokumentierten Ausführung SXT 125/N über einen Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohren. Vorn arbeitet eine Teleskopgabel mit hydraulischer Dämpfung, hinten kommt eine Schwinge mit hydraulischen Federbeinen zum Einsatz. Diese Konstruktion entsprach dem Stand der damaligen Motorradtechnik und bot einen vernünftigen Kompromiss zwischen Straßenbetrieb und leichtem Gelände. Die großen Räder, insbesondere das 21-Zoll-Vorderrad der dokumentierten 125er-Version, unterstützen das Überrollen von Unebenheiten und passen zur klassischen Enduro-Geometrie. Hinten ist ein 18-Zoll-Rad angegeben.
Aus heutiger Sicht ist das Fahrwerk natürlich nicht mit den langhubigen, einstellbaren Federungssystemen moderner Enduros vergleichbar. Dennoch liegt gerade in seiner Einfachheit ein Vorteil für die Restaurierung. Viele Wartungsarbeiten lassen sich mit überschaubarem Werkzeug durchführen, und die grundlegende Konstruktion ist für erfahrene Motorradmechaniker gut nachvollziehbar. Allerdings bedeutet ein einfacher Aufbau nicht automatisch, dass sämtliche Teile problemlos erhältlich sind. Originale Federbeine, passende Gummikomponenten, spezifische Anbauteile und modellabhängige Verkleidungs- oder Tankteile können bei einem seltenen Klassiker durchaus zur Herausforderung werden.
Der Motor der Cagiva SXT: Klassische Zweitakttechnik
Einzylinder mit charakteristischem Charakter
Das Herzstück der klassischen Cagiva SXT ist der Einzylinder-Zweitaktmotor, der besonders bei kleineren Hubraumklassen der damaligen Zeit eine wichtige Rolle spielte. Die Konstruktion war vergleichsweise kompakt, mechanisch überschaubar und auf ein günstiges Verhältnis zwischen Gewicht und Leistung ausgelegt. Anders als bei einem Viertaktmotor erfolgt der Arbeitszyklus beim Zweitakter innerhalb einer Kurbelwellenumdrehung. Das ermöglicht eine hohe Leistungsabgabe im Verhältnis zum Hubraum, verlangt jedoch eine andere Abstimmung von Gemischaufbereitung, Schmierung und Auspuffanlage. Der typische Klang, das direkte Ansprechverhalten und die charakteristische Leistungsentfaltung machen einen wesentlichen Teil des historischen Fahrerlebnisses aus.
Bei der SXT 125/N beträgt der Hubraum 124,63 Kubikzentimeter, während Bohrung und Hub mit 50 beziehungsweise 50,6 Millimetern angegeben werden. Die Verdichtung liegt bei 12,1:1. Für die Gemischaufbereitung ist ein Dell’Orto-PHBL-25-Vergaser dokumentiert. Die Schmierung erfolgt über einen automatischen Ölmischer, sodass das Zweitaktöl bei dieser Ausführung nicht grundsätzlich bei jeder Tankfüllung manuell mit dem Benzin vermischt werden muss. Ein solches System setzt allerdings voraus, dass Ölpumpe, Leitungen und Einstellung ordnungsgemäß funktionieren. Bei einem Jahrzehnte alten Motorrad ist deshalb eine sorgfältige Kontrolle vor der Wiederinbetriebnahme besonders wichtig.
Getriebe und Kraftübertragung
Die SXT 125/N ist mit einem Sechsganggetriebe ausgestattet. Die Abstufung mehrerer Gänge ermöglicht es, den Motor an unterschiedliche Fahrsituationen anzupassen: niedrige Geschwindigkeiten auf schmalen Wegen, gleichmäßiges Rollen auf Landstraßen und die Nutzung des verfügbaren Leistungsbereichs beim Beschleunigen. Die Kraftübertragung erfolgt über eine Mehrscheibenkupplung im Ölbad. Diese Bauweise ist bei Motorrädern weit verbreitet und verbindet eine kompakte Konstruktion mit einer gut dosierbaren Kraftübertragung.
