SPAD S.XX

Die SPAD S.XX ist ein französisches Jagdflugzeug aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, das auf den bewährten Konstruktionen der SPAD-Flugzeugserie aufbaute. Entwickelt wurde sie von Société Pour L’Aviation et ses Dérivés (SPAD), um die Erfahrungen aus dem Krieg zu nutzen und moderne, schnelle Einsitzer für die französische Luftwaffe bereitzustellen.

Die Entwicklung begann Ende der 1910er-Jahre, als die französische Militärführung den Bedarf für ein Jagdflugzeug meldete, das sowohl höhere Geschwindigkeiten als auch verbesserte Wendigkeit gegenüber den vorherigen Modellen SPAD S.VII und S.XIII aufweisen sollte. Der Erstflug der S.XX fand 1919 statt, kurz nach Kriegsende. Obwohl sie den Krieg nicht mehr erlebte, galt sie als wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung französischer Jagdflugzeuge und beeinflusste spätere Designs in den 1920er-Jahren.

Konstruktion und Aufbau

Die SPAD S.XX ist ein einsitziger Doppeldecker mit konventioneller Holz- und Stoffbauweise. Der Rumpf besteht aus einem Holzrahmen mit Stoffbespannung, während die Tragflächen ebenfalls aus Holz und Stoff gefertigt sind. Die obere Tragfläche ist etwas größer als die untere, was die Stabilität und den Auftrieb verbessert.

Die Steuerung erfolgt über konventionelle Seilzüge: Ein Steuerknüppel kontrolliert Querruder und Höhenruder, während Fußpedale das Seitenruder bewegen. Das Fahrwerk ist fest, mit zwei Haupträdern und einem kleinen Hecksporn ausgestattet. Die Kabine ist offen, und der Pilot sitzt zentral hinter dem oberen Tragflächenholm, was eine gute Sicht nach vorne und seitlich ermöglicht.

Die Tragflächen sind durch Streben und Drahtverspannungen verbunden. Besonderes Augenmerk lag auf der Verwindungssteifigkeit der Flügel, um präzises Steuern bei höheren Geschwindigkeiten zu ermöglichen.

Antrieb und Leistung

Die SPAD S.XX wurde von einem leistungsfähigen Reihenmotor angetrieben, der für Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit optimiert war. Typischerweise kamen französische Motoren wie der Lorraine-Dietrich 12E V12 zum Einsatz, die eine robuste Leistung bei mittlerer Drehzahl boten.

Technische Daten der SPAD S.XX:

  • Triebwerk: 1 × Lorraine-Dietrich 12E V12-Motor

  • Leistung: 300 PS (220 kW)

  • Höchstgeschwindigkeit: ca. 250 km/h

  • Reisegeschwindigkeit: ca. 220 km/h

  • Dienstgipfelhöhe: ca. 7.000 m

  • Steigleistung: ca. 6,5 m/s

  • Reichweite: etwa 500 km

  • Startstrecke: ca. 150 m

  • Landestrecke: ca. 120 m

Die Motorisierung ermöglichte der S.XX, schnell auf gegnerische Flugzeuge zu reagieren und gleichzeitig eine ausreichende Reichweite für Patrouillenflüge zu gewährleisten.

Abmessungen und Gewicht

Merkmal Wert
Spannweite 8,0 m
Länge 6,5 m
Höhe 2,6 m
Flügelfläche 20 m²
Leermasse ca. 750 kg
Maximales Startgewicht ca. 1.100 kg
Besatzung 1 Pilot

Die kompakte Bauweise in Kombination mit hoher Motorleistung sorgte für ausgezeichnete Wendigkeit und eine niedrige Flächenbelastung.

Bewaffnung und Ausrüstung

Die SPAD S.XX war als einsitziges Jagdflugzeug ausgelegt und konnte für Luftkampfzwecke bewaffnet werden. Standardmäßig waren zwei synchronisierte Vickers-Maschinengewehre eingebaut, die durch den Propellerkreis feuern konnten.

Bewaffnung:

  • 2 × 7,7 mm Vickers-Maschinengewehre, synchronisiert

  • Möglichkeit für kleine Signal- oder Leuchtbomben zur Kommunikation und Bodenunterstützung

Die Bewaffnung war auf schnelle Luftkämpfe und das Abfangen von gegnerischen Aufklärungsflugzeugen ausgelegt, was sie zu einem effektiven Jagdflugzeug für die Nachkriegszeit machte.

Flugleistungen und Handling

Die SPAD S.XX zeigte hervorragende Flugleistungen für ihre Zeit. Sie war wendig, stabil in Kurven und verfügte über eine hohe Steigrate, was schnelle Angriffe und Fluchtmanöver erleichterte. Die Steuerung war präzise, die Maschine zeigte jedoch in kritischen Manövern ein etwas harsches Abfangverhalten, weshalb Erfahrung im Flug erforderlich war.

Die Maschine war für Einsätze in mittleren Höhen optimiert und erlaubte dank ihres leistungsfähigen Motors eine gute Beschleunigung. Die Landung war aufgrund der robusten Fahrwerkskonstruktion zuverlässig, auch auf provisorischen Feldern.

Variantenübersicht

  • SPAD S.XX Standard: Ursprüngliche Version mit V12-Motor und zwei Vickers-Maschinengewehren.

  • SPAD S.XXA: Leicht modifizierte Version mit verstärkten Tragflächen und optimierter Kühlung.

  • SPAD S.XXB: Experimentelle Variante mit größerem Rumpf für verbesserte Stabilität und Trimmoptimierung.

Die Varianten unterschieden sich hauptsächlich durch Motorisierung, leichte aerodynamische Anpassungen und strukturelle Verstärkungen.

Technische Besonderheiten

Besonders hervorzuheben ist die robuste Rumpf- und Tragwerkskonstruktion der SPAD S.XX, die hohe Geschwindigkeiten bei gleichzeitiger Wendigkeit ermöglichte. Das Flugzeug profitierte von aerodynamischen Erkenntnissen aus dem Ersten Weltkrieg, insbesondere der Verwindungssteifigkeit der Tragflächen und der Synchronisierung der Maschinengewehre.

Die offene Kabine und die gute Sicht machten die S.XX ideal für Jagd- und Patrouillenaufgaben, während die leistungsfähige Motorisierung auch längere Strecken und schnelle Reaktionen im Luftkampf erlaubte.

Bedeutung und Nachwirkung

Die SPAD S.XX gilt als Bindeglied zwischen den Jagdflugzeugen des Ersten Weltkriegs und den modernen einsitzigen Jägern der 1920er-Jahre. Sie demonstrierte die Fähigkeit, hohe Geschwindigkeit, Wendigkeit und Feuerkraft in einem kompakten Einsitzer zu vereinen.

Obwohl sie nach Kriegsende nur begrenzt eingesetzt wurde, beeinflusste die S.XX die Entwicklung nachfolgender französischer Jagdflugzeuge entscheidend. Ihre Konstruktion und Leistungsmerkmale dienten als Grundlage für die Weiterentwicklung der SPAD-Serie und für andere europäische Jäger in den frühen 1920er-Jahren.

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