PCIe 5.0 vs. PCIe 6.0: Wie zukunftssicher ist aktuelle PC-Hardware?

Die Entwicklung moderner PC-Hardware schreitet kontinuierlich voran. Prozessoren werden leistungsfähiger, Grafikkarten benötigen immer mehr Bandbreite und schnelle NVMe-SSDs erreichen inzwischen beeindruckende Übertragungsgeschwindigkeiten. Damit diese Komponenten miteinander kommunizieren können, spielt eine Technologie eine besonders wichtige Rolle: PCI Express, kurz PCIe.

Mit PCIe 5.0 ist die aktuelle Hardware bereits auf einem hohen Leistungsniveau angekommen. Gleichzeitig steht mit PCIe 6.0 die nächste Generation der Schnittstelle bereit. Sie verspricht eine Verdopplung der Datenübertragungsrate und soll den steigenden Anforderungen zukünftiger Hardware gerecht werden.

Doch was bedeutet das für PC-Bastler, Gamer und professionelle Anwender? Lohnt es sich, bereits heute auf PCIe 5.0 zu setzen, oder sollte man lieber auf PCIe 6.0 warten? Und wie zukunftssicher sind aktuelle Mainboards, Grafikkarten und SSDs wirklich?

In diesem Artikel vergleichen wir beide Standards und zeigen, welche Bedeutung sie für zukünftige PC-Systeme haben.

Was ist PCI Express überhaupt?

PCI Express ist eine standardisierte Schnittstelle, über die verschiedene Hardwarekomponenten mit dem Prozessor und dem Chipsatz eines Computers kommunizieren.

Dazu gehören unter anderem:

  • Grafikkarten
  • NVMe-SSDs
  • Netzwerkkarten
  • Soundkarten
  • Erweiterungskarten für spezielle Anwendungen
  • RAID-Controller

Die Verbindung erfolgt über sogenannte PCIe-Lanes. Eine Lane besteht aus zwei Datenleitungen für die Übertragung in beide Richtungen. Je nach Hardware stehen unterschiedliche Lane-Konfigurationen zur Verfügung.

Die bekanntesten Varianten sind:

  • PCIe x1
  • PCIe x4
  • PCIe x8
  • PCIe x16

Eine Grafikkarte verwendet beispielsweise häufig eine x16-Verbindung, während schnelle NVMe-SSDs normalerweise über vier PCIe-Lanes angebunden werden.

Mit jeder neuen PCIe-Generation steigt die verfügbare Datenrate pro Lane. Dadurch können moderne Komponenten immer größere Datenmengen innerhalb kürzerer Zeit übertragen.

PCIe 5.0: Hohe Leistung für moderne PC-Systeme

PCIe 5.0 wurde bereits 2019 spezifiziert und ist mittlerweile bei zahlreichen modernen Desktop-Plattformen angekommen.

Die Generation bietet eine Datenrate von 32 GT/s pro Lane. Bei einer x16-Verbindung ergibt sich daraus eine theoretische Bandbreite von knapp 64 GB/s pro Richtung.

Zum Vergleich: PCIe 4.0 erreicht bei einer x16-Verbindung rund 32 GB/s pro Richtung.

Damit verdoppelt PCIe 5.0 die Übertragungsleistung seines Vorgängers.

Vorteile von PCIe 5.0

Besonders interessant ist der Standard für schnelle NVMe-SSDs. Entsprechende Modelle können sequenzielle Lesegeschwindigkeiten von mehr als 10.000 MB/s erreichen.

Das ist vor allem bei folgenden Anwendungen interessant:

  • Bearbeitung hochauflösender Videos
  • Verarbeitung großer Bilddateien
  • Professionelle 3D-Anwendungen
  • Große Dateiübertragungen
  • Leistungsfähige Workstations
  • Anspruchsvolle Gaming-Systeme

Auch moderne Grafikkarten können von der höheren Bandbreite profitieren. Allerdings ist der tatsächliche Leistungsgewinn gegenüber PCIe 4.0 abhängig von der jeweiligen Grafikkarte und der Anwendung.

Für viele typische Spiele ist der Unterschied zwischen PCIe 4.0 und PCIe 5.0 derzeit vergleichsweise gering.

Nachteile von PCIe 5.0

Die höhere Übertragungsleistung bringt auch Herausforderungen mit sich.

Insbesondere PCIe-5.0-SSDs können unter hoher Last erhebliche Wärme entwickeln. Deshalb setzen viele Hersteller auf größere Kühlkörper oder sogar aktive Kühllösungen.