Im Fahrbetrieb verlangt ein klassischer Zweitakter etwas mehr Aufmerksamkeit als ein moderner Motor mit elektronischer Einspritzung. Die richtige Vergaserabstimmung, ein sauberer Luftfilter, eine intakte Zündung und ein technisch einwandfreier Auspuff sind entscheidend für einen zuverlässigen Lauf. Ebenso wichtig ist die Kontrolle der Kraftstoffversorgung und der Schmierung. Gerade bei historischen Motorrädern sollte man nicht allein darauf vertrauen, dass ein Motor nach längerer Standzeit anspringt. Eine fachgerechte Prüfung vor der ersten längeren Fahrt hilft, Folgeschäden zu vermeiden.
Die verschiedenen Hubraumvarianten der SXT
Cagiva SXT 125: Der Klassiker für Einsteiger
Die SXT 125 nimmt innerhalb der Modellfamilie eine besondere Stellung ein. Sie war auf Fahrer zugeschnitten, die ein handliches Motorrad mit überschaubaren Unterhaltskosten suchten. In ihrer ursprünglichen Form verband sie die Alltagstauglichkeit eines kleinen Motorrads mit einer Sitzposition und Fahrwerksauslegung, die Ausflüge auf unbefestigte Straßen ermöglichten. Der relativ geringe Hubraum machte sie zugänglich, während der Zweitaktmotor einen lebendigen Charakter bot. Gerade in einer Zeit, in der ein Motorrad häufig das wichtigste persönliche Verkehrsmittel war, war diese Kombination ein überzeugendes Argument.
Die 125er ist heute auch deshalb interessant, weil sie den Einstieg in die Welt klassischer italienischer Enduros ermöglicht, ohne die Dimensionen und den Wartungsaufwand größerer Maschinen mitzubringen. Bei einem Kauf sollte allerdings geprüft werden, welche genaue Version angeboten wird. Die ursprüngliche SXT 125 darf nicht mit der späteren, flüssigkeitsgekühlten Aletta Rossa 125 verwechselt werden. Letztere gehört zur nachfolgenden Modellgeneration und weist abweichende technische Merkmale auf. Die Modellbezeichnung allein reicht daher nicht immer aus, um die technischen Daten eines konkreten Motorrads zuverlässig zu bestimmen.
Cagiva SXT 175 und SXT 250: Mehr Hubraum für vielseitige Fahrten
Die SXT 175 und die SXT 250 ergänzten das Angebot für Fahrer, die mehr Hubraum als bei der kleinen 125er bevorzugten. Die 175er war technisch eng mit den größeren Varianten verwandt und bot eine zusätzliche Abstufung innerhalb der Baureihe. Die 250er wiederum stellte einen interessanten Mittelweg zwischen Handlichkeit und kräftigerer Motorisierung dar. Für Landstraßenfahrten und den gelegentlichen Einsatz auf Feld- und Schotterwegen war das Konzept besonders reizvoll, weil das Motorrad nicht die Größe und das Gewicht einer schweren Reiseenduro benötigte, um vielseitig eingesetzt werden zu können.
Bei der SXT 250 wird ein Hubraum von rund 243 Kubikzentimetern genannt. Auch diese Variante gehört zur traditionellen Zweitaktfamilie. Allerdings sollte man technische Einzelheiten wie Leistung, Gewicht, Vergaserbestückung und Getriebeübersetzung nicht ungeprüft von einer Hubraumversion auf die andere übertragen. Im Laufe der Produktion konnten sich Ausstattungsdetails und Komponenten verändern. Wer eine solche Maschine restauriert, sollte daher möglichst auf Unterlagen zurückgreifen, die exakt zur vorhandenen Modellvariante und zum Baujahr passen.
