Bloch MB.131

Bloch MB.131 – Der französische Aufklärungsbomber der späten 1930er-Jahre

Die Bloch MB.131 war ein zweimotoriger französischer Aufklärungs- und leichter Bomber, der in den späten 1930er-Jahren entwickelt wurde. Das Flugzeug stammte aus der Werkstatt der Société des Avions Marcel Bloch, einem der führenden Flugzeughersteller Frankreichs vor dem Zweiten Weltkrieg. Die MB.131 war eine Weiterentwicklung der älteren MB.130 und stellte einen wichtigen Zwischenschritt in der Evolution der französischen mittleren Bomber dar. Sie kombinierte moderne aerodynamische Formen mit einer Ganzmetallkonstruktion und wurde für den strategischen und taktischen Einsatz innerhalb der französischen Luftstreitkräfte konzipiert.

Entstehung und Entwicklung

Die Entwicklung der MB.131 begann Mitte der 1930er-Jahre, als das französische Luftfahrtministerium eine neue Generation von zweimotorigen Mehrzweckflugzeugen forderte, die für Aufklärung, Bombardierung und Verbindungsaufgaben geeignet sein sollten. Der Vorgänger, die Bloch MB.130, diente als Grundlage für die neue Konstruktion, zeigte jedoch in ihren Flugversuchen deutliche Schwächen in Leistung und Reichweite.

Chefingenieur Marcel Bloch (später Marcel Dassault) und sein Team entwarfen daher ein komplett überarbeitetes Flugzeug mit besserer Aerodynamik, stärkerem Antrieb und größerem Bombenraum. Der Erstflug des Prototyps fand im Jahr 1936 statt. Nach mehreren Verbesserungen an der Rumpfform, der Motorverkleidung und der Bewaffnung ging die MB.131 im Jahr 1938 in die Serienproduktion.

Sie wurde von der Armée de l’Air als taktischer Aufklärer und leichter Bomber eingeführt. Bis 1940 entstanden etwa 140 Exemplare, die in verschiedenen Staffeln eingesetzt wurden – vor allem zur Grenzüberwachung und strategischen Luftaufklärung.

Technische Parameter

Allgemeine Daten

  • Typ: Aufklärungs- und leichter Bomber

  • Hersteller: Société des Avions Marcel Bloch

  • Konstrukteur: Marcel Bloch

  • Erstflug: 1936

  • Indienststellung: 1938

  • Besatzung: 3 (Pilot, Beobachter, Funker/Schütze)

Abmessungen

  • Spannweite: 22,15 m

  • Länge: 16,12 m

  • Höhe: 4,85 m

  • Flügelfläche: 61,0 m²

Gewichte

  • Leermasse: 5.180 kg

  • Startmasse: 7.950 kg

Antrieb

  • Triebwerke: 2 × Gnome-Rhône 14N-20/21 Sternmotoren

  • Leistung je Motor: 1.030 PS (764 kW)

  • Propeller: Dreiblättrige Verstellpropeller

Leistungsdaten

  • Höchstgeschwindigkeit: 390 km/h in 4.000 m Höhe

  • Reisegeschwindigkeit: 340 km/h

  • Dienstgipfelhöhe: 8.500 m

  • Reichweite: 1.200 km

  • Startstrecke: ca. 450 m

  • Landestrecke: ca. 400 m

Bewaffnung

  • Defensive Bewaffnung:

    • 1 × 7,5-mm-MAC 1934 Maschinengewehr in der vorderen Kanzel

    • 1 × 7,5-mm-MAC 1934 Maschinengewehr im ventralen Stand

    • 1 × 7,5-mm-MAC 1934 Maschinengewehr im oberen Drehturm

  • Bombenlast:

    • Bis zu 400 kg Bomben im internen Bombenschacht

Konstruktionsmerkmale

Die Bloch MB.131 war ein Ganzmetall-Mitteldecker mit freitragenden Tragflächen und einem klassischen Leitwerk. Der Rumpf war aerodynamisch glatt und wies eine längliche, leicht konische Form auf, um den Luftwiderstand zu minimieren. Die Konstruktion basierte auf einem Duraluminiumgerüst mit genieteten Außenblechen.

Die Tragflächen waren elliptisch zulaufend und beherbergten die beiden Triebwerke in stromlinienförmigen Gondeln. Im hinteren Teil der Gondeln befanden sich große, einziehbare Hauptfahrwerke, die in den Flügeln verschwanden – ein modernes Merkmal für französische Flugzeuge dieser Zeit.

Die Cockpitsektion war stark verglast und bot dem Piloten sowie dem Beobachter eine hervorragende Rundumsicht. Der Beobachter hatte zudem Zugriff auf eine bewegliche MG-Position im Bug und konnte durch den unteren Rumpfabschnitt nach unten gerichtete Beobachtungen durchführen.

Das Leitwerk bestand aus einer konventionellen Doppelflosse mit abgestrebtem Höhenleitwerk, was der Maschine eine hohe Stabilität im Flug verlieh.

