BMW R68
Die BMW R68 zählt zu den faszinierendsten Sporttourern der frühen 1950er Jahre. Zwischen 1952 und 1954 entstanden nur 1 452 Exemplare dieses Hochleistungsmodells, das als erstes deutsches Serienmotorrad offiziell die 100-Meilen-Grenze (ca. 160 km/h) knackte. Mit ihrem 594-Kubikzentimeter-Big-Boxer, dem schlanken Stahlrohrrahmen und der puristischen Zweifarblackierung verkörpert die R68 Motorsport-Feeling und klassische Eleganz in einem.
Historischer Hintergrund
Entwicklungsziele und Ausgangsbasis
Nach dem Erfolg der R67/2 wollten die BMW-Ingenieure ein stärker motorisiertes Modell schaffen, das die Rallye-Erfahrung der Werksmannschaften spiegelt. Der kernige Boxer erhielt stärkere Kolben, eine höher verdichtete Kurbelgehäusekammer und neue Ansaugläufe, um das Leistungspotenzial von rund 35 PS zu erreichen.
Produktionschronik und Facelifts
- 1952 (Serienstart): Vorstellung der R68 auf der Frankfurter IFMA; kleines vorderes Schutzblech mit Versteifungsbügel, frühe Vollnabenräder
- 1953 (Modellpflege): Einführung von Knecht-Luftfilter, zusätzlicher Seitenwagenanschluss, Gummimanschetten an der Gabel
- 1954 (Endausführung): Umstellung auf Leichtmetall-Felgen mit Vollnabenrädern, neuer „Torpedo“-Auspuffschalldämpfer, feine Zierstreifen und Aluminium-Sitzbrücke
Konstruktion und Rahmen
Rahmenbau
Der Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr nimmt Motor und Getriebe als tragende Einheit auf. Diese Konstruktion reduziert Gewicht und verleiht der R68 präzise Lenkcharakteristik. Aufnahmen für Seitenwagen und Gepäckträger waren ab Werk bereits integriert.
Frontansicht und Karosserie
Der 17-Liter-Tank mit dezent gewölbten Seitenflächen und die abfallende Heckpartie erzeugen eine sportlich-elegante Silhouette. Kotflügel und Scheinwerfergehäuse bestehen aus Stahlblech und tragen die klassische Zweifarblackierung mit filigranen Zierlinien.
Motor und Antrieb
Zweizylinder-Boxermotor
Der luftgekühlte Boxer hat einen Hubraum von 594 cm³ (72 mm × 73 mm) bei einer Verdichtung von 8,1 : 1. Er erreicht eine Spitzenleistung von 26 kW (35 PS) bei 7 000 U/min und liefert eine Höchstgeschwindigkeit von rund 159 km/h. Die hängenden Ventile werden über Stoßstangen und Kipphebel betätigt, die Nockenwelle sitzt in einem Ölbad-Zahnradsatz.
Kraftübertragung
- Kupplung: Einscheiben-Trockenkupplung mit Tellerfeder
- Getriebe: 4-Gang-Handschaltung, Fußschaltung
- Endantrieb: Kardanantrieb mit verschleißarmem Paralever
- Vergaser: Bing 26 mm mit mechanischer Benzinpumpe
Fahrwerk und Bremsen
Vorderradführung
Eine hydraulisch gedämpfte Teleskopgabel sorgt mit etwa 80 mm Federweg für direkte Lenkansprache und ausreichend Komfort. Gummimanschetten schützen die Standrohre gegen Schmutz.
Hinterradaufhängung
Das Hinterrad schwingt in einem Plunger-System mit zwei außenliegenden Stoßdämpfern. Mit rund 60 mm Federweg und einem speziellen Rennsattel erreichen Fahrer und Sozius ausreichend Restfederung.
Bremsanlage
- Vorderbremse: Duplex-Trommelbremse, Ø 200 mm
- Hinterbremse: Simplex-Trommelbremse, Ø 200 mm
Diese Trommelbremsen liefern ausgewogene Verzögerung und lassen sich unkompliziert nachstellen.
Elektrik und Instrumentierung
Bordelektrik
Die 6-Volt-Anlage besteht aus Dynamo und Batterie. Eine Bosch-Magnetzündung versorgt den Motor, während Licht und Instrumente über die Lichtmaschine gespeist werden.
Cockpit und Bedienung
Ein einzelnes Rundinstrument kombiniert Tachometer und Tankanzeige. Neben Haupt- und Rücklicht gibt es nur die nötigsten Kontrolllämpchen – puristisches Design trifft auf funktionale Reduktion.
Technische Daten im Überblick
| Parameter | Spezifikation |
|---|---|
| Bauzeit | 1952–1954 |
| Stückzahl | 1 452 Exemplare |
| Hubraum | 594 cm³ |
| Bohrung × Hub | 72 mm × 73 mm |
| Verdichtung | 8,1 : 1 |
| Leistung | 26 kW (35 PS) @ 7 000 U/min |
| Höchstgeschwindigkeit | ca. 159 km/h |
| Kupplung | Einscheiben-Trockenkupplung |
| Getriebe | 4-Gang Handschaltung, Fußschaltung |
| Endantrieb | Kardanantrieb |
| Rahmen | Stahlrohr-Doppelschleifenrahmen |
| Federung vorne | Hydraulisch gedämpfte Teleskopgabel |
| Federung hinten | Plunger-Schwinge, 2 Stoßdämpfer |
| Bremsen vorne | Trommel, Ø 200 mm, Duplex |
| Bremsen hinten | Trommel, Ø 200 mm, Simplex |
| Tankvolumen | 17 Liter |
| Verbrauch | ca. 4,6 l/100 km |
| Leergewicht (trocken) | ca. 190 kg |
| Sitzhöhe | 780 mm |
| Radstand | 1 400 mm |
Wartung und Pflege
Regelmäßige Inspektionen
- Ölwechsel: alle 1 000 km
- Ventilspielkontrolle: alle 3 000 km
- Vergasereinstellung: nach Saisonende
Langzeitpflege
Originalteile und periodische Nachschmierung von Kardangelenk sowie Plunger-Schwinge erhalten den Werterhalt. Ein sauberer Luftfilter und frisches Motoröl garantieren lebenslange Zuverlässigkeit.
Fazit
Die BMW R68 ist ein Meilenstein deutscher Motorradtechnik: Sie vereint handwerkliche Präzision, renntaugliche Performance und zeitlose Eleganz. Mit ihrem kraftvollen Boxer, dem agilen Fahrwerk und den feinen Details bleibt sie bis heute ein Traum für Sammler und Enthusiasten klassischer Motorräder.