Cagiva SXT 350: Die große Variante der ursprünglichen Baureihe
Die SXT 350 bildete das obere Ende der ursprünglichen Modellpalette. Mit einem Hubraum von rund 342 Kubikzentimetern versprach sie mehr Durchzug als die kleineren Ausführungen. Ihr Konzept blieb der einfachen, geländetauglichen Zweitakt-Enduro treu, allerdings waren die größere Motorisierung und die damit verbundenen mechanischen Eigenschaften nicht für jeden Fahrer gleichermaßen geeignet. Historische Beschreibungen verweisen bei dieser Version auf deutlich spürbare Vibrationen und einen vergleichsweise hohen Verbrauch. Solche Eigenschaften konnten vor allem auf längeren Straßenetappen den Komfort beeinträchtigen.
Gerade die 350er verdeutlicht, dass die SXT nicht ausschließlich als Sammlerobjekt betrachtet werden sollte, sondern als Produkt ihrer Zeit. Die Konstrukteure arbeiteten mit den damals verfügbaren Materialien und technischen Lösungen. Ein großer Zweitakt-Einzylinder konnte eine interessante Leistungscharakteristik bieten, brachte aber auch typische Kompromisse bei Laufruhe, Geräuschentwicklung und Kraftstoffverbrauch mit sich. Im Vergleich zu einer modernen Reiseenduro ist die SXT 350 deshalb eher ein Motorrad für Liebhaber historischer Technik als für Menschen, die maximalen Langstreckenkomfort erwarten.
Fahrverhalten: Wie fährt sich eine Cagiva SXT heute?
Auf der Landstraße
Eine gut erhaltene Cagiva SXT vermittelt ein Fahrerlebnis, das sich deutlich von modernen Motorrädern unterscheidet. Die aufrechte Sitzposition, der breite Lenker und die schlanke Bauform schaffen eine unmittelbare Verbindung zwischen Fahrer und Maschine. Statt elektronischer Fahrprogramme oder komplexer Assistenzsysteme stehen die mechanischen Rückmeldungen im Vordergrund. Der Fahrer spürt Motorlauf, Fahrbahnunebenheiten und die Reaktion des Fahrwerks direkter. Das macht die SXT zu einem interessanten Motorrad für Menschen, die bewusst entschleunigt fahren und den Charakter einer klassischen Maschine erleben möchten.
Auf der Landstraße hängt das tatsächliche Fahrverhalten stark vom Zustand des Motors, der Bereifung, der Federung und der Bremsanlage ab. Bei einem Motorrad dieses Alters kann selbst ein äußerlich gepflegtes Exemplar technische Schwächen aufweisen. Ausgehärtete Reifen, verschlissene Radlager oder eine schlecht eingestellte Trommelbremse können die Fahrsicherheit erheblich beeinträchtigen. Eine gründliche technische Durchsicht ist deshalb wichtiger als eine glänzende Lackierung oder möglichst viele originale Anbauteile.
Auf Schotter und unbefestigten Wegen
Die Enduro-Ausrichtung zeigt sich besonders auf unbefestigten Wegen. Die große Vorderradgröße der SXT 125/N, die schmale Bauform und die aufrechte Haltung unterstützen ein kontrolliertes Fahren auf leichtem Schotter oder festem Naturboden. Dennoch sollte die Maschine nicht mit einer modernen Sportenduro gleichgesetzt werden. Die Fahrwerksreserven, Reifen und Bremsen entsprechen der damaligen Technik, und jahrzehntealte Komponenten können ihre ursprünglichen Eigenschaften längst verloren haben.
Für gelegentliche Ausflüge auf geeigneten Wegen kann eine technisch einwandfreie SXT weiterhin reizvoll sein. Schwieriges Gelände, tiefe Spurrinnen oder anspruchsvolle Hindernisse verlangen hingegen Erfahrung und eine realistische Einschätzung der Möglichkeiten des Motorrads. Außerdem müssen die geltenden Verkehrs- und Zufahrtsregeln beachtet werden, da nicht jeder Feld- oder Waldweg legal befahren werden darf.
Restaurierung und Wartung einer Cagiva SXT
Worauf sollte man beim Kauf achten?
