BFW M.23

Die BFW M.23, oft auch als Messerschmitt M 23 bezeichnet, ist ein zweisitziges Sport- und Schulflugzeug der späten 1920er- und frühen 1930er-Jahre. Entworfen von Willy Messerschmitt bei Bayerische Flugzeugwerke (BFW), steht die M.23 für die frühe Entwicklungslinie leichten, aerodynamisch sauber konstruierten Tiefdeckern, die sich durch geringe Leermassen, gute Performance und einfache Wartung auszeichneten. Das Muster wurde sowohl im privaten Bereich als auch in Flugvereinen eingesetzt und erzielte beachtliche Erfolge in Wettbewerben der Zeit.

Konstruktionskonzept und Aufbau

Grundkonzept und Designziele

Die M.23 war als leichtes, schnelles Sportflugzeug geplant, das einfache Handhabung, gute Sichtverhältnisse und hohe Reisegeschwindigkeit verbinden sollte. Besonderer Wert wurde auf aerodynamische Sauberkeit gelegt: schlanker Rumpfquerschnitt, sauber anschließende Tragflächenwurzel und reduzierte Spaltflächen an Rumpf, Tragflächen und Leitwerk.

Rumpf und Materialien

Der Rumpf basiert auf einer Leichtbau-Konstruktion aus Stahlrohr- oder Holzrahmen (je nach Fabrikationsvariante) mit einer stoffbespannten Außenhaut beziehungsweise in Teilbereichen Sperrholzbeplankung. Die Kabine war offen oder in späteren Versionen teilweise geschlossen ausgeführt. Cockpitöffnungen wurden ergonomisch so gestaltet, dass Pilot und passagier nah beieinander saßen, was für Schulungsbetriebe und Kunstflugvorteile brachte.

Tragwerk und Steuerflächen

Das Tragwerk ist als konventioneller Tiefdecker ohne Strebung ausgeführt, eine frühe Form der selbsttragenden Cantilever-Flügelkonstruktion. Flügelholme und Rippen wurden aus Holz gefertigt, die Oberfläche war mit Stoff oder Sperrholz beplankt. Landeklappen waren in den frühen Serien schlicht gehalten, die Querruder wirkten direkt auf die Rollsteuerung. Die Verbindungsgeometrie zwischen Flügel und Rumpf minimierte Wirbelbildung an der Flügelwurzel.

Fahrwerk

Das Fahrwerk ist fest angebracht mit einer einfachen Achskonstruktion und Gummidämpfung. Haupträder sind an einer gekreuzten oder geknickten Achse aufgehängt, das Heck verfügt über ein Schleifsporn oder ein kleines Leitwerksscharr. Die Auslegung war robust genug für Gras- und unbefestigte Pisten.

Antriebsvarianten und Propeller

Motorisierung

Die M.23 wurde mit einer weiten Palette an Motoren angeboten, was sie flexibel an verschiedene Betreiberbedürfnisse anpasste. Eingebaute Triebwerke reichten von kleinen Zweizylinder-Motoren bis zu mehreren luftgekühlten Siebenzylinder-Rädern. Typische Leistungsbandbreiten bewegten sich von rund 40 PS in den leichten, frühen Ausführungen bis zu etwa 115–150 PS in stärker motorisierten Varianten. Die Motornase war schmal, mit optimierter Kühlbelüftung und kurzem Ansaugtrakt.

Propeller

Verwendet wurden zumeist zweiblättrige Holzpropeller mit fester Blattstellung; bei leistungsstärkeren Varianten kamen auch verstellbare Metall- oder Holzverstellpropeller zum Einsatz, um Start- und Reiseperformance zu optimieren.

Flugleistungen und Betriebsdaten

Geschwindigkeiten und Performance

  • Maximale Reise- bzw. Höchstgeschwindigkeiten lagen, abhängig von Motorisierung und Ausführung, typischerweise im Bereich von etwa 160–190 km/h.
  • Ökonomische Reisegeschwindigkeit zur Reichweitenoptimierung lag meist etwas niedriger, um Verbrauch und Motortemperaturen zu schonen.
  • Stallgeschwindigkeit war dank relativ großem Flügelprofil und niedriger Flächenbelastung moderat und betrug in Landekonfiguration typischerweise 60–75 km/h.

Reichweite und Ausdauer

Durch relativ sparsamen Kraftstoffverbrauch und optionale Zusatztanks erreichten Standardausführungen Reichweiten im Bereich von mehreren hundert Kilometern; typische praktische Reichweiten lagen um 700–1 000 km bei moderater Leistungswahl.

Steigleistung und Dienstgipfelhöhe

Steigraten variierten stark mit Einbauleistung, bei stärkeren Motorisierungen waren 3–5 m/s erreichbar. Dienstgipfelhöhen waren für Kunstflug- und Wettbewerbsaufgaben ausreichend; Qualitätsausführungen erreichten einige tausend Meter Betriebsniveau.

