BMW R69S

BMW R69S

Die BMW R69S gehört zur Legende der bayerischen Motorradfertigung der 1960er Jahre. Als sportliche Variante des Grundmodells R69 bot sie von Anfang an eine außergewöhnliche Performance gepaart mit einer kompromisslosen Verarbeitungsqualität. Zwischen 1960 und 1969 entstanden rund 6 500 Exemplare dieses luftgekühlten Zweizylinder-Boxers, die bis heute Sammlerherzen höherschlagen lassen.

Historische Entwicklung

Vorgeschichte und Modellfamilie

Ausgangspunkt war die BMW R50, die ab 1955 im Doppelschleifenrohrrahmen zunächst mit Girder-Vorderradführung und ab 1956 mit hydraulischem Lenkungsdämpfer ausgeliefert wurde. 1960 erhielten sowohl die R50 als auch die schwerere R60 eine S-Version mit gesteigerter Leistung und strafferen Fahrwerkskomponenten.

Serie und Modellpflege

Die R69S löste 1960 das 35-PS-Modell R69 ab und verblieb neun Jahre im Programm. Nach anfänglichen Motorproblemen führte BMW 1963 den Torsionsschwingungsdämpfer am Kurbelwellenvorderende ein. Erkennbar blieb er als charakteristische “Beule” im Gehäusedeckel. Parallel dazu optimierte das Werk die Vergasereinheit und bot ab Werk eine 24-Liter-Tankversion für Langstrecken an.

Motor und Antrieb

Triebwerk

Die R69S setzt auf einen quer eingebauten luftgekühlten Zweizylinder-Boxermotor mit 594 cm³ Hubraum (Bohrung × Hub 72 × 73 mm). Die Verdichtung liegt serienmäßig bei 9,5 : 1. Mit dem Bing-Vergaser Ø 26 mm, der mechanischen Benzinpumpe und der Bosch-Magnetzündung erreicht der Motor 42 PS (31 kW) bei 7 000 U/min und ein maximales Drehmoment von 42 Nm bei 5 500 U/min. Die drehfreudige Auslegung ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 175 km/h.

Getriebe und Endantrieb

  • Einscheiben-Trockenkupplung, seilzugbetätigt
  • 4-Gang-Handschaltung mit Fußschaltung
  • Kardanantrieb mit parallelogrammgeführtem Paralever

Diese Kombination sichert präzise Schaltvorgänge und einen wartungsarmen Kraftschluss zur Hinterradnabe.

Fahrwerk und Bremsen

Rahmen und Frontpartie

Der geschweißte Doppelschleifenrohrrahmen nimmt Motor und Getriebe als tragende Einheit auf. Zur Serienausstattung gehörte ein hydraulischer Lenkungsdämpfer. Ab Werk gab es wahlweise die klassische Girder-Gabel oder, vor allem in Exportmärkten, eine Teleskopgabel mit rund 120 mm Federweg.

Hinterradaufhängung

Das Hinterrad hängt an einer langarmigen Schwinge mit zwei außenliegenden Federbeinen und Öldruckstoßdämpfern. Der Federweg beträgt etwa 90 mm und sorgt für stabilen Geradeauslauf sowie komfortable Rückfederung.

Bremsanlage

  • Vorderradbremse: Trommelbremse Ø 200 mm, Duplex-Vollnabe
  • Hinterradbremse: Trommelbremse Ø 200 mm, Simplex-Vollnabe

Die großdimensionierten Trommeln liefern ausgewogene Verzögerung und erweisen sich auch im Sportbetrieb als ausreichend.

Elektrik und Instrumentierung

Die 6-Volt-Bordnetzversorgung speist Dynamo und Batterie. Ein Rundinstrument im Aluminiumgehäuse kombiniert Tachometer, Kilometerzähler und Tankanzeige. Neben Hauptlicht und Rücklicht finden sich nur die nötigsten Kontrolllampen für Öl, Licht und Ladung – puristische Klarheit ohne Schnickschnack.

Technische Daten im Überblick

Parameter Spezifikation
Bauzeit 1960–1969
Stückzahl ca. 6 500 Exemplare
Hubraum 594 cm³
Bohrung × Hub 72 × 73 mm
Verdichtung 9,5 : 1
Leistung 31 kW (42 PS) @ 7 000 U/min
Drehmoment 42 Nm @ 5 500 U/min
Höchstgeschwindigkeit bis 175 km/h
Kupplung Einscheiben-Trockenkupplung
Getriebe 4-Gang Handschaltung, Fußschaltung
Endantrieb Kardanantrieb (Paralever)
Rahmen Stahlrohr-Doppelschleifenrahmen
Federung vorne Girder-Gabel oder Teleskopgabel
Federung hinten Langarmschwinge, 2 Stoßdämpfer
Federweg vorne ca. 120 mm (Teleskop)
Federweg hinten ca. 90 mm
Bremsen vorne Trommel Ø 200 mm, Duplex
Bremsen hinten Trommel Ø 200 mm, Simplex
Tankvolumen 17 Liter (optional 24 Liter)
Verbrauch ca. 5,0 l/100 km
Leergewicht (trocken) ca. 198 kg
Sitzhöhe 740 mm
Radstand 1 415 mm
Rahmenmaße Länge 2 125 mm; Breite 722 mm; Höhe 980 mm

Die BMW R69S bleibt ein Meilenstein in puncto Technikbezug und sportlicher Abstimmung. Sie verbindet souveräne Langstreckeneigenschaften mit dem puren Charakter eines ernsthaften Sportmotorrads und fasziniert dadurch bis heute Enthusiasten klassischer BMW-Boxer.

1967 BMW R69S