Blériot-SPAD S.61

Blériot-SPAD S.61 – Der französische Doppeldeckerjäger der späten 1920er-Jahre

Die Blériot-SPAD S.61 war ein fortschrittlicher französischer Doppeldeckerjäger, der in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre entwickelt wurde. Sie gilt als einer der letzten bedeutenden Vertreter der klassischen Doppeldeckerära, bevor der Übergang zu Eindeckern begann. Die Maschine vereinte robuste Bauweise, verbesserte Aerodynamik und eine hohe Steigleistung – Eigenschaften, die sie zu einem erfolgreichen Exportmuster und zu einem wichtigen Bestandteil der französischen Luftstreitkräfte jener Zeit machten.

Entwicklung und Hintergrund

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs suchte Frankreich nach einem Nachfolger für die erfolgreichen SPAD-Modelle der Kriegsjahre. André Herbemont, der Chefkonstrukteur von Blériot Aéronautique, entwickelte eine Reihe neuer Flugzeuge auf Grundlage der S.51. Das Ergebnis war die S.61, ein moderner Doppeldecker, der 1923 seinen Erstflug absolvierte und ab 1924 in Serie ging.

Die S.61 war vor allem für den Service Aéronautique (die französische Luftwaffe) bestimmt, wurde aber bald auch ins Ausland exportiert – unter anderem nach Polen, in die Sowjetunion und nach Rumänien. Ihre Kombination aus hoher Steigrate, struktureller Stabilität und Zuverlässigkeit machte sie zu einem beliebten Jagdflugzeug der mittleren 1920er-Jahre.

Technische Spezifikationen

Allgemeine Daten

  • Typ: Einsitziger Jagd-Doppeldecker

  • Hersteller: Blériot Aéronautique

  • Konstrukteur: André Herbemont

  • Erstflug: 1923

  • Einsatzbeginn: 1924

  • Besatzung: 1 (Pilot)

Abmessungen

  • Spannweite: 9,70 m

  • Länge: 6,70 m

  • Höhe: 2,90 m

  • Flügelfläche: ca. 22,5 m²

Gewichte

  • Leermasse: ca. 1.060 kg

  • Startmasse: ca. 1.540 kg

Antrieb

  • Triebwerk: Hispano-Suiza 12Hb oder 12Ha (je nach Version)

  • Bauart: 12-Zylinder-V-Motor, flüssigkeitsgekühlt

  • Leistung: 500 PS (373 kW)

  • Propeller: Zweiblättriger Holzpropeller mit fester Steigung

Leistungsdaten

  • Höchstgeschwindigkeit: 250–265 km/h (je nach Version)

  • Steigrate: 8,5 m/s

  • Dienstgipfelhöhe: ca. 8.000 m

  • Reichweite: etwa 500 km

Bewaffnung

  • Standardbewaffnung: Zwei synchronisierte 7,7-mm-Vickers-Maschinengewehre

  • Munitionsvorrat: 500 Schuss pro Waffe

  • Optionale Bewaffnung: Zusätzliche leichte Bomben bis 50 kg unter den Flügeln

Konstruktion und Aufbau

Die Blériot-SPAD S.61 war als kompakter Doppeldecker mit gleich großen Tragflächen ausgelegt, die mit N-Streben und Spanndrähten verbunden waren. Die Struktur bestand größtenteils aus Holz, wobei der Rumpf mit Sperrholz beplankt und die Tragflächen mit Stoff bespannt waren. Diese Bauweise kombinierte Leichtigkeit mit hoher Festigkeit – ein entscheidender Vorteil bei den hohen Belastungen des Luftkampfes.

Der Rumpf war aerodynamisch sauber gestaltet und wies eine schmale Motorverkleidung auf, die die Kühleröffnungen an den Seiten aufnahm. Die Kabine war offen, mit einer kleinen Windschutzscheibe und einem einfachen Instrumentenbrett. Die Maschine verfügte über ein starres Fahrwerk mit Achse und Gummifederung, das auf unebenen Flugfeldern zuverlässig funktionierte.

Das Leitwerk war konventionell mit einem abgestrebten Höhenleitwerk und einem großen, spitz zulaufenden Seitenruder ausgeführt. Dieses sorgte für gute Stabilität und präzise Steuerung, auch bei hohen Geschwindigkeiten.

