USNS GySgt Fred W. Stockham (T-AK-3017)

USNS GySgt Fred W. Stockham (T-AK-3017)

Die USNS GySgt Fred W. Stockham (T-AK-3017) ist ein Roll-on/Roll-off-Versorgungsschiff der United States Navy im Dienst des Military Sealift Command. Sie ist Teil der Sgt. Matej Kocak-Klasse vorpositionierter Versorgungsschiffe und wurde speziell für den schnellen Umschlag von Militärgerät und Nachschub auf hoher See und in Partnerhäfen entwickelt. Mit ihrer großen Ladefähigkeit und robusten Bauweise unterstützt sie weltweit Marineoperationen, Kriseninterventionen und Trainingsübungen. Ihre Fähigkeit, binnen kürzester Zeit mehrere hundert Fahrzeuge zu verlegen, macht sie zu einem zentralen Element logistischer Vorhalte im Pazifik- und Atlantikraum.

Historischer Hintergrund

Die GySgt Fred W. Stockham wurde am 15. Juli 1986 bei Avondale Shipyards in Louisiana gekrant und lief am 22. September 1987 vom Stapel. Die Indienststellung erfolgte am 3. Februar 1989 unter dem Kommando des Military Sealift Command. Sie ist das dritte von vier Schiffen der Sgt. Matej Kocak-Klasse, benannt nach USMC-GySgt Fred W. Stockham, der im Ersten Weltkrieg für seine Tapferkeit mit der Medal of Honor ausgezeichnet wurde. Seitdem operiert sie in der Maritime Prepositioning Squadron, um Materialpakete für Marineexpeditionseinheiten bereitzuhalten.

Design und Konstruktion

Rumpf und Abmessungen

Der Rumpf der GySgt Fred W. Stockham misst 231,6 Meter in der Länge und 32,3 Meter in der Breite. Bei voller Beladung verdrängt das Schiff rund 62.600 Tonnen und erreicht einen Tiefgang von etwa 10,1 Metern. Die riesige Freideckfläche verfügt über großzügige Rollbahnspuren und Rampen, die den schnellen Zu- und Abgang von Fahrzeugen jeder Größe erlauben. Die Konstruktion in vier Sektionen erleichtert Wartung und Inspektionen in Werften.

Material und Strukturverstärkung

Die Hauptstruktur besteht aus hochfestem Marinebaustahl, der an belasteten Stellen mit Mehrfachplatten verstärkt ist. Quer- und Längsschotten schaffen Wasserdichtigkeit und Stabilität im Gefechtsfall. Rumpfschotten und Doppelbodenbereiche minimieren das Risiko von Havarien und dienen zugleich als sekundäre Öleinlaufsperre. Korrosionsschutzanstriche und kathodischer Schutz verlängern die Serviceintervalle im Seewasser.

Antrieb und Energieversorgung

Hauptantrieb

Angetrieben wird das Schiff von einem 16-Zylinder-Dieselmotor mit einer Leistung von 29.000 PS, der über ein zweistufiges Reduktionsgetriebe eine einzelne Festpropellerwelle versorgt. Damit erreicht die GySgt Fred W. Stockham eine maximale Geschwindigkeit von 20 Knoten und kann eine wirtschaftliche Reisegeschwindigkeit von 18 Knoten halten.

Elektrische Anlagen

Für die Bordversorgung stehen drei Dieselgeneratoraggregate mit je 2.500 kW zur Verfügung. Diese Einspeisung versorgt Navigations- und Kommunikationssysteme, Ladepumpen, Beleuchtung sowie alle klimatischen Einrichtungen. Ein Notgenerator sichert kritische Systeme wie Brandschutzpumpen und Steuersysteme bei Ausfall der Hauptaggregate.

Manövriereinrichtungen

Ein 1.500-PS-Bugstrahlruder ermöglicht präzises Anlegen an anderen Schiffen oder unhandlichen Hafenanlagen. Das dynamische Positionierungssystem (DP-Funktion) sorgt dafür, dass das Schiff auch bei starkem Seitenwind und Strömung seine Position halten kann. Zwei Heckthrusterventile unterstützen das Ausparken und erleichtern Kurskorrekturen während RORO-Manövern.

Ladefähigkeit und Ladeausrüstung

Laderäume

Die GySgt Fred W. Stockham bietet auf drei durchgehenden Decks insgesamt 11.500 Laufmeter für rollendes Material. Im Frachtvolumen entspricht dies einer Kapazität von bis zu 500 standardisierten 20-Fuß-Containern oder 350 gepanzerten Fahrzeugen. Temperaturgeführte Bereiche ermöglichen den Transport von Munition, Treibstoff-Containern und sensibler Elektronik.

Decksmaschinen und Krane

Vier hydraulische Deckskräne mit jeweils 35 t Hubkapazität bei 20 m Ausladung unterstützen punktuelle Umschlagsaufgaben. Zwei sternseitige Rampen und eine große Bugrampe erlauben Roll-on/Roll-off-Vorgänge in weniger als 30 Minuten. Zusätzliche elektrische Winde und Schwerlastseilführungen sorgen für flexible Ladungs­sicherung und schnelle Anpassung an unterschiedliche Fahrzeugtypen.

