Blériot-SPAD S.510 – Der letzte französische Jagd-Doppeldecker
Die Blériot-SPAD S.510 war ein französisches Jagdflugzeug aus der Mitte der 1930er-Jahre und gilt als der letzte Doppeldecker, der in Frankreich in Serie gebaut und in der Frontlinie eingesetzt wurde. Sie markierte das Ende einer Ära – die S.510 verband klassische Doppeldecker-Konstruktion mit moderner Technik wie Ganzmetallbauweise, Einziehfahrwerk und synchronisierter Maschinengewehrbewaffnung. Trotz ihrer fortschrittlichen Merkmale konnte sie den Übergang zu Eindeckern nicht mehr aufhalten.
Entwicklung und Entstehung
In den frühen 1930er-Jahren suchte die französische Armée de l’Air nach einem neuen Jagdflugzeug, um die veralteten Nieuport-Delage D.27 und Dewoitine D.500 zu ersetzen. Blériot Aéronautique, die Nachfolgegesellschaft der traditionsreichen SPAD-Werke, entwickelte unter der Leitung von André Herbemont einen völlig neuen Doppeldecker – die S.510.
Der Erstflug fand im Januar 1933 statt. Ziel war es, die Vorteile des Doppeldeckers – Wendigkeit, kurze Startstrecke, hohe Steigleistung – mit der Robustheit und Geschwindigkeit moderner Metallflugzeuge zu verbinden. Herbemont entschied sich für eine Ganzmetallstruktur mit Stoffbespannung, ein Novum in der französischen Luftfahrt jener Zeit.
Die Erprobung verlief erfolgreich, und ab 1935 begann die Serienfertigung. Insgesamt wurden etwa 60 Exemplare produziert, die zunächst als Standardjäger bei der Armée de l’Air dienten, bevor sie durch moderne Eindecker ersetzt wurden.
Technische Parameter
Allgemeine Daten
-
Typ: Einsitziger Jagd-Doppeldecker
-
Hersteller: Blériot Aéronautique
-
Konstrukteur: André Herbemont
-
Erstflug: Januar 1933
-
Einsatzbeginn: 1935
-
Besatzung: 1 (Pilot)
Abmessungen
-
Spannweite: 10,50 m
-
Länge: 7,25 m
-
Höhe: 3,10 m
-
Flügelfläche: 21,8 m²
Gewichte
-
Leermasse: ca. 1.460 kg
-
Startmasse: ca. 1.950 kg
Antrieb
-
Triebwerk: Hispano-Suiza 12Xbrs
-
Bauart: 12-Zylinder-V-Motor, flüssigkeitsgekühlt
-
Leistung: 690 PS (515 kW)
-
Propeller: Dreiblättriger Verstellpropeller (Metall)
Leistungsdaten
-
Höchstgeschwindigkeit: 370 km/h in 4.000 m Höhe
-
Reisegeschwindigkeit: 320 km/h
-
Steigrate: 10 m/s
-
Dienstgipfelhöhe: ca. 10.000 m
-
Reichweite: 800 km
-
Startstrecke: etwa 250 m
-
Landestrecke: rund 300 m
Bewaffnung
-
Standardbewaffnung: Vier 7,5-mm-Maschinengewehre MAC 1934
-
Zwei im Rumpf über dem Motor, synchronisiert durch den Propellerkreis
-
Zwei in Gondeln an den unteren Flügeln montiert
-
-
Munitionsvorrat: ca. 300 Schuss pro Waffe
Konstruktion und Aufbau
Die Blériot-SPAD S.510 kombinierte traditionelle Doppeldeckergeometrie mit modernster Metallbauweise. Der Rumpf bestand aus einem Fachwerk aus Duraluminiumrohren, das mit Stoff bespannt war. Die Flügel bestanden aus Metallholmen und Rippen mit Stoffbespannung, verbunden durch N-Streben und Spannseile.
Der obere Flügel war leicht nach vorne versetzt, was eine hervorragende Sicht nach oben und vorne erlaubte. Zwischen den Flügeln befand sich ein breiter Spalt, der die Steuerbarkeit und Auftriebsverteilung verbesserte.
Das Fahrwerk war teilweise einziehbar, eine Seltenheit bei Doppeldeckern. Die Hauptfahrwerksräder konnten über einen einfachen Mechanismus nach hinten teilweise in Verkleidungen eingefahren werden, was den Luftwiderstand verringerte. Das Heckrad war fest montiert.
Das Cockpit war offen, mit einer kleinen Windschutzscheibe und einem gepolsterten Kopfstützenrahmen. Es verfügte über moderne Flug- und Navigationsinstrumente, darunter Höhenmesser, Drehzahlmesser, Kompass und Öldruckanzeige – eine für damalige französische Jagdflugzeuge bemerkenswerte Ausstattung.