Wer heute eine Cagiva SXT erwerben möchte, sollte sich nicht allein vom klassischen Design oder einem günstigen Angebotspreis leiten lassen. Der Zustand des Rahmens gehört zu den wichtigsten Prüfpunkten. Rost an tragenden Bereichen, beschädigte Schweißnähte oder unsachgemäße frühere Reparaturen können den Aufwand einer Restaurierung erheblich erhöhen. Ebenso sollten Lenkkopflager, Schwingenlager, Radlager und Federung kontrolliert werden. Bei älteren Geländemotorrädern lohnt sich außerdem ein genauer Blick auf Felgen, Speichen und die Befestigungspunkte von Kotflügeln, Gepäckträger und Auspuffanlage.
Am Motor sind ein nachvollziehbarer Kaltstart, ein gleichmäßiger Lauf und eine sorgfältige Prüfung auf ungewöhnliche Geräusche wichtige erste Anhaltspunkte, ersetzen aber keine fachkundige Untersuchung. Die Funktion des Ölmischers sollte bei entsprechend ausgestatteten Modellen ausdrücklich überprüft werden. Auch der Vergaser, die Zündanlage und die Kraftstoffleitungen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Fehlt eine vollständige Wartungshistorie, ist es sinnvoll, vor dem regelmäßigen Betrieb eine umfassende Inspektion einzuplanen. Ein scheinbar preiswertes Motorrad kann andernfalls durch schwer erhältliche Ersatzteile und umfangreiche Reparaturen deutlich teurer werden.
Ersatzteile und Originalität
Bei klassischen Cagiva-Modellen ist zwischen gewöhnlichen Verschleißteilen und modellspezifischen Originalkomponenten zu unterscheiden. Reifen, Lager, bestimmte Dichtungen und manche elektrische Bauteile lassen sich je nach Ausführung durch passende Ersatzteile ersetzen. Schwieriger kann es bei originalen Tankteilen, Seitendeckeln, Auspuffanlagen, Emblemen oder speziellen Fahrwerkskomponenten werden. Auch Teile, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen, müssen nicht tatsächlich zwischen unterschiedlichen Modelljahren austauschbar sein.
Für eine möglichst originalgetreue Restaurierung empfiehlt es sich, vor dem Kauf von Ersatzteilen die genaue Modellbezeichnung, das Baujahr und die Fahrgestellnummer zu dokumentieren. Alte Ersatzteilkataloge, Bedienungsanleitungen und Werkstatthandbücher können dabei entscheidend helfen. Für die SXT/SST-Familie sind historische Unterlagen verschiedener Jahrgänge dokumentiert, darunter Teilekataloge und Bedienungsanleitungen aus der Zeit der AMF-Harley-Davidson- und Cagiva-Modelle.
Die Cagiva SXT als Sammlermotorrad
Der heutige Reiz der Cagiva SXT beruht auf mehreren Faktoren. Erstens besitzt sie eine interessante Markengeschichte, die den Übergang von AMF-Harley-Davidson zu Cagiva nachvollziehbar macht. Zweitens verkörpert sie eine eigenständige italienische Enduro-Tradition, die sich von den schweren Reiseenduros späterer Jahrzehnte unterscheidet. Drittens ist die Baureihe in mehreren Hubraumvarianten erschienen, wodurch sich für Sammler unterschiedliche Schwerpunkte ergeben. Manche bevorzugen die zugängliche 125er, andere interessieren sich für die größeren und heute seltener anzutreffenden Ausführungen.
Der Sammlerwert eines konkreten Exemplars lässt sich allerdings nicht allein aus dem Modellnamen ableiten. Entscheidend sind Originalität, Zustand, Vollständigkeit, Dokumentation und die Verfügbarkeit der passenden Ersatzteile. Eine fachgerecht restaurierte Maschine mit nachvollziehbarer Geschichte kann für Liebhaber wesentlich interessanter sein als ein äußerlich aufgehübschtes Motorrad mit zahlreichen nicht passenden Komponenten. Ebenso sollte die Zulassungsfähigkeit geprüft werden, insbesondere wenn Umbauten vorgenommen wurden oder historische Dokumente fehlen. Eine pauschale Preisangabe wäre ohne Kenntnis von Variante, Baujahr und Zustand wenig aussagekräftig.
