Harley-Davidson WLA
Der Harley-Davidson WLA ist das wohl berühmteste Militärmotorrad der Marke und steht symbolisch für den Einsatz amerikanischer Truppen im Zweiten Weltkrieg. Ab 1940 bis 1952 rollten über 90.000 Maschinen für die US-Armee vom Band, bevor sie nach dem Krieg als Militärüberschuss günstige Gebrauchtmotorräder wurden. Die Bezeichnung „WLA“ setzt sich zusammen aus „W“ für die Baureihe mit 45-cubic-inch-Flathead-Motor, „L“ für den Hochverdichtungszylinderkopf und „A“ für Army. Trotz einfacher Technik erwies sich der WLA im harten Feldalltag als extrem zuverlässig und leicht wartbar.
Entwicklung und Produktion
Vorgänger und erste WL-Modelle
Bereits ab 1937 fertigte Harley-Davidson die zivilen WL-Modelle mit 740 cm³ Flathead-V-Twin, um die Lücke zwischen den leichten Einzylindern und den schweren V-Twins zu schließen. Diese Vierzylinderseiteventil-Motoren überzeugten durch Laufruhe und niedrige Drehzahl, waren aber für militärische Einsätze noch nicht optimiert. Die US-Army testete daraufhin verschiedene WL-Varianten und entschied sich für eine speziell angepasste Version.
Militärische Anforderungen und Lend-Lease
Für den Feldbetrieb verlangte das US-Kriegsmaterialamt robuste Schutzbleche ohne Seitenkanten, eine tiefe Bodenfreiheit für Furten bis zu 40 cm und eine Zündung, die mit minderwertigem Kraftstoff klarkommt. Ab 1940 folgte die Großserie des WLA, ausgeliefert in Olivgrün mit mattem Finish, Blackout-Beleuchtung und Montagemöglichkeiten für Gewehrscheide, Werkzeugbox und Gepäckträger. Über den Lend-Lease-Act gingen Zehntausende Einheiten an Verbündete, darunter die Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich.
Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Spezifikation |
|---|---|
| Motor | Luftgekühlter V-Twin, Flathead |
| Hubraum | 740 cm³ |
| Bohrung × Hub | 70 mm × 97 mm |
| Verdichtung | 5,0 : 1 |
| Leistung | 19 kW (26 PS) bei 4.500 U/min |
| Höchstgeschwindigkeit | 105 km/h |
| Getriebe | 3-Gang, Hand- oder Fußschaltung |
| Antrieb | Kette |
| Rahmen | Stahlrohr-Single-Downtube |
| Federung vorn | Springer-Gabel |
| Federung hinten | Starr |
| Bremsen | Trommelbremsen vorn & hinten |
| Tankinhalt | 12,8 Liter |
| Leergewicht (fahrfertig) | 288 kg |
| Radstand | 1.460 mm |
Motor, Kraftstoff- und Kühlsystem
Der Zylinderblock des WLA besteht aus Grauguss mit weitreichenden Kühlrippen, die das Luftkühlsystem effektiv unterstützen. Die Verdichtung von 5,0 : 1 erlaubt den Betrieb mit niedrigoktanigem Wehrmachtsbenzin, ohne klopfanfällig zu sein. Ein Linkert-Vergaser sorgt für die Gemischaufbereitung, während ein separater Öltank die Umlaufschmierung des Motors gewährleistet. Das total-loss-Ölsystem erfordert regelmäßige Kontrolle und Nachfüllen, ist aber technisch simpel und im Felde wartungsfreundlich.
Antrieb und Getriebe
Die Kraft wird über ein 3-Gang-Getriebe weitergeleitet, das per Fuß oder Hand schaltbar ist. Eine einfache Mehrscheiben-Trockenkupplung trennt den Motor vom Antriebsstrang. Das finale Übersetzungsverhältnis setzt auf eine robuste Roller-Kette, die mit Kettenspannern im Hinterradbereich justiert wird. Die Kombination aus niedrigen Gängen und hohem Drehmoment erleichtert das Befahren unbefestigter Wege und steiler Rampen.
Fahrwerk und Bremsen
Rahmen und Federung
Der Rahmen ist aus Stahlrohr mit Single-Downtube-Konstruktion gefertigt und nutzt den Motor als teiltragendes Element. Vorn federt eine klassische Springer-Gabel Unebenheiten ab, während hinten eine starre Schwinge den großen Lastaufnahmepunkt bildet. Einerseits bietet das solide Fahrwerk hohe Haltbarkeit, andererseits ist der Komfort auf unebenen Pisten eingeschränkt.
Bremsanlage
Vor- und Hinterrad verfügen jeweils über mechanisch betätigte Trommelbremsen. Die Vorderradbremse arbeitet über ein Zugseil, die hintere Bandbremse spannt ein Bremsband direkt um die Bremstrommel. Verzögerung und Dosierbarkeit sind für die damals typischen Geschwindigkeiten ausreichend, erfordern jedoch geübte Handhabung.
Elektrische Ausstattung
Die WLA besitzt eine 6-Volt-Anlage mit Generator und Spulen-Zündung, die ab Baujahr 1942 die Beleuchtung einschließlich Blackout-Scheinwerfer und -Rücklicht speist. Ein Zündunterbrecher am Tank ermöglicht das Abstellen des Motors ohne Kupplungseingriff. Das elektrische System punktet durch einfache Übersichtlichkeit und Bauteilreduzierung, was Reparaturen im Felde erleichtert.
Abmessungen, Gewicht und Kapazitäten
Dank des langen Radstands und der massiven Bauweise erreicht der WLA eine Straßenlage, die auch bei hohen Geschwindigkeiten Stabilität bietet. Mit einer Gesamtlänge von 2.200 mm und einer Breite von 1.000 mm ist das Motorrad großzügig dimensioniert. Der volle Kraftstofftank von 12,8 Litern ermöglicht Reichweiten von bis zu 180 Kilometern, ehe Nachtanken angesagt ist.
Einsatz und Besonderheiten
Im Feld wurde der WLA zum Transport von Funkgeräten, Sanitätsmaterial und Verbindungsoffizieren eingeteilt. Seine Fähigkeit, in Tiefen von bis zu 40 cm zu waten, machte ihn in der Normandie und Nordafrika unentbehrlich. Nach dem Krieg kamen viele WLAs als Militärüberschuss auf den Zivilmarkt und legten den Grundstein der amerikanischen Motorradnachkriegskultur.
Restaurierung und Sammlerwert
Originale WLA gelten heute als begehrte Sammlerstücke. Die Beschaffung von Teilen wie Linkert-Vergasern, Springer-Gabeln oder Spezial-Öltanks erfordert oft internationale Recherche und den Austausch in Veteranen-Clubs. Vollständig restaurierte Maschinen erreichen auf Auktionsplattformen schnell fünfstellige Euro-Beträge und sind Zeugnis einer prägenden Epoche motorisierter Mobilität.
Fazit
Die Harley-Davidson WLA kombiniert einfache, robuste Technik mit einem ikonischen Design, das bis heute begeistert. Als Symbol militärischer Mobilität im Zweiten Weltkrieg erzielte sie nicht nur strategischen Nutzen, sondern prägte darüber hinaus die amerikanische Motorradkultur nachhaltig. Liebhaber klassischer Motorräder schätzen den WLA für seine Zuverlässigkeit, seinen historischen Hintergrund und seinen unverwechselbaren Auftritt.