Außerdem sind entsprechende SSDs häufig teurer als vergleichbare PCIe-4.0-Modelle.

Für normale Büroarbeiten, alltägliches Surfen und viele Gaming-Anwendungen ist die zusätzliche Geschwindigkeit daher nicht immer notwendig.

PCIe 6.0: Die nächste Generation steht bereit

Mit PCIe 6.0 wurde ein weiterer großer Entwicklungsschritt vollzogen. Die Spezifikation wurde 2022 veröffentlicht und verdoppelt die Datenrate gegenüber PCIe 5.0 erneut.

PCIe 6.0 erreicht 64 GT/s pro Lane. Bei einer x16-Verbindung sind theoretisch knapp 128 GB/s pro Richtung möglich.

Damit steht gegenüber PCIe 4.0 sogar die vierfache Bandbreite zur Verfügung.

Diese Leistungssteigerung wird vor allem durch eine neue Übertragungstechnik ermöglicht.

PAM4 statt NRZ

Eine der wichtigsten technischen Neuerungen ist die sogenannte PAM4-Modulation.

Während ältere PCIe-Generationen auf NRZ-Signalisierung setzen, verwendet PCIe 6.0 vier unterschiedliche Signalstufen.

Dadurch können pro Symbol zwei Bit übertragen werden. Das ermöglicht eine deutlich höhere Datenrate, ohne die Signalfrequenz im gleichen Verhältnis erhöhen zu müssen.

Allerdings ist PAM4 empfindlicher gegenüber Signalstörungen. Um eine zuverlässige Übertragung sicherzustellen, setzt PCIe 6.0 deshalb auf zusätzliche Fehlerkorrekturmechanismen.

Forward Error Correction (FEC)

Eine weitere wichtige Neuerung ist Forward Error Correction, kurz FEC.

Diese Technik ermöglicht es, bestimmte Übertragungsfehler zu erkennen und zu korrigieren, ohne dass sämtliche Daten erneut übertragen werden müssen.

Zusätzlich verwendet PCIe 6.0 eine CRC-Prüfung und ein verbessertes Verfahren zur Übertragung von Datenpaketen.

Das erhöht die Zuverlässigkeit der Datenübertragung, ist aber auch mit zusätzlichem technischen Aufwand verbunden.

Fixed-Size Flit Mode

PCIe 6.0 führt außerdem den sogenannten Flit Mode ein.

Dabei werden Daten in fest definierten Einheiten übertragen. Diese Struktur unterstützt die Fehlerkorrektur und ermöglicht eine effizientere Verarbeitung der Daten.

Die neue Technik ist ein wichtiger Bestandteil der Architektur von PCIe 6.0.

PCIe 5.0 vs. PCIe 6.0: Die wichtigsten Unterschiede

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten technischen Unterschiede zwischen beiden Generationen.

Eigenschaft PCIe 5.0 PCIe 6.0
Veröffentlichung der Spezifikation 2019 2022
Datenrate pro Lane 32 GT/s 64 GT/s
Bandbreite x1 pro Richtung ca. 4 GB/s ca. 8 GB/s
Bandbreite x4 pro Richtung ca. 16 GB/s ca. 32 GB/s
Bandbreite x8 pro Richtung ca. 32 GB/s ca. 64 GB/s
Bandbreite x16 pro Richtung ca. 64 GB/s ca. 128 GB/s
Signalübertragung NRZ PAM4
Fehlerkorrektur CRC und Wiederholungsmechanismen CRC und FEC
Flit Mode Nein Ja

Die angegebenen Bandbreiten sind theoretische Werte vor Berücksichtigung des jeweiligen Protokoll-Overheads. Die tatsächlich nutzbare Datenrate kann deshalb geringer ausfallen.

Welche Auswirkungen hat PCIe 6.0 auf Grafikkarten?

Für Gamer ist die Grafikkarte häufig die wichtigste Komponente eines PCs. Deshalb stellt sich die Frage, ob PCIe 6.0 künftig einen großen Unterschied bei der Gaming-Leistung machen wird.

Moderne Grafikkarten nutzen häufig PCIe x16 oder teilweise auch x8. Schon PCIe 4.0 bietet dabei eine hohe Bandbreite.

In vielen Spielen ist die GPU-interne Speicherbandbreite deutlich wichtiger als die maximale Geschwindigkeit der Verbindung zum Prozessor.

