Blackburn Ripon

Die Blackburn Ripon war ein britisches trägergestütztes Torpedo-, Aufklärungs- und Bombenflugzeug aus der Zwischenkriegszeit. Sie wurde in den späten 1920er-Jahren für den Einsatz auf den Flugzeugträgern der Royal Navy entwickelt. Die Maschine stellte eine Weiterentwicklung der vorhergehenden Blackburn Dart dar, die bereits als Torpedobomber diente, jedoch in Leistung, Stabilität und Vielseitigkeit verbessert werden sollte.

Die Entwicklung begann 1923, nachdem das britische Luftfahrtministerium eine Spezifikation (Specification 21/23) für ein zweisitziges Flugzeug herausgegeben hatte, das Torpedos tragen und sowohl von Landbasen als auch von Flugzeugträgern operieren konnte. Der Erstflug des Prototyps fand im April 1926 statt. Nach einer intensiven Testphase wurde die Ripon 1929 in Dienst gestellt. Sie blieb bis in die späten 1930er-Jahre bei der Fleet Air Arm im Einsatz und wurde auch in Lizenz in Finnland gebaut.

Konstruktion und Aufbau

Die Blackburn Ripon war ein zweisitziger Doppeldecker in konventioneller Holz- und Metallbauweise. Der Rumpf bestand aus einem Stahlrohrrahmen mit Stoffbespannung, während die Tragflächen eine Holzkonstruktion mit Stoffüberzug aufwiesen.

Das Flugzeug besaß festes, starres Fahrwerk mit Spornrad und konnte für den Einsatz auf Trägern mit Schwimmern ausgerüstet werden. Diese Modularität erlaubte es, die Maschine wahlweise als Land- oder Seeflugzeug zu betreiben.

Die obere Tragfläche war größer als die untere und wurde durch zwei parallele Streben und Drahtverspannungen gestützt. Der Pilot und der Beobachter bzw. Funker saßen in offenen Cockpits in Tandem-Anordnung.

Ein zentrales konstruktives Merkmal war der verstärkte Mittelrumpf, der für die Aufnahme eines 18-Zoll-Torpedos (45,7 cm) oder von Bomben ausgelegt war. Die Ripon verfügte über eine manuell betätigte Fanghakenanlage, um auf Flugzeugträgern sicher landen zu können.

Antrieb und Leistung

Die frühe Version der Ripon war mit einem Napier Lion Motor ausgestattet, einem wassergekühlten 12-Zylinder-W-Motor, der in der britischen Luftfahrt jener Zeit weit verbreitet war. Spätere Varianten, insbesondere die Ripon II und die finnischen Ripon IIF, nutzten alternative Triebwerke wie den Bristol Pegasus Sternmotor, um Zuverlässigkeit und Wartungsfreundlichkeit zu verbessern.

Triebwerksvarianten:

  • Blackburn Ripon Mk I: Napier Lion VA, 450 PS

  • Blackburn Ripon Mk II: Napier Lion XI, 570 PS

  • Blackburn Ripon IIF (Finnland): Bristol Pegasus IIM2, 580 PS

Leistungsdaten (Ripon Mk II):

  • Triebwerk: 1 × Napier Lion XI, 570 PS

  • Höchstgeschwindigkeit: ca. 210 km/h in 1.000 m Höhe

  • Reichweite: etwa 720 km

  • Dienstgipfelhöhe: 4.200 m

  • Steigleistung: ca. 3,8 m/s

  • Startstrecke: rund 120 m (ohne Torpedo)

  • Landestrecke: etwa 130 m

Abmessungen und Gewicht

Merkmal Wert
Spannweite 15,24 m
Länge 11,58 m
Höhe 4,11 m
Flügelfläche 58,6 m²
Leermasse ca. 2.050 kg
Maximales Startgewicht ca. 3.300 kg
Besatzung 2 (Pilot und Beobachter/Funker)

Bewaffnung und Ausrüstung

Die Blackburn Ripon war für ihre Zeit gut bewaffnet und vielseitig einsetzbar. Sie war in der Lage, sowohl offensive als auch defensive Einsätze durchzuführen, und konnte eine Vielzahl von Waffen tragen.