Fazit: Warum die Cagiva SXT bis heute fasziniert
Die Cagiva SXT ist ein Motorrad, das seine Attraktivität nicht aus moderner Technik, sondern aus seiner historischen Bedeutung, seiner klaren Konstruktion und seinem unverwechselbaren Charakter bezieht. Sie steht für eine Zeit, in der leichte Enduros vielseitige Begleiter waren und ein Motorrad sowohl auf alltäglichen Straßen als auch auf einfachen unbefestigten Wegen überzeugen sollte. Die Verbindung zur italienischen AMF-Harley-Davidson-Produktion und der anschließende Übergang zu Cagiva machen die Modellreihe zusätzlich zu einem interessanten Kapitel der europäischen Motorradgeschichte.
Ob als Restaurierungsprojekt, als Bestandteil einer klassischen Motorradsammlung oder als sorgfältig gepflegtes Liebhaberfahrzeug – die SXT bietet einen authentischen Zugang zur Motorradtechnik der 1970er- und frühen 1980er-Jahre. Wer sich für dieses Modell interessiert, sollte die einzelnen Varianten genau unterscheiden und beim Kauf besonderen Wert auf den technischen Zustand legen. Vor allem die SXT 125/N zeigt, wie durchdacht ein vergleichsweise einfaches Motorrad seiner Zeit sein konnte: mit Zweitaktmotor, Sechsganggetriebe, Stahlrahmen und einer auf Vielseitigkeit ausgerichteten Fahrwerkskonstruktion. Genau diese Mischung aus Einfachheit, italienischer Herkunft und ursprünglichem Fahrgefühl macht die Cagiva SXT auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung zu einem bemerkenswerten Klassiker.
Technische Daten der Cagiva SXT
Die folgende Tabelle bezieht sich auf die dokumentierte Cagiva SXT 125/N, Modelljahr 1982. Sie ist nicht als allgemeine Spezifikation aller SXT-Modelle zu verstehen, da sich die technischen Daten zwischen 125, 175, 250 und 350 Kubikzentimetern sowie zwischen einzelnen Baujahren unterscheiden können.
| Merkmal | Technische Daten |
|---|---|
| Hersteller | Cagiva |
| Modell | SXT 125/N |
| Modelljahr der dokumentierten Version | 1982 |
| Fahrzeugklasse | Leichte Enduro |
| Motortyp | Einzylinder-Zweitaktmotor |
| Hubraum | 124,63 cm³ |
| Bohrung × Hub | 50 × 50,6 mm |
| Verdichtungsverhältnis | 12,1:1 |
| Gemischaufbereitung | Dell’Orto PHBL 25 |
| Schmierung | Automatischer Ölmischer |
| Zündung | Elektronisches Schwungrad-Zündsystem, 12 V |
| Getriebe | 6-Gang-Schaltgetriebe |
| Kupplung | Mehrscheiben-Ölbadkupplung |
| Rahmen | Stahlrohr-Doppelschleifenrahmen |
| Vorderradaufhängung | Teleskopgabel mit hydraulischer Dämpfung |
| Hinterradaufhängung | Schwinge mit hydraulischen Federbeinen |
| Vorderradbremse | Brembo-Scheibenbremse |
| Hinterradbremse | Trommelbremse, 125 mm Durchmesser |
| Vorderradbereifung | 2,75 × 21 Zoll |
| Hinterradbereifung | 3,50 × 18 Zoll |
| Bordnetz | 12 V |
| Batteriekapazität | 5,5 Ah |
| Tankinhalt | 9,4 Liter |
| Davon Reserve | 1,4 Liter |
| Trockengewicht | 101 kg |
| Motorleistung | Für diese konkrete Version in der herangezogenen technischen Datenquelle nicht eindeutig ausgewiesen |
| Höchstgeschwindigkeit | Nicht verlässlich für diese konkrete Ausführung belegt |
Technische Datengrundlage: Registro Storico Cagiva, Modellblatt SXT 125/N. Abweichungen bei anderen Modelljahren und Varianten sind möglich.