Das bedeutet: Eine Grafikkarte wird nicht automatisch schneller, nur weil sie über PCIe 6.0 angebunden ist.

Interessanter könnte die neue Schnittstelle bei zukünftigen Grafikkarten werden, die besonders große Datenmengen zwischen Prozessor und Grafikspeicher austauschen.

Auch KI-Anwendungen, professionelle Simulationen und GPU-beschleunigte Berechnungen könnten langfristig von der zusätzlichen Bandbreite profitieren.

Für gewöhnliche Gaming-PCs dürfte PCIe 5.0 deshalb noch über einen längeren Zeitraum ausreichend sein.

PCIe 5.0 und 6.0 bei NVMe-SSDs

Besonders deutlich werden die Unterschiede bei modernen SSDs.

PCIe-5.0-SSDs erreichen bereits sehr hohe sequenzielle Übertragungsraten. Für viele Privatanwender ist das mehr als ausreichend.

PCIe 6.0 könnte die theoretische Bandbreite für SSDs nochmals verdoppeln. Dadurch werden zukünftig noch schnellere Massenspeicher möglich.

Davon könnten insbesondere folgende Bereiche profitieren:

  • Professionelle Videoproduktion
  • Große Datenbanken
  • Wissenschaftliche Berechnungen
  • KI-Training und Datenverarbeitung
  • Hochleistungsserver
  • Rechenzentren

Allerdings gibt es auch hier einen entscheidenden Punkt: Die reine Schnittstellengeschwindigkeit ist nicht gleichbedeutend mit der tatsächlichen SSD-Leistung.

Controller, NAND-Flash-Speicher, Cache, Temperatur und Software beeinflussen die Geschwindigkeit ebenfalls.

Für den normalen PC-Alltag dürfte eine gute PCIe-4.0- oder PCIe-5.0-SSD deshalb auch in Zukunft eine ausgezeichnete Wahl bleiben.

Ist PCIe 6.0 überhaupt für normale PCs gedacht?

Obwohl PCIe 6.0 eine beeindruckende Leistungssteigerung bietet, richtet sich die Technologie zunächst besonders an professionelle Einsatzbereiche.

Dazu gehören:

  • Rechenzentren
  • Hochleistungsserver
  • KI-Beschleuniger
  • Netzwerkhardware
  • Professionelle Workstations
  • Hochleistungsrechner

Gerade bei KI-Systemen und großen Serverplattformen müssen enorme Datenmengen zwischen Prozessoren, Beschleunigern und Speichersystemen übertragen werden.

Hier kann sich die zusätzliche Bandbreite unmittelbar auszahlen.

Im klassischen Desktop-PC sieht die Situation etwas anders aus. Die meisten Anwender schöpfen selbst die Möglichkeiten von PCIe 5.0 noch nicht vollständig aus.

Deshalb ist es durchaus möglich, dass PCIe 6.0 zunächst hauptsächlich in professionellen Plattformen eingesetzt wird, bevor die Technologie im breiten Consumer-Markt ankommt.

Wie zukunftssicher ist aktuelle PCIe-5.0-Hardware?

Wer heute einen neuen Gaming-PC oder eine leistungsfähige Workstation zusammenstellt, muss sich nicht automatisch Gedanken über PCIe 6.0 machen.

PCIe 5.0 bietet bereits eine sehr hohe Bandbreite und dürfte für viele Anwendungen der kommenden Jahre ausreichen.

Ein weiterer Vorteil ist die Abwärtskompatibilität. PCIe wurde so entwickelt, dass neuere Generationen grundsätzlich mit älteren PCIe-Geräten zusammenarbeiten können.

Dabei gilt allerdings: Die Verbindung arbeitet mit der höchsten Generation, die beide beteiligten Komponenten gemeinsam unterstützen. Auch die Anzahl der verfügbaren Lanes und die Mainboard-Konfiguration spielen eine Rolle.

Ein PCIe-5.0-Mainboard kann daher beispielsweise eine ältere PCIe-4.0-Grafikkarte problemlos betreiben. Die Verbindung arbeitet dann mit PCIe 4.0.

Wer heute in ein gutes Mainboard mit PCIe 5.0 investiert, erhält somit eine solide technische Grundlage für zukünftige Hardware.

Wichtig ist allerdings, nicht ausschließlich auf die PCIe-Version zu achten. Prozessor-Sockel, Chipsatz, RAM-Unterstützung, Anzahl der M.2-Steckplätze und die Qualität der Spannungsversorgung sind ebenfalls entscheidend.

