USNS Marie Tharp (T-AGS-66)

USNS Marie Tharp (T-AGS-66)

Die USNS Marie Tharp (T-AGS-66) ist ein ozeanographisches Vermessungsschiff der Pathfinder-Klasse, betrieben vom Military Sealift Command. Sie dient der Durchführung hochpräziser Tiefseevermessungen, Meeresbodenkartierung und ozeanographischer Forschung. Ausgestattet mit modernster Sensorik und automatisierten Systemen ermöglicht sie detaillierte Analysen maritimer Umgebungen. Ihre Vielseitigkeit reicht von hydrographischen Studien bis zur Unterstützung von Unterwasserrobotik. Die Marie Tharp leistet einen zentralen Beitrag zur Geowissenschaft und zur Sicherheit der Schifffahrtsrouten.

Entwicklung und Baugeschichte

Konzept und Auftrag

In den späten 1980er-Jahren entstand der Bedarf an spezialisierten Ozeanographieschiffen für die US-Navy und zivile Forschungseinrichtungen. Die Pathfinder-Klasse wurde konzipiert, um umfangreiche Tonnen an Sensorik, Laborausrüstung und Probenahmegeräten zu transportieren. Automatisierung stand im Mittelpunkt, um Personalkosten zu senken und gleichzeitig Forschungszeiten at sea zu maximieren. Die Marie Tharp repräsentiert das zweite Schiff dieser Klasse und trägt den Namen einer Pionierin der Meereskartografie.

Stapellauf und Indienststellung

Die Kiellegung erfolgte am 12. April 1991 bei Avondale Industries in New Orleans. Nach dem Stapellauf am 17. Oktober 1992 durchlief das Schiff umfassende Erprobungsfahrten im Golf von Mexiko. Am 15. Juni 1993 wurde die Marie Tharp offiziell in Dienst gestellt und dem Military Sealift Command übergeben. Seitdem hat sie weltweit Ozeanographiemissionen in Atlantik, Pazifik und Indischem Ozean unterstützt.

Design und Rumpfstruktur

Abmessungen und Verdrängung

  • Länge über alles: 93,7 Meter
  • Breite: 19,5 Meter
  • Tiefgang: 5,0 Meter
  • Verdrängung bei voller Ladung: ca. 5.600 Tonnen

Rumpfmaterial und Stabilisierung

Der Stahlrumpf verfügt über ein Doppelspant-Design zur Minimierung von Vibrationen und Geräuschentwicklung. Mehrere Ballasttanks ermöglichen präzises Trim- und Krängungsmanagement. Vier aktive Stabilisatoren reduzieren Rollbewegungen erheblich und schaffen eine ruhige Plattform für empfindliche Messgeräte.

Antrieb und Energieversorgung

Diesel-Elektrisches System

Die Hauptantriebsanlage besteht aus drei Dieselmotor-Generator-Einheiten mit je 2.880 kW Leistung. Über Gleichrichter versorgen sie zwei Elektromotoren mit je 2.500 kW, die die Festpropeller antreiben. Drei Notstromaggregate sichern Bordverbrauch und Sensorik im Ausfallfall ab.

Geschwindigkeit und Reichweite

  • Höchstgeschwindigkeit: 12 Knoten
  • Ökonomische Fahrt: 10 Knoten
  • Aktionsradius: 10.000 Seemeilen bei 10 Knoten

Dynamische Positionierung

Ein DP-1-System mit Fünf-Achs-Sensoren ermöglicht stationäres Halten über interessanten Vermessungsgebieten. GPS-gestützte Trägheitsnavigation korrigiert Drift und Windversetzung automatisch.

Forschungs- und Vermessungsausrüstung

Echolote und Sonarsysteme

Die Marie Tharp ist mit einem hull-mounted Multibeam-Echolot (K-Band) und einem towed Side-Scan-Sonar ausgestattet. Das Multibeam-System liefert swath-förmige Tiefenprofile bis 12 km Wassertiefe. Side-Scan-Sonar erzeugt hochauflösende Bilder des Meeresbodens und Detektion von Objekten.

Ozeanographische Sensoren

Zusätzlich messen CTD-Sonden Druck, Temperatur und Salzgehalt bis in große Tiefen. Akustische Strömungsmesser liefern Daten zur Meeresströmung in diversen Tiefenschichten. Ein LIDAR-System ergänzt Profilmessungen in flachen Küstenzonen.