Bewaffnung:

  • 1 × starres 7,7-mm-Vickers-Maschinengewehr, nach vorne feuernd (synchronisiert)

  • 1 × 7,7-mm-Lewis-Maschinengewehr auf drehbarem Ringstand im Beobachtercockpit

  • 1 × 18-Zoll-Torpedo (ca. 720 kg) oder bis zu 680 kg Bombenlast

Die Torpedobewaffnung machte die Ripon zu einem strategischen Instrument der britischen Trägerflotte, während die Möglichkeit zur Bombenmitnahme sie auch für Aufklärungs- und Bodenunterstützungsmissionen geeignet machte.

Flugleistungen und Einsatzverhalten

Im Flugbetrieb zeigte die Ripon ein stabiles, gutmütiges Verhalten, was sie besonders für die oft schwierigen Starts und Landungen auf Flugzeugträgern geeignet machte. Ihre große Flügelfläche sorgte für ausreichenden Auftrieb, auch bei niedrigen Geschwindigkeiten.

Allerdings war sie kein schnelles Flugzeug. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von etwas über 200 km/h galt sie bereits Anfang der 1930er-Jahre als veraltet. Dennoch blieb sie aufgrund ihrer Robustheit und einfachen Wartung längere Zeit im Dienst.

Die Maschinen der Royal Navy wurden hauptsächlich auf den Trägern HMS Courageous, HMS Furious und HMS Glorious eingesetzt. Ihre Aufgaben umfassten Aufklärung, Torpedoangriffe gegen Schiffe und gelegentliche Bombardierungen von Küstenzielen.

Auslandseinsatz und Lizenzfertigung

Ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der Blackburn Ripon stellt ihre Verwendung in Finnland dar. Die finnische Luftwaffe bestellte 1929 zwei britische Ripon-Musterflugzeuge, anschließend begann eine Lizenzproduktion bei der staatlichen Flugzeugfabrik in Tampere (Valtion Lentokonetehdas).

Insgesamt wurden in Finnland 25 Maschinen in Lizenz gefertigt (Ripon IIF). Sie erhielten den luftgekühlten Bristol Pegasus-Sternmotor, der sich bei kalten klimatischen Bedingungen als zuverlässiger erwies als der wassergekühlte Napier Lion.

Die finnischen Ripons wurden bis 1944 betrieben, wobei sie vor allem als Aufklärer und leichte Bomber über dem Finnischen Meerbusen eingesetzt wurden. Sie galten als solide, aber technologisch überholt.

Variantenübersicht

  • Ripon Mk I: Erste Serienversion mit Napier Lion VA Motor.

  • Ripon Mk II: Verbesserte Version mit stärkerem Lion XI Motor, verändertes Höhenleitwerk.

  • Ripon IIF: Finnische Lizenzversion mit Bristol Pegasus-Sternmotor, strukturelle Anpassungen an extreme Temperaturen.

Technische Besonderheiten

Ein besonderes technisches Merkmal der Ripon war ihr modularer Aufbau: Sie konnte innerhalb weniger Stunden von einem Landflugzeug in ein Wasserflugzeug umgerüstet werden. Die Schwimmerausführung besaß zwei große Metall-Schwimmer, die durch Streben mit dem Rumpf verbunden waren.

Das Flugzeug verfügte über faltbare Tragflächen, um Platz auf den begrenzten Decks der britischen Träger zu sparen. Diese Lösung wurde später bei zahlreichen britischen Trägerflugzeugen übernommen.

Bedeutung und Bewertung

Die Blackburn Ripon war ein typisches Beispiel britischer Flugzeugtechnik der späten 1920er-Jahre. Sie vereinte solide Ingenieurskunst, einfache Wartung und robuste Bauweise, litt jedoch unter der rasanten technologischen Entwicklung jener Zeit.

Blackburn Ripon Mk.II L'Air August 1,1929