BMW R60/2
Die BMW R60/2 zählt zu den Ikonen der Nachkriegs-Boxer-Generation. Von 1960 bis 1969 in München gefertigt, vereint sie robuste Technik, zeitlose Ästhetik und bewährte Zuverlässigkeit. Mit ihrem 594-Kubikzentimeter-Boxermotor, der für rund 30 PS sorgt, setzte sie Maßstäbe in der 600-cm³-Klasse. In diesem Artikel stellen wir alle technischen Parameter und die wichtigsten Details der R60/2 vor.
Historischer Hintergrund
Modellfamilie und Produktionszyklus
- Einbäuer-Modell: R60 (1956–1960) mit 28 PS
- Weiterentwicklung: R60/2 (1960–1969) mit 30 PS
- Späte US-Variante: R60US (1968–1969) mit teleskopischer Gabel
Insgesamt entstanden knapp 20 200 Exemplare der R60-Familie. Die R60/2 stellte BMWs Touring-Anspruch klar heraus: komfortabel, langlebig und bereit für Gespannbetrieb.
Zeitgeist und Einsatzbereich
Konzipiert als voll alltagstaugliches Tourenmotorrad, war die R60/2 bereits ab Werk mit Befestigungen für Beiwagen versehen. Ihre Mischung aus genügsamem Verbrauch, überschaubarem Gewicht und sattem Drehmoment machte sie zum Favoriten von Langstreckenfahrern.
Design und Rahmen
Stahlrohrrahmen
Der Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr nimmt Motor und Getriebe als tragende Einheit auf. Das erhöht die Torsionssteifigkeit und ermöglicht ein überraschend agiles Handling für ein Motorrad seiner Zeit.
Karosserieteile
Tank, Schutzbleche und Seitenverkleidungen bestehen aus Stahlblech. Der Tank fasst 17 Liter, davon 2–3 Liter Reserve. Die klassische Linienführung mit sanft nach hinten abfallender Kontur verleiht der R60/2 ihren zeitlosen Charakter.
Motor und Antrieb
Boxer-Zweizylinder
- Hubraum: 594 cm³
- Bohrung × Hub: 72 × 73 mm
- Verdichtung: 7,5 : 1
- Leistung: 22,4 kW (30 PS) @ 5 800 U/min
- Drehmoment: 49 Nm @ 5 000 U/min
Die beiden Zylinder stehen quer zur Fahrtrichtung, kühlen luftge- und ölgekühlt und bieten einen charakteristischen Sound bei gleichzeitig sehr gleichmäßiger Kraftentfaltung.
Kraftübertragung
Eine Trockenkupplung mit Lamellen sorgt für direkte Kraftübernahme, das 4-Gang-Getriebe bietet praxisgerechte Gangsprünge. Der Kardanantrieb liefert Schmierfreiheit und minimalen Verschleiß – ideal für Touren und lange Intervalle zwischen Wartungen.
Fahrwerk und Bremsen
Vorderradführung
Die R60/2 nutzt eine Earles-Führung, eine Art leistungsstarke Pendelgabel mit schräg gestellten Dreieckslenkern und Öl-Druckstoßdämpfern. Diese Lösung verhindert bei starker Verzögerung das Eintauchen der Gabel und ist optimal für Gespanne geeignet.
Hinterradaufhängung
Das Hinterrad schwingt an einer langen Schwinge mit zwei außenliegenden Stoßdämpfern. Die Federrate wurde bewusst komfortabel abgestimmt, um Unebenheiten souverän auszubügeln.
Bremsanlage
- Vorder- und Hinterrad: Trommelbremsen Ø 200 mm
- Bremswirkung: ausgewogen, wartungsarm
Die großen Trommeln bieten ausreichende Verzögerung und sind leicht nachstellbar.
Elektrik und Instrumente
Bordelektrik
- Bordnetz: 6 Volt
- Zündung: Bosch-Magnetzündung
- Lichtmaschine: Dynamo hinter dem vorderen Motorgehäuse
Cockpit und Bedienung
Ein Rundinstrument vereint Tachometer und Tankstandanzeige. Neben Hauptlicht und Rücklicht finden sich nur die nötigsten Kontrollleuchten – puristisch, aber funktional.
Abmessungen und Gewichte
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Radstand | 1 445 mm |
| Sitzhöhe | 790 mm |
| Lenkerbreite | 720 mm |
| Gesamtbreite | 660 mm |
| Gesamthöhe | 1 000 mm |
| Leergewicht (fahrfertig) | 195 kg |
| Zulässiges Gesamtgewicht | 370 kg |
| Tankvolumen | 17 Liter (Reserve inkl.) |
| Verbrauch* | ca. 4,5 l/100 km |
| Höchstgeschwindigkeit | ca. 145 km/h |
*Werksangabe und Erfahrungswerte
Varianten und Sonderausstattungen
R60US
Ab 1968 mit teleskopischer Gabel und modifiziertem Schutzblechdesign. Optisch etwas schlanker, technisch aber eng verwandt.
Zubehör und OEM-Pakete
- Windschutzscheibe und dazugehöriger Halter
- Sozius- und Gepäckträgerpaket
- Spezielles Werkzeugfach unter der Sitzbank
Viele Modelle liefen ab Werk bereits in Granada-Rot, Dominica-Blau oder Standard-Schwarz.
Wartung und Pflege
Inspektionsintervalle
- Ölwechsel: alle 3 000 km
- Ventilspielkontrolle: alle 6 000 km
- Kardangehäuseöl: alle 10 000 km
Tipps für Erhalt und Restaurierung
- Original-Ersatzteile bevorzugen, um Werterhalt zu sichern
- Vergaser regelmäßig synchronisieren
- Blattfedergabel auf Rost und Risse prüfen
Eine gewissenhafte Pflege belohnt mit unverwüstlicher Zuverlässigkeit und langer Lebenserwartung.
Fazit
Mit der BMW R60/2 entstand ein Touring-Klassiker, der durch sein kraftvolles Triebwerk, den wartungsarmen Kardanantrieb und den robusten Rahmen besticht. Das Zusammenspiel aus charakterstarkem Design und praxistauglicher Technik macht sie bis heute zu einer begehrten Legende unter Liebhabern klassischer Motorräder.