Aerodynamische Merkmale

Die S.61 zeigte eine deutliche Verbesserung der Aerodynamik im Vergleich zu früheren SPAD-Modellen. Der Rumpf war glatter verkleidet, und die Tragflächen hatten ein dünneres Profil. Dadurch konnte die Höchstgeschwindigkeit gesteigert werden, ohne die Wendigkeit zu beeinträchtigen.

Die obere Tragfläche war leicht nach vorne versetzt, um dem Piloten eine bessere Sicht nach oben und vorne zu ermöglichen – ein wichtiges Kriterium für den Luftkampf jener Zeit. Der Motor war mit einem frontal angebrachten Kühler ausgestattet, der eine effiziente Kühlung bei hohen Leistungen sicherstellte.

Varianten

Im Laufe der Produktionszeit entstanden mehrere Versionen der S.61, die sich in Ausstattung, Antrieb und Struktur unterschieden:

  1. S.61/1 – Grundversion mit Hispano-Suiza 12Ha-Motor; diente als Musterflugzeug.

  2. S.61/2 – Serienversion mit modifiziertem Kühlsystem und verstärktem Rumpf.

  3. S.61 C.1 – Hauptserie für die französische Luftwaffe; „C.1“ steht für Chasseur Monoplace (Einsitziger Jäger).

  4. S.61/3 – Exportversion für Polen mit leicht geänderter Instrumentierung.

  5. S.61/4 – Variante mit verbessertem Höhenruder und optimiertem Propeller.

  6. S.61bis – Späte Version mit stärkerem 600-PS-Motor, für Hochleistungsversuche verwendet.

Einsatzgeschichte

Die Blériot-SPAD S.61 wurde ab Mitte der 1920er-Jahre bei der französischen Armée de l’Air eingeführt und blieb dort bis Anfang der 1930er-Jahre im Einsatz. Parallel dazu wurden über 150 Maschinen an ausländische Luftstreitkräfte geliefert.

Polen setzte die S.61 in mehreren Jagdgeschwadern ein, insbesondere beim 11. und 13. Geschwader. Die Flugzeuge nahmen an zahlreichen Manövern teil und wurden bis etwa 1932 als Frontjäger genutzt. Rumänien bestellte ebenfalls eine kleine Anzahl, und auch in der Sowjetunion wurde die S.61 als Vorbild für eigene Entwürfe analysiert.

Die Maschine bewährte sich durch ihre einfache Wartung, Stabilität und gute Flugeigenschaften, galt aber ab Ende der 1920er-Jahre als veraltet, da Eindecker mit geschlossenen Kabinen und einziehbarem Fahrwerk zunehmend die Zukunft der Jagdflugzeuge bestimmten.

Flugverhalten und Leistungseindruck

Testpiloten lobten die Blériot-SPAD S.61 für ihre präzise Steuerung und hervorragende Steigfähigkeit. Besonders in Kurven und Steigflügen zeigte sie eine hohe Stabilität. Im Horizontalflug war sie leicht zu kontrollieren, und der Motor reagierte zuverlässig.

Allerdings wies sie aufgrund ihrer Doppeldeckerkonstruktion einen höheren Luftwiderstand auf, was ihre Höchstgeschwindigkeit im Vergleich zu neueren Eindeckern begrenzte. Auch die Sicht nach hinten war eingeschränkt, was in Luftkämpfen einen taktischen Nachteil darstellen konnte.

Bedeutung und Nachwirkung

Die Blériot-SPAD S.61 war eines der letzten erfolgreichen französischen Doppeldecker-Jagdflugzeuge. Sie diente als Grundlage für weitere Entwicklungen wie die S.91, ein fortschrittlicher Eindecker, der bereits Merkmale moderner Jagdflugzeuge aufwies.

Darüber hinaus markierte sie den Höhepunkt der SPAD-Tradition – robust, zuverlässig und leistungsstark. Ihre solide Konstruktion und ihr bewährter Hispano-Suiza-Motor machten sie zu einem Exportschlager und zu einem Symbol der französischen Luftfahrttechnik der Zwischenkriegszeit.

Zusammenfassung

Die Blériot-SPAD S.61 war ein leistungsfähiger, vielseitiger Doppeldeckerjäger, der die Entwicklungslinie der SPAD-Kampfflugzeuge fortsetzte und Frankreichs Luftstreitkräfte in den Jahren zwischen den Weltkriegen prägte. Mit ihrer Kombination aus Stabilität, solider Bauweise und bewährter Technik trug sie wesentlich dazu bei, die Grundlagen für die moderne Jagdflugzeugentwicklung zu legen.

Bleriot-SPAD S.61