Egloffsteinsches Palais
Das Egloffsteinsche Palais zählt zu den architektonischen Höhepunkten Erlangens. Das opulente Rokokobauwerk erhebt sich am Rand des historischen Stadtkerns und erzählt von Adel, Universität und Kultur. Seine Fassade aus hellem Sandstein und zarten Stuckornamenten verleiht dem Platz vor dem Marktplatz einen festlichen Rahmen. Heute ist das Palais zugleich Denkmal, Veranstaltungsort und lebendiges Zeugnis der engen Verflechtung von Stadt und Universität.
Geschichte des Egloffsteinschen Palais
Die Familie von Egloffstein in Erlangen
Die Herren von und zu Egloffstein gehören zu den ältesten Adelsgeschlechtern Frankens. Im 18. Jahrhundert verlegten sie ihren Hauptsitz in die aufstrebende Hugenottenstadt Erlangen, um hier näher am Hof des Markgrafen zu residieren und Amtspflichten wahrzunehmen. Ihr Einfluss reichte über Verwaltungsposten bis in die geographisch wichtige Grenzregion zur Oberpfalz.
Bauzeit und Rokoko-Architektur
Zwischen 1746 und 1749 ließ Carl Reinhard von Egloffstein das Palais nach Entwürfen des Ansbacher Hofbaumeisters Carl Friedrich Harsdörffer errichten. Der repräsentative Bau entstand in einer Phase wirtschaftlicher Blüte Erlangens. Charakteristisch sind die üppigen Stuckrahmungen der Fensternischen, geschwungene Fensterverdachungen und das zentrale Mansardwalmdach, das den dritten Giebelakzent plastisch hervorhebt.
Wandel im 19. Jahrhundert
Mit dem Übergang Erlangens an Bayern im Jahr 1806 verlor der Adel vielerorts Einfluss. Das Egloffsteinsche Palais wurde 1811 von der neu gegründeten Universität erworben und fungierte bald als Sitz der philosophischen Fakultät. Später nutzte man die Prunksäle als Senatssitzungssaal und Bibliothek. Die Nebentrakte dienten als Unterkunft für Dozenten und ausländische Gasthörer.
Architektur und Innenausstattung
Äußere Erscheinung und Fassadendetail
Die lichterfüllte Südfassade zum Marktplatz besticht durch eine Folge dreier Risalite, deren Mittelrisalit von ionischen Pilastern eingerahmt wird. Über den Fenstern tragen Stuckkartuschen maskenhafte Frauenköpfe und Schneckenranken den überbordenden Geist des Rokoko. Die plastischen Fensterverdachungen erscheinen fast wie Falten eines prächtigen Gewands, während der umlaufende Gesimsbereich Ruhe zwischen den Ornamenten schafft.
Prunkräume und Stuckdecken
Im Erdgeschoss empfängt ein großzügiger Vestibülraum den Besucher. Die original erhaltenen Stuckdecken zeigen figürliche Darstellungen der vier Elemente. Der angrenzende Festsaal mit Parkettboden und geschwungener Fensterfront war Treffpunkt für Gelehrtengesellschaften und Empfänge des Markgrafenhauses. Hier findet sich noch ein Freskofragment mit allegorischen Darstellungen der Wissenschaften – ein Hinweis auf die frühe Nutzung als Universitätspalais.
Treppenhaus und Holzarbeiten
Ein kunstvoll geschwungenes Treppenhaus verbindet alle Geschosse. Die geschmiedeten Balustraden schmiegen sich wie Rankengewächse an das Eichenholzgeländer. Originale Innentüren mit geschnitzten Ornamentstreifen verweisen auf die handwerkliche Meisterschaft frankonischer Tischler, die zugleich Buchstaben und Wappen der Egloffsteinschen Familie eingearbeitet haben.
Nutzung und kulturelle Bedeutung heute
Universitätsbetrieb und Verwaltung
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts nutzt die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Teile des Palais als Hörsaal- und Verwaltungsgebäude. Seminarräume im Obergeschoss dienen Geistes- und Sozialwissenschaften, während Büros der Pressestelle und Alumni-Vereinigung den Kontakt zwischen Studierenden und Absolventen pflegen.
Veranstaltungsort und Stadtmuseum
Im Festsaal finden regelmäßig Konzerte kammermusikalischer Ensembles und Vorträge namhafter Wissenschaftler statt. Die städtische Kulturabteilung richtet Ausstellungen zu Erlanger Stadtgeschichte aus und kooperiert mit dem Stadtmuseum in der Orangerie. Lesungen lokaler Autorinnen und Autoren beleben das Rokokoambiente, und Matineen am Sonntagnachmittag ziehen ein gemischtes Publikum an.
Das Palais im städtischen Kontext
Lage im nördlichen Altstadtring
Das Palais liegt im nordwestlichen Quadranten des historischen Marktplatzes, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schlosskirche St. Johannis und dem Hugenottenbrunnen. Die bauliche Dichte der Altstadt drückt hier das Zusammenwachsen von reformierter Religiosität, Handel und Wissenschaft im 18. Jahrhundert aus.
Schlossgarten und angrenzende Promenaden
Südlich erstreckt sich der barocke Schlossgarten, ursprünglich eine terrassierte Grünanlage für die Egloffsteinschen Gäste. Zwei parallel geführte Alleen führen zu einem kleinen Orangeriepavillon, der heute als Café genutzt wird. Skulpturen von allegorischen Figuren aus dem 19. Jahrhundert lockern die streng geometrische Anlage auf.
Veranstaltungen und Highlights