Aerodynamik und Flugverhalten

Die MB.131 galt als aerodynamisch fortschrittlich für ihre Zeit, jedoch nicht besonders leistungsstark im Vergleich zu ihren Zeitgenossen. Ihre große Flügelfläche sorgte für stabile Flugeigenschaften und ein gutes Gleitverhalten, was für Aufklärungsmissionen in großer Höhe von Vorteil war.

Die Maschine war leicht zu fliegen, zeigte gutmütiges Verhalten bei Start und Landung und galt als zuverlässig. Dennoch bemängelten Piloten, dass die MB.131 im Steigflug träge war und die maximale Geschwindigkeit nicht ausreichte, um sich modernen Jagdflugzeugen zu entziehen – ein Nachteil, der sich im Jahr 1940 im Kampf gegen die deutsche Luftwaffe deutlich zeigte.

Varianten

  1. Bloch MB.130 – Ursprungsmodell, diente als technischer Ausgangspunkt, jedoch mit schwächeren Motoren.

  2. Bloch MB.131-01 – Erster Prototyp mit modifizierter Bugsektion und neuem Flügelprofil.

  3. Bloch MB.131 R – Serienversion für die Aufklärung, mit 2 × Gnome-Rhône 14N-20 Triebwerken.

  4. Bloch MB.131 RB.4 – Aufklärungs- und Bomberversion mit verbessertem Bombenschacht und stärkeren Motoren.

  5. Bloch MB.132 – Versuchsmuster mit experimentellen Verbesserungen in Bewaffnung und Aerodynamik.

Einsatzgeschichte

Die Bloch MB.131 wurde ab 1938 an französische Luftaufklärungsstaffeln ausgeliefert und diente zu Beginn des Zweiten Weltkriegs als Standardflugzeug der taktischen Aufklärungseinheiten.

Beim Ausbruch des Krieges im September 1939 waren etwa 120 Maschinen im aktiven Dienst. Sie wurden an der Maginot-Linie und an den Grenzen zu Deutschland und Belgien eingesetzt. Die MB.131 führte Aufklärungsflüge über feindliches Territorium durch und diente in begrenztem Umfang auch als leichter Bomber für Nachtmissionen.

Während des deutschen Westfeldzugs 1940 litt das Flugzeug jedoch unter seinen geringen Leistungsreserven. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von knapp 390 km/h war es deutlich langsamer als die meisten deutschen Jagdflugzeuge wie die Messerschmitt Bf 109. Dadurch erlitt die MB.131 hohe Verluste in den ersten Kriegswochen.

Einige Maschinen wurden nach der französischen Niederlage von der Vichy-Luftwaffe weiterverwendet, hauptsächlich als Schul- und Transportflugzeuge. Nach 1942 übernahm die deutsche Luftwaffe einige intakte Exemplare und nutzte sie als Verbindungsflugzeuge.

Bewertung und technologische Bedeutung

Die Bloch MB.131 repräsentierte den Übergang von den langsamen, schwerfälligen zweimotorigen Bombern der frühen 1930er-Jahre zu den moderneren, aerodynamisch ausgereiften Konstruktionen der späten 1930er. Ihre Ganzmetallbauweise, das einziehbare Fahrwerk und die modulare Struktur machten sie zu einem technologischen Fortschritt in der französischen Luftfahrt.

Gleichzeitig zeigte ihr Einsatz, dass Frankreichs Luftwaffe zu Beginn des Zweiten Weltkriegs noch mit veralteter Technologie operierte, während andere Nationen bereits auf Hochleistungsbomber setzten. Trotz ihrer Schwächen war die MB.131 ein robustes, zuverlässiges und technisch sauberes Flugzeug, das wertvolle Erfahrungen für spätere Entwicklungen lieferte – insbesondere für die nachfolgenden Modelle der Bloch-Reihe wie die MB.174 und MB.175, die ab 1940 deutlich leistungsfähiger waren.

Zusammenfassung

Die Bloch MB.131 war ein französischer zweimotoriger Aufklärungsbomber, der zwischen 1936 und 1940 in Dienst stand. Mit zwei Gnome-Rhône 14N-Sternmotoren, Ganzmetallbauweise und modernem Design war sie technisch fortschrittlich, aber in ihrer Leistung bald überholt.

Als Standardaufklärer der französischen Luftwaffe zu Beginn des Zweiten Weltkriegs spielte sie eine wichtige Rolle in der Frühphase des Konflikts, bevor sie von schnelleren und stärker bewaffneten Flugzeugen abgelöst wurde. Trotz ihrer begrenzten Kampftauglichkeit bleibt die MB.131 ein bedeutendes Glied in der Entwicklungslinie französischer Bomberflugzeuge – ein Symbol für den Übergang von der Vorkriegs- zur modernen Kriegsflugzeugära.

Bloch MB 131 San Diego Air & Space Museum 3