Die Blackburn Roc war ein britisches trägergestütztes Turmjäger-Flugzeug der späten 1930er-Jahre, das für die Fleet Air Arm der Royal Navy entwickelt wurde. Sie entstand aus dem Bestreben, die Bewaffnung von Jagdflugzeugen durch den Einbau eines drehbaren Geschützturms zu verstärken – ein Konzept, das zur damaligen Zeit als zukunftsweisend galt.
Obwohl die Roc nur kurzzeitig im Einsatz war, stellt sie ein faszinierendes technisches Experiment dar, das die Übergangsphase von konventionellen Marinejägern zu moderneren Kampfflugzeugen dokumentiert.
Entwicklungsgeschichte
Die Blackburn Roc wurde als Derivat der Blackburn Skua entwickelt, mit der sie viele Konstruktionsmerkmale teilte. Die Royal Navy suchte Mitte der 1930er-Jahre nach einem trägergestützten Flugzeug, das sowohl Abfangjäger als auch Verteidigungsplattform gegen feindliche Bomber sein konnte.
Das Luftfahrtministerium erließ 1935 die Spezifikation O.30/35, die ein zweisitziges Flugzeug mit einem drehbaren MG-Turm verlangte. Blackburn Aircraft erhielt den Auftrag zur Konstruktion, wobei man auf der bestehenden Struktur der Skua aufbaute. Der Prototyp der Roc flog erstmals im Dezember 1938, und die Serienproduktion begann 1939 – kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.
Die Roc wurde jedoch schon bei ihrer Indienststellung als technisch überholt angesehen. Das zusätzliche Gewicht des Turms beeinträchtigte Geschwindigkeit und Wendigkeit erheblich. Dennoch diente sie während der frühen Kriegsjahre bei der Fleet Air Arm als Jagd- und Patrouillenflugzeug sowie als Schulungsplattform.
Konstruktion und Aufbau
Die Blackburn Roc war ein Ganzmetall-Tiefdecker mit festem Spornradfahrwerk, das für Trägereinsätze verstärkt wurde. Ihre Struktur basierte weitgehend auf der der Skua, jedoch war der Rumpf modifiziert, um den großen Boulton Paul Type A Turm aufzunehmen.
Der Rumpf war in Halbschalenbauweise aus Duraluminium gefertigt und für den Trägereinsatz mit Fanghaken und Katapultbeschlägen versehen. Die Flügel konnten hydraulisch nach hinten geklappt werden, um Platz in Trägerhangars zu sparen.
Das Cockpit für den Piloten befand sich vor dem Turm, der Beobachter und Schütze bediente den elektrisch betriebenen, voll drehbaren Turm hinter dem Piloten. Der Turm war mit vier 7,7-mm-Browning-Maschinengewehren bewaffnet, die um 360 Grad gedreht werden konnten.
Durch den Turmaufbau war der Schwerpunkt des Flugzeugs weiter hinten, was sich negativ auf die Stabilität und Flugleistung auswirkte. Dennoch galt die Roc als strukturell solide und seetauglich – ein wichtiger Faktor für den Trägereinsatz.
Triebwerk und Antrieb
Wie ihre Schwestermaschine, die Skua, wurde die Roc von einem Bristol Perseus XII-Sternmotor angetrieben. Dieser luftgekühlte Neunzylinder leistete 890 PS (664 kW) und trieb einen dreiblättrigen, verstellbaren Propeller an.
Das Triebwerk war in einer aerodynamischen NACA-Verkleidung untergebracht, mit verstellbaren Lamellen zur Regulierung der Motorkühlung. Trotz der soliden Motorleistung war die Aerodynamik des Flugzeugs durch den Turmaufbau stark beeinträchtigt. Dies führte zu einer deutlich niedrigeren Höchstgeschwindigkeit und geringeren Steigleistung im Vergleich zur Skua.
Technische Spezifikationen (Blackburn Roc Mk I)
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Typ: Trägergestützter Turmjäger
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Hersteller: Blackburn Aircraft Ltd.
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Besatzung: 2 (Pilot, Turmschütze)
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Länge: 10,90 m
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Spannweite: 14,00 m
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Höhe: 3,80 m
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Flügelfläche: 30,0 m²
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Leergewicht: 2.880 kg
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Startgewicht: 3.950 kg
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Triebwerk: Bristol Perseus XII, 9-Zylinder-Sternmotor, 890 PS
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Propeller: Dreiblatt-Verstellpropeller
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Höchstgeschwindigkeit: 360 km/h in 2.100 m Höhe
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Reisegeschwindigkeit: 290 km/h
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Dienstgipfelhöhe: 5.800 m
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Reichweite: 1.100 km
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Steigleistung: 4,3 m/s
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Bewaffnung:
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4 × 7,7 mm Browning-Maschinengewehre im Boulton-Paul-Turm
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Zuladung: 2 × 30-kg-Bomben unter den Flügeln (optional)
Flugverhalten und Leistung
Das Flugverhalten der Roc war stabil, aber schwerfällig. Piloten berichteten von gutmütigen Flugeigenschaften, allerdings mangelte es der Maschine an Wendigkeit und Geschwindigkeit, was sie gegen moderne einmotorige Jäger nahezu chancenlos machte.
Der Turm bot eine hohe Feuerkraft, aber das manuelle Nachführen von Zielen war kompliziert, insbesondere bei schnellen Luftkämpfen. Der Luftwiderstand des Turms führte zudem zu einem erheblichen Leistungsverlust.
Beim Start und bei der Landung auf Trägern zeigte die Roc ein gut kontrollierbares Verhalten, und die robuste Konstruktion machte sie widerstandsfähig gegen harte Decklandungen. Im Horizontalflug war sie stabil, doch bei Sturzflügen traten Vibrationen auf, die präzises Zielen erschwerten.
Einsatzgeschichte
Die Blackburn Roc trat 1939 in den Dienst der Royal Navy und wurde hauptsächlich auf den Flugzeugträgern HMS Ark Royal, HMS Glorious und HMS Furious eingesetzt.
Ihre ersten Einsätze fanden während des Norwegenfeldzugs 1940 statt, wo sie zur Begleitung von Blackburn Skuas und als Patrouillenflugzeug diente. Obwohl sie in einigen Missionen feindliche Ziele beschoss, blieb ihre Kampfbilanz gering. Die Roc war für Luftkämpfe gegen moderne Jäger wie die Messerschmitt Bf 109 oder die Bf 110 ungeeignet, da sie zu langsam war und der Turm wenig praktischen Nutzen im Dogfight bot.
Ab Mitte 1940 wurden die meisten Rocs von den Trägerstaffeln abgezogen und stattdessen für Küstenpatrouillen, Schulungszwecke und als Luftzielschlepper verwendet. Einige Maschinen blieben bis 1943 in dieser Rolle aktiv.