Sollte man jetzt kaufen oder auf PCIe 6.0 warten?

Diese Frage lässt sich relativ einfach beantworten: Wer aktuell einen neuen PC benötigt, sollte nicht ausschließlich wegen PCIe 6.0 mit dem Kauf warten.

PCIe 5.0 ist bereits leistungsfähig genug für moderne Gaming-Systeme und viele professionelle Anwendungen.

Ein Aufschub kann sogar Nachteile haben, wenn dadurch ein dringend benötigtes Hardware-Upgrade unnötig verzögert wird.

Eine sinnvolle Kaufentscheidung hängt vielmehr vom geplanten Einsatzbereich ab.

Für Gamer:

Ein modernes Mainboard mit PCIe 5.0 ist eine gute Wahl. Die Grafikkarte und der Prozessor haben einen wesentlich größeren Einfluss auf die Gaming-Leistung als die reine PCIe-Generation.

Für Content Creator:

Wer regelmäßig große Videodateien bearbeitet oder mit anspruchsvollen Produktionsumgebungen arbeitet, kann von schnellen PCIe-5.0-SSDs profitieren.

Für professionelle Anwender:

Wer KI-Anwendungen, Simulationen oder datenintensive Berechnungen betreibt, sollte die Entwicklung von PCIe 6.0 aufmerksam verfolgen. Hier kann die zusätzliche Bandbreite langfristig besonders interessant werden.

Für preisbewusste PC-Bauer:

Ein hochwertiges PCIe-4.0-System kann weiterhin eine wirtschaftlich sehr attraktive Lösung sein. Nicht jede Anwendung benötigt die neuesten Schnittstellen.

Worauf sollte man beim Kauf eines Mainboards achten?

Wer einen neuen PC plant, sollte beim Mainboard-Kauf nicht nur auf die Unterstützung von PCIe 5.0 achten.

Folgende Kriterien sind ebenfalls wichtig:

  1. PCIe-Steckplätze: Welche Generation und wie viele Lanes werden für Grafikkarten und Erweiterungskarten bereitgestellt?
  2. M.2-Anschlüsse: Wie viele NVMe-SSDs können installiert werden und welche PCIe-Generationen werden unterstützt?
  3. Prozessor-Kompatibilität: Ist das Mainboard mit der gewünschten CPU kompatibel?
  4. RAM-Unterstützung: Welche Speichergenerationen und Kapazitäten werden unterstützt?
  5. Netzwerkanschlüsse: Sind 2,5-Gigabit-LAN oder schnellere Netzwerkstandards vorhanden?
  6. Erweiterbarkeit: Gibt es genügend Anschlüsse für zukünftige Hardware?

Besonders wichtig ist ein Blick in das Handbuch des Mainboards. Bei manchen Modellen werden bestimmte PCIe- und M.2-Anschlüsse gemeinsam genutzt. Dadurch können sich die verfügbaren Lanes je nach Bestückung verändern.

Fazit: PCIe 5.0 ist eine sichere Wahl für die nächsten Jahre

PCIe 5.0 und PCIe 6.0 zeigen eindrucksvoll, wie schnell sich die Schnittstellentechnologie moderner Computer weiterentwickelt.

Mit PCIe 5.0 steht bereits eine leistungsfähige Plattform zur Verfügung, die für aktuelle Grafikkarten, schnelle NVMe-SSDs und anspruchsvolle Anwendungen bestens geeignet ist.

PCIe 6.0 verdoppelt die theoretische Bandbreite erneut und eröffnet interessante Möglichkeiten für zukünftige Hardware. Besonders Rechenzentren, KI-Systeme und professionelle Workstations werden von diesen Verbesserungen profitieren.

Für den durchschnittlichen PC-Nutzer ist PCIe 6.0 jedoch noch kein zwingender Kaufgrund.

Meine Empfehlung: Wer jetzt einen neuen Gaming-PC oder eine leistungsfähige Workstation zusammenstellen möchte, kann bedenkenlos auf eine moderne Plattform mit PCIe 5.0 setzen. Statt auf eine zukünftige Schnittstellengeneration zu warten, sollte man das Budget lieber in einen leistungsfähigen Prozessor, eine passende Grafikkarte, ausreichend Arbeitsspeicher und eine schnelle SSD investieren.

Denn letztendlich entscheidet nicht allein die PCIe-Version darüber, wie leistungsfähig und zukunftssicher ein Computer ist. Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Komponenten.