Die Blériot-SPAD S.46 ist ein französisches Passagierflugzeug der 1920er-Jahre, das auf den Erfahrungen mit der S.33 und S.34 aufbaute. Sie wurde von Blériot Aéronautique entwickelt, um die wachsende Nachfrage nach kommerziellen Passagierflügen zu bedienen. Ziel war es, ein robustes, sicheres und leistungsfähiges Flugzeug für Kurz- und Mittelstrecken zu schaffen, das sowohl für Fluggesellschaften als auch für private Betreiber geeignet war.
Die S.46 entstand Anfang der 1920er-Jahre, wobei der Erstflug 1923 erfolgte. Das Flugzeug wurde vor allem für den zivilen Luftverkehr innerhalb Frankreichs und in europäischen Nachbarstaaten eingesetzt. Die Konstruktion orientierte sich an den bewährten Hochdeckern der SPAD-Reihe und kombinierte diese mit moderner Passagierkabinenarchitektur, um Komfort, Sicherheit und Reichweite zu erhöhen.
Konstruktion und Aufbau
Die Blériot-SPAD S.46 ist ein einmotoriger Hochdecker in gemischter Holz- und Stoffbauweise. Der Rumpf besteht aus einem Holzrahmen, teilweise mit Sperrholz verstärkt und mit Stoff bespannt, was eine stabile, aber leichte Struktur ermöglicht. Das Flugzeug ist für fünf bis sieben Passagiere ausgelegt, wobei die Kabine vollständig geschlossen ist, um Wetterschutz und Komfort zu gewährleisten.
Die Tragflächen bestehen aus Holz und sind mit Stoff bespannt. Sie sind als Hochdecker am oberen Rumpf montiert, was eine gute Sicht für Piloten und Passagiere erlaubt und gleichzeitig die Stabilität in der Luft erhöht. Die Tragflächen werden durch Streben und Drahtverspannungen stabilisiert. Das Fahrwerk ist fest, mit zwei Haupträdern und einem Hecksporn ausgestattet.
Der Pilot sitzt in einem offenen Cockpit vor der Passagierkabine, was eine optimale Sicht für Start, Landung und Navigation ermöglicht. Die Steuerung erfolgt über konventionelle Seilzüge: ein Steuerknüppel für Querruder und Höhenruder, Pedale für das Seitenruder.
Antrieb und Leistung
Die S.46 wurde typischerweise mit einem leistungsstarken V12-Motor ausgestattet. Häufig verwendete Triebwerke waren der Lorraine-Dietrich 12Eb oder Renault 12Fe, die jeweils 300 bis 350 PS leisteten. Diese Motorisierung gewährleistete ausreichende Geschwindigkeit, Tragfähigkeit und Reichweite für den kommerziellen Einsatz.
Technische Daten der Blériot-SPAD S.46:
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Triebwerk: 1 × Lorraine-Dietrich 12Eb V12-Motor
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Leistung: 350 PS (257 kW)
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Höchstgeschwindigkeit: ca. 180 km/h
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Reisegeschwindigkeit: ca. 160 km/h
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Dienstgipfelhöhe: ca. 5.000 m
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Steigleistung: ca. 5,0 m/s
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Reichweite: ca. 650 km
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Startstrecke: ca. 250 m
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Landestrecke: ca. 230 m
Die hohe Motorleistung ermöglichte sichere Flüge auch bei voller Passagierkapazität und machte das Flugzeug für kommerzielle Betreiber attraktiv, da es kurze und mittlere Strecken effizient bedienen konnte.
Abmessungen und Gewicht
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Spannweite | 19,0 m |
| Länge | 11,8 m |
| Höhe | 4,1 m |
| Flügelfläche | 62 m² |
| Leermasse | ca. 1.300 kg |
| Maximales Startgewicht | ca. 2.200 kg |
| Besatzung | 1 Pilot |
| Passagierkapazität | 5–7 Personen |
Die großzügigen Abmessungen der Tragflächen und die moderate Flächenbelastung sorgen für stabile Flugeigenschaften und erlauben sichere Starts und Landungen, selbst auf provisorischen Flugplätzen.
Kabine und Avionik
Die Passagierkabine ist vollständig geschlossen und mit Fenstern ausgestattet, um gute Sicht und Belüftung zu gewährleisten. Die Sitze sind funktional und bieten ausreichend Platz für Passagiere und leichtes Gepäck. Die Kabine war für den kommerziellen Luftverkehr der 1920er-Jahre komfortabel ausgelegt.
Die Avionik umfasst mechanische Instrumente für Geschwindigkeit, Höhe, Steig- und Sinkgeschwindigkeit sowie Motoranzeigen. Navigation erfolgte vorwiegend über Sichtflug und Kartenlesen. In späteren Einsätzen wurden einfache Funkgeräte zur Kommunikation mit Bodenstationen eingesetzt.
Flugleistungen und Handling
Die S.46 bietet stabiles und vorhersehbares Flugverhalten. Sie ist einfach zu steuern, zeigt eine geringe Neigung zu Strömungsabrissen und eignet sich für erfahrene wie weniger erfahrene Piloten. Die Maschine kann Passagiere sicher über mittlere Strecken transportieren und zeigt selbst bei turbulenten Wetterbedingungen eine hohe Stabilität.
Die zwei Steuerachsen und das präzise Ansprechverhalten der Ruder ermöglichen sanfte Kurven, sichere Landungen und zuverlässige Starts auf unbefestigten oder kurzen Pisten.
Variantenübersicht
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Blériot-SPAD S.46 Standard: Basismodell für kommerzielle Kurz- und Mittelstreckenflüge mit Lorraine-Dietrich-Motor.
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S.46bis: Version mit leicht verstärktem Rumpf und optimierter Kabinenanordnung für höhere Passagierkapazität.
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S.46C: Variante mit kleinerer Kabine und reduzierter Tragfläche für schnellere Flüge bei geringerer Beladung.
Die Varianten unterschieden sich hauptsächlich durch Motorisierung, Kabinenkapazität und leichte aerodynamische Anpassungen zur Effizienzsteigerung.
Technische Besonderheiten
Die Blériot-SPAD S.46 zeichnet sich durch ihre Hochdeckerbauweise, robuste Holz- und Stoffstruktur sowie den leistungsfähigen V12-Motor aus. Das Flugzeug ermöglicht sichere Flüge bei voller Beladung und bietet Passagieren Komfort durch eine geschlossene Kabine.
Die moderate Flächenbelastung und das stabile Flugverhalten machten das Flugzeug besonders zuverlässig für den kommerziellen Einsatz. Die Konstruktion erlaubte zudem einfache Wartung und Reparaturen, was für Fluggesellschaften von großem Vorteil war.
Bedeutung und Nachwirkung
Die Blériot-SPAD S.46 gilt als eines der wichtigsten französischen Passagierflugzeuge der 1920er-Jahre. Sie trug wesentlich zur Etablierung regelmäßiger kommerzieller Luftverkehrsstrecken in Frankreich und Europa bei.
Durch die Kombination von Leistungsfähigkeit, Stabilität und Komfort zeigte die S.46, dass kommerzielle Luftfahrt nicht nur theoretisch, sondern praktisch und wirtschaftlich umsetzbar war. Die Maschine beeinflusste die Entwicklung späterer Kurzstreckenflugzeuge und war ein bedeutender Schritt in der Evolution zivilen Flugverkehrs in der Zwischenkriegszeit.