Abmessungen, Massen und Kapazitäten

Geometrische Daten (typische Werte, variierten je nach Version)

  • Spannweite: ungefähr 10,5–11,8 m
  • Länge: ca. 6,0–6,4 m
  • Höhe: ca. 2,0–2,4 m
  • Flügelfläche: rund 13–15 m²

Massenangaben (typische Größenordnung)

  • Leermasse: etwa 350–420 kg
  • Maximale Startmasse: ca. 650–750 kg
  • Zuladung/Nutzlast: je nach Tankfüllung und Besatzung im Bereich von 200–350 kg

Varianten und Weiterentwicklungen

M.23a, M.23b, M.23c — Entwicklungsstufen

  • M.23a: Frühe Serienversion mit leichter Motorisierung, scharfkantiger, eckiger Leitwerksauslegung und offener Kanzel. Diese Ausführung war sehr leicht und für Kunstflug und Schulung geeignet.
  • M.23b: Überarbeitete Form mit abgerundeterer Rumpfkontur, verbesserter Kabinenverglasung und stärkerer Motorisierung. Das Leitwerk wurde aerodynamisch geglättet, die Flugeigenschaften verfeinert.
  • M.23c: Spätere, leistungsstärkere Ausführung mit geschlossener Kabine, größeren Flächendimensionen und oft leistungsfähigeren Motoren; diese Version war besonders bei Wettbewerben erfolgreich.

Sonderumbauten

  • Schwimmer-Varianten: Mindestens ein Exemplar wurde auf Schwimmer umgesetzt und für Wasseroperationen erprobt.
  • Renn- und Rekordmodifikationen: Einige Maschinen erhielten optimierte Verkleidungen und leistungsgesteigerte Motoren zur Teilnahme an Rundfahrten und Geschwindigkeitsprüfungen.

Betriebs- und Einsatzgeschichte

Wettbewerbs- und Vereinsbetrieb

Die M.23 war in Wettbewerben der späten 1920er/ frühen 1930er Jahre erfolgreich. Ihre Kombination aus geringem Gewicht, gutem Leistungsgewicht und aerodynamischer Effizienz ermöglichte Siege und Platzierungen bei Rundflügen und Distanzwettbewerben. Viele M.23 gelangten in Flugvereine, wo sie als Schul- und Kunstfluggeräte großen Anklang fanden.

Langstrecken- und Privatreisen

Mehrere M.23 wurden für längere Reisen und Expeditionen genutzt; dokumentierte Flüge reichten in einige Fälle über mehrere Tausend Kilometer, unter anderem zu Expeditionen und Werbeflügen, was die Zuverlässigkeit im Praxisbetrieb unterstrich.

Wartung, Instandhaltung und typische Schwachstellen

Instandhaltungsanforderungen

Die einfache, robuste Bauweise erlaubte weitgehend wartungsarme Operationen; regelmäßige Kontrolle der Bespannung, Versteifungen, Bolzenverbindungen und Holzbretter sowie der Motormontage war erforderlich. Die Vielfalt an eingebauten Motoren verlangte flexible Triebwerkskenntnis und Ersatzteillogistik.

Typische Verschleißpunkte

  • Bespannung: UV- und Witterungseinflüsse erforderten periodischen Austausch oder Nachbehandlung.
  • Holzhölzer: Feuchtigkeits- und Spannungsrisse an Holmelementen konnten in schlecht gewarteten Maschinen auftreten.
  • Motoraufhängungen und Fahrwerkslager: Bei intensivem Kunstflug oder rauem Pistenbetrieb erhöht verschleißanfällig.

Restaurierung, Erhalt und museale Bedeutung

Die BFW M.23 hat für die Luftfahrtgeschichte und Messerschmitts frühe Karriere Bedeutung. Restaurierungsprojekte in Museen und privaten Sammlungen bemühen sich um originalgetreue Wiederherstellung und teilweise Verkehrsflugerlaubnis. Die Erhaltung erfordert Kenntnisse historischer Fertigungstechniken, Holzarbeiten und stoffbasierte Bespannung.

Technische Zusammenfassung (Typische Parameter)

  • Rolle: Leichtes Sport- und Schulflugzeug, 2-sitzig
  • Besatzung: 2 (Pilot + Passagier/Instruktor)
  • Länge: ca. 6,0–6,4 m
  • Spannweite: ca. 10,5–11,8 m
  • Höhe: ca. 2,0–2,4 m
  • Flügelfläche: ca. 13–15 m²
  • Leermasse: ca. 350–420 kg
  • Maximale Startmasse: ca. 650–750 kg
  • Motorleistung: ~40–150 PS (je nach Variante)
  • Höchstgeschwindigkeit: etwa 160–190 km/h (variierte mit Motorisierung)
  • Reichweite: mehrere hundert Kilometer; praktisch 700–1 000 km je nach Tanksatz
  • Stallgeschwindigkeit: ca. 60–75 km/h

Fazit und Bewertung

Die BFW M.23 repräsentiert ein Schlüsselkapitel der leichten Sportflugzeugentwicklung in Deutschland zwischen den Weltkriegen. Durch schlanke Aerodynamik, variable Motorisierung und einfache, reparaturfreundliche Konstruktion bot sie eine ideale Plattform für Wettbewerbe, Schulbetrieb und private Reisen. Ihre Bedeutung liegt nicht nur in ihren Rennsiegen, sondern auch in der Rolle als Entwicklungsstufe für spätere Messerschmitt-Designs und für die Popularisierung leichter Tiefdecker mit hoher Performance und geringem Gewicht.

Messerschmitt M 23 (BFW M.23) 2157 016858