Aerodynamische Eigenschaften
Die aerodynamische Auslegung der S.510 war das Ergebnis zahlreicher Windkanalversuche. Der Flügelaufbau verlieh dem Flugzeug eine hohe Wendigkeit und ausgezeichnete Stabilität, selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten.
Die S.510 war so ausgelegt, dass sie sowohl in engen Kurven als auch bei hohen Steigwinkeln kontrollierbar blieb. Ihr Steuerverhalten galt als sehr ausgewogen – leicht im Querruder, aber stabil im Höhenruder.
Dank des leistungsstarken Hispano-Suiza-Motors erreichte sie für einen Doppeldecker ungewöhnlich hohe Geschwindigkeiten. Gleichzeitig bot der Doppeldeckeraufbau eine ausgezeichnete Sicht nach unten, was sie zu einem präzisen Abfangjäger in niedrigen Höhen machte.
Varianten
-
S.510 Prototyp (1933) – Ursprüngliche Testversion mit Hispano-Suiza 12Xbrs-Triebwerk, offenes Cockpit, Zweiblattpropeller.
-
S.510 Serienversion (1935) – Verbesserter Rumpf, verstärkte Struktur, Dreiblattpropeller, vier Maschinengewehre.
-
S.510bis – Experimentelle Variante mit geschlossener Kabine und verbesserter Aerodynamik; blieb Prototyp.
-
S.510S (Schulversion) – Umbau einiger Serienmaschinen zu Doppelsitzern für die Pilotenausbildung.
Einsatzgeschichte
Die Blériot-SPAD S.510 wurde ab 1935 in der französischen Armée de l’Air eingeführt, vor allem in den Jagdgeschwadern GC I/7 und GC II/7. Sie ersetzte dort ältere Typen wie die Nieuport-Delage D.27.
In der Praxis zeigte sie hervorragende Wendigkeit und Stabilität, was sie besonders bei Kunstflugpiloten beliebt machte. 1936 wurden einige Maschinen bei den internationalen Flugwettbewerben von Vincennes und Zürich vorgeführt, wo sie mit ihrer Agilität beeindruckte.
Als in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre moderne Eindecker wie die Morane-Saulnier MS.406 und die Dewoitine D.510 erschienen, wurde die S.510 zunehmend aus der Frontlinie abgezogen. Sie blieb bis 1939 in der zweiten Linie und als Schulflugzeug im Einsatz.
Einige Maschinen wurden zu Beginn des Zweiten Weltkriegs noch als Verbindungsflugzeuge oder Übungsjäger verwendet, bevor sie 1940 endgültig ausgemustert wurden.
Flugverhalten und Leistungseindruck
Piloten beschrieben die Blériot-SPAD S.510 als außerordentlich wendig und präzise steuerbar. Sie konnte enge Kurven fliegen, ohne an Höhe zu verlieren, und besaß ein sehr direktes Ansprechverhalten auf Ruderbewegungen.
Im Steigflug war sie vielen Konkurrenten ihrer Zeit ebenbürtig, doch bei der Höchstgeschwindigkeit konnte sie mit modernen Eindeckern nicht mehr mithalten. Ihr offenes Cockpit und die Doppeldeckerkonstruktion verursachten zu hohen Luftwiderstand.
Trotzdem galt sie als angenehm zu fliegen, robust und zuverlässig – ideale Eigenschaften für ein Trainings- oder Manöverflugzeug.
Bedeutung und Vermächtnis
Die Blériot-SPAD S.510 war der letzte Doppeldeckerjäger, der in Frankreich in Serie produziert und aktiv eingesetzt wurde. Sie stellte das Ende einer Entwicklungsreihe dar, die mit den legendären SPAD-Kampfflugzeugen des Ersten Weltkriegs begonnen hatte.
Ihre Ganzmetallbauweise, das teilweise einziehbare Fahrwerk und die vierfache Maschinengewehrbewaffnung zeigten, dass die Doppeldeckerkonstruktion technisch an ihre Grenzen gelangt war – doch gleichzeitig, dass sie noch immer hervorragende Flugeigenschaften bieten konnte.
Die Erfahrungen mit der S.510 flossen in die Konstruktion späterer Eindecker ein, insbesondere in die Entwicklung der Dewoitine D.520, die im Zweiten Weltkrieg zum Hauptjäger Frankreichs wurde.
Zusammenfassung
Die Blériot-SPAD S.510 war ein technisch ausgereifter, wendiger und elegant gestalteter Doppeldeckerjäger, der die französische Luftfahrttechnik der 1930er-Jahre auf ihrem Höhepunkt repräsentierte. Mit ihrem 690-PS-Hispano-Suiza-Motor, der Ganzmetallstruktur und vier Maschinengewehren kombinierte sie Tradition und Fortschritt in einzigartiger Weise.