Navigation und Kommunikation

Navigationsausrüstung

Die Brücke ist mit dualen ECDIS-Terminals, GPS/DGLONASS-Empfängern und Mehrstrahl-Faser-Radar ausgerüstet. X-Band- und S-Band-Radarsysteme ermöglichen zuverlässige Hindernis- und Wetterüberwachung bei jeder Sichtlage. Ein automatisches Identifikationssystem (AIS) und eine digitale Kurssteuerung garantieren konstante Positionstreue und Kollisionsvermeidung.

Kommunikationssuite

Zur Flottenkommunikation stehen ein satellitengestütztes SATCOM-Terminal, Link-16-Daten- und Sprachfunk sowie VHF/UHF-Funkgeräte zur Verfügung. Internes LAN vernetzt Brücke, Maschinenraum und Versorgungsstationen. Ein analoges Backup-Kurzwellensystem sichert weltweite Sprachverbindungen auch bei Störungen der Satellitenkanäle.

Besatzung und Unterbringung

Crew Complement

Der Schiffsbetrieb erfolgt durch eine zivile MSC-Crew von 26 Personen. Für militärische Einsätze erhöht sich die Mannschaftsstärke durch bis zu 500 Marinesoldaten und Logistikfachkräfte. Diese „Surge“-Kapazität ermöglicht die sofortige Entladung und Verteilung von Materialpaketen in Krisengebieten.

Unterkünfte und Versorgung

Einzel- und Doppelkabinen sind per umschaltbarem Lüftungssystem klimatisierbar. Die Messe und Freizeitbereiche bieten Selbstbedienungsstationen, Fitnessgeräte und multimediale Unterhaltung. Die Bordklinik verfügt über einen OP-tauglichen Raum, Isolationsmöglichkeiten und Telemedizin-Anbindung zu Landkrankenhäusern.

Sicherheit und Umwelttechnik

Brandschutz und Rettungsgeräte

Das Schiff ist mit einem CO₂-Löschsystem in Maschinenräumen sowie Schwerschaum-Brandbekämpfungsanlagen in den Laderäumen ausgestattet. Mobile Feuerlöscher und Brandmeldezentralen decken alle Decks ab. Rettungsinseln und ­–boote für 900 Personen gewährleisten schnelle Evakuierung im Notfall.

Umweltsysteme

Ein Ballastwasser-Behandlungssystem (BWTS) erfüllt internationale Vorgaben zur Schadstoffreduktion. Abgasnachbehandlung mit SCR-Katalysatoren vermindert NOₓ-Emissionen erheblich. Separierte Abwasser- und Müllentsorgung an Bord schützt empfindliche Meeresökosysteme und unterstützt nachhaltige Marineoperationen.

Betriebseinsatzprofil

In ihrem operativen Alltag transportiert die GySgt Fred W. Stockham gepanzerte Kampf- und Unterstützungsfahrzeuge zu Übungsgebieten und Einsatzbasen. Sie dient als logistische Drehscheibe für amphibische Landungen, unterstützt humanitäre Hilfseinsätze nach Naturkatastrophen und stellt Material für Schnellreaktionsverbände bereit. Das RORO-Design ermöglicht es, in Häfen ohne herkömmliche Hafeninfrastruktur schnelle Umschlagszeiten zu realisieren.

Modernisierungen und Upgrades

Seit der Indienststellung erhielt das Schiff mehrfach Modernisierungen: Austausch der Hauptgeneratoren gegen leistungsgesteigerte, kraftstoffeffizientere Modelle sowie Nachrüstung eines voll integrierten Automationssystems für Maschinenraum-Überwachung. Die Brücken- und Navigationssuite wurde auf digitale ECDIS-Standards gehoben und erhält regelmäßig Software-Updates zur Cyberabsicherung. Zusätzlich wurde die Rumpfstruktur mit korrosionsbeständigen Legierungen verstärkt.

Technische Daten im Überblick

Merkmal Spezifikation
Verdrängung (leer/voll) 14.200 t / 62.600 t
Länge über alles 231,6 m
Breite 32,3 m
Tiefgang (max.) 10,1 m
Antrieb 1 × 16-Zyl. Dieselmotor, 29.000 PS
Höchstgeschwindigkeit 20 kn
Generatorleistung 3 × 2.500 kW
Bugstrahlruder 1.500 PS
Ladekapazität 11.500 m Laufmeter / ≈ 7.100 m³ Fracht
Krane 4 × 35 t bei 20 m Reichweite
Besatzung 26 MSC-Zivil, bis zu 500 Militärpersonal

Aktueller Status und Ausblick

Heute operiert die USNS GySgt Fred W. Stockham in der Maritime Prepositioning Squadron Two im Pazifik, mit Heimathafen in Sasebo, Japan. Regelmäßige Wartungszyklen und Lebensdauerverlängerungsprogramme sichern ihren Einsatz bis weit in die 2040er Jahre. Künftige Upgrades werden sich auf Hybrid-Antriebstechnologien und automatisierte Frachtverwaltungssysteme fokussieren, um Effizienz und Reaktionsfähigkeit in globalen Krisen weiter zu steigern.

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