Probenahme-Equipment

Das Schiff führt Sediment-Kernnehmer, Multicorer und Van-Veen-Probenahmegeräte mit. Wasserproben werden in Niskin-Flaschen bis in 6.000 m Tiefe gewonnen. Automatische Partikelzähler und Filterstationen an Bord ermöglichen unmittelbare Probenvorbereitung.

Labore und Datenverarbeitung

Nass- und Trockenlabor

Ein 60 m² großes Nasslabor dient der unmittelbaren Aufbereitung von Meeresproben. Das angrenzende Trockenlabor ist mit Spektrometern, Mikroskopen und chemischen Analysegeräten ausgestattet. Reinraum-ähnliche Bedingungen erlauben Kontaminationskontrolle bei Proben für Isotopenanalysen.

Datenanalyse und Archivierung

Ein High-Performance-Cluster verarbeitet Echosounder- und Sonardaten in Echtzeit. Grafische Workstations visualisieren Bathymetrie, Sedimentprofile und Strömungsfelder. Ein redundantes Archivsystem mit LTO-8-Backup sichert langfristige Datenbestände.

Navigation und Kommunikation

Navigationssysteme

X-Band- und S-Band-Radar gewährleisten Kollisionswarnung und Navigation bei schlechter Sicht. Ein dual-redundantes GPS-Modul und eine Trägheitsnavigationsplattform sichern Positionsbestimmung mit 0,5 m Genauigkeit. Dynamic Look-around-Sonar unterstützt die Hindernisdetektion.

Kommunikationsnetzwerke

Für den Datenaustausch mit Landstationen stehen Inmarsat-C, VSAT und C-Band-Satellitenkommunikation bereit. HF-, VHF- und UHF-Funkgeräte erlauben Betriebs- und Sicherheitsfunk. Ein internes LAN vernetzt alle Labor- und Brückenkonsolen.

Decks- und Unterstützungsanlagen

Kräne und A-Frame

Ein 20-t-Kran auf dem achteren Deck installiert hydraulisch gesteuerte Sonarkörper und Proben­ausleger. Ein sternseitiges A-Frame mit 5 t Hubkapazität dient der Ausbringung von Towed-Arrays und Bojen. Zusätzliche Ladebühnen an Bordseiten erleichtern die Versorgung im Auslandshafen.

Beiboote und ROV-Handling

Zwei 7 m lange, hochstabile Schlauchboote ermöglichen Inspektionsfahrten und inshore surveys. Ein Hydraulikschwenkarm kann kleine ROVs (bis 500 kg) aussetzen und bergen. Deckinstallationen für pelagische Drop-Weights und Bojen stehen ebenfalls zur Verfügung.

Crew, Unterbringung und Sicherheit

Besatzung und Forschungsstaff

An Bord befinden sich 24 zivile MSC-Crewmitglieder, ergänzt durch bis zu 30 Wissenschaftler und Techniker. Ein Team von ROV- und Towed-Array-Operatoren arbeitet in der Combat Information Center-ähnlichen Sensorstation.

Unterkünfte und Komfort

Der Wohnbereich bietet Einzel- und Doppelkabinen mit eigenem Sanitärbereich. Gemeinschaftsräume umfassen Messe, Lounge und Fitnessbereich. Das Bordhospital verfügt über Telemedizin-Ausstattung für Notfälle.

Sicherheits- und Umwelttechnik

Ein umfassendes Brandschutzsystem mit Schaum- und CO₂-Löschanlagen deckt Maschinen- und Laborräume ab. Ballastwasserbehandlung nach IMO-Standards schützt die Meeresökologie. Ölsperren und Abfalltrennsysteme minimieren Umweltbelastungen.

Modernisierungen und Upgrades

Seit Indienststellung erhielt die Marie Tharp mehrere Technologiepakete:

  • Austausch der Mainframes gegen virtuelle Server im Datenzentrum
  • Integration hochauflösender Chirp-Sonar-Module
  • Erweiterung der DP-Software für Präzisionsstationierung
  • Nachrüstung von Lithium-Ionen-Speichern zur Netzdämpfung bei Lastschwankungen

Operatives Einsatzprofil und Ausblick

Die USNS Marie Tharp unterstützt aktuelle Forschungsprogramme zur Tiefseeforschung im Atlantik, Pazifik und Arktis. Zukünftige Projekte sehen autonomous Underwater Vehicles und KI-gestützte Echtzeitdatenanalyse vor. Damit bleibt sie ein Kernbestandteil ozeanographischer Missionen und globaler Seeüberwachung.

USNS Maury (T-AGS-66) pulls into Naval Station Norfolk on 2 November (2017171102-N-OH262-867)