BMW R12 (1935)

BMW R12 (1935)

Die BMW R12 von 1935 zählt zu den wegweisenden Vorkriegsmodellen der Bayerischen Motoren Werke.

Als erstes Serienmotorrad mit hydraulisch gedämpfter Teleskopgabel setzte sie Maßstäbe in puncto Fahrkomfort und Zuverlässigkeit.

Mit ihrem robusten Zwei­zylinder-Boxer, kardangetriebenem Hinterrad und bewährtem Pressstahlrahmen spricht die R12 nicht nur Historiker, sondern auch Liebhaber klassischer Technik an.

Historischer Hintergrund

1935 präsentierte BMW auf der Automobilausstellung in Berlin die R12 als Nachfolger der R11.

Während die R11 noch mit Blattfedergabel ausgerüstet war, brachte die R12 erstmals eine Teleskop­gabel mit Öl­dämpfung in Serie.

Bis zum Ende der Produktion 1942 verließen über 36 000 Exemplare das Werk in München und prägten das Bild klassischer Seitenventiler-Boxer.

Design und Rahmen

Karosserie und Ergonomie

Die R12 trägt einen schlanken Tropfentank, der eine aufrechte Sitzposition ermöglicht und das geringe Eigengewicht unterstreicht.

Der Sattel mit Leder­federkonstruktion dämpft Fahrbahnunebenheiten und bietet auch auf längeren Touren ausreichend Komfort.

Gestänge­lenker und schmale Fußrasten fördern direkten Kontakt zum Fahrzeug und sichere Kontrolle in jeder Fahrsituation.

Rahmen und Vorderradführung

Der Pressstahl-Doppelschleifen­rahmen bindet den Motor als tragendes Element ein und sorgt für hohe Torsionssteifigkeit.

Vorn dämpft die erstmals in Serie verbaute, hydraulisch gedämpfte Teleskopgabel Stöße mit 88 mm Federweg.

Dieser Durchbruch ersetzte die starre Blattfeder­schwinge und legte den Grundstein moderner Motorrad­fahrwerke.

Motor und Antrieb

Boxer-Zweizylinder-Motor

Im Herzen der R12 arbeitet ein luftgekühlter Zweizylinder-Boxer mit stehenden Ventilen (SV) und 745 cm³ Hubraum.

Bohrung und Hub messen je 78 mm und ergeben ein rundes, vibrationsarmes Laufrundbild.

Das Verdichtungsverhältnis von etwa 5,2 : 1 erlaubt den Betrieb mit der damaligen Benzin­qualität und sichert ein sanftes Ansprechverhalten.

Kraftstoffversorgung und Zündung

Serienmäßig ist die R12 mit zwei Amal-Vergasern ausgestattet, die für 20 PS bei 4 000 U/min sorgen.

Alternativ lieferte BMW eine Einvergaser­version mit SUM-Vergaser und 18 PS bei 3 400 U/min.

Die Zündung erfolgt in der Standard­ausführung über Magneto, in der Batterie­ausführung mit Batteriezündung und Bosch-Generator.

Getriebe und Endantrieb

An das Motor­kurbelgehäuse schließt sich ein klauengeschaltetes Vier­gang­getriebe an, das per Hand­schaltung am Tank bedient wird.

Die Kraft gelangt über eine robuste Kardan­welle zum starr gelagerten Hinterrad und gewährleistet wartungsfreies Fahrvergnügen ohne Kettenpflege.

Fahrwerk und Bremsen

Vorderradführung

Die neue Teleskop­gabel mit hydraulischer Dämpfung erhöhte den Fahrkomfort deutlich und verbesserte die Spurstabilität bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten.

Einfach gehaltene Gleitlager und wartungsfreundliche Öl­dichtungen erleichtern den Service auch heute noch.

Hinterrad und Federung

Der hintere Übertragungs­sitz bleibt starr, während der leder­gefederten Sattelstütze ein Teil der Federung zukommt.

Das reduziert komplexe Mechanik und hält Gewicht sowie Wartungsaufwand auf einem Minimum.

Bremsanlage

Beide Räder verzögern über 200 mm große Trommelbremsen mit innen liegenden Bremsbacken.

Die Hinterradbremse sitzt unmittelbar am Getriebeausgang und ermöglicht direkte Kraftübertragung auf den Antriebstrang.

Leistung und Fahrverhalten

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 120 km/h meistert die R12 gemütliche Langstrecken ebenso souverän wie flotte Ausfahrten auf Landstraßen.

Das maximale Drehmoment fällt bereits bei niedrigen 2 500 U/min an und macht das Motorrad leicht handhabbar.

Dank des niedrigen Schwerpunkts und des geringen Trockengewichts von etwa 162 kg lässt sich die R12 agil um Kurven dirigieren.

Wartung und Pflege

Regelmäßige Kontrolle und Wechsel von Motoröl alle 1 000 km sichern Langlebigkeit und Zuverlässigkeit.

Die Vergaser­bedüsung und Zünd­einstellung sollten alle 3 000 km abgestimmt werden, um optimales Laufverhalten zu gewährleisten.

Trommelbremsen verlangen gelegentlichen Nachstell­service, und die Gabelöl­dichtungen profitieren von frischer Dichtung und neuem Hydrauliköl etwa alle 10 000 km.

Technische Daten im Überblick

Parameter Spezifikation
Produktionszeitraum 1935–1942
Motorbauart Luftgekühlter Zweizylinder-Boxer, SV
Hubraum 745 cm³
Bohrung × Hub 78 mm × 78 mm
Verdichtungsverhältnis 5,2 : 1
Leistung 20 PS bei 4 000 U/min (Doppelvergaser)
Alternative Leistung 18 PS bei 3 400 U/min (Einvergaser)
Getriebe Klauengeschaltetes 4-Gang-Handschaltgetriebe
Endantrieb Kardanantrieb
Rahmen Pressstahl-Doppelschleifenrahmen
Federung vorne Hydraulisch gedämpfte Teleskopgabel (88 mm)
Federung hinten Starr mit ledergefedertem Sattel
Bremsen vorne 200 mm Trommelbremse
Bremsen hinten 200 mm Trommelbremse am Getriebeausgang
Höchstgeschwindigkeit ca. 120 km/h
Trockengewicht 162 kg
Tankinhalt 14 Liter
Sitzhöhe 780 mm

Fazit

Die BMW R12 von 1935 vereint technische Innovation mit zeitloser Ästhetik und legt den Grundstein für moderne Motorrad­fahrwerke.

Ihr behäbig-souveränes Fahrverhalten, gepaart mit wartungsarmen Kardanantrieb und robustem Pressstahlrahmen, macht sie heute zu einem begehrten Klassiker.

Für Liebhaber historischer Technik bleibt die R12 ein eindrucksvolles Beispiel deutscher Ingenieurskunst der 1930er Jahre.

BMW motorbike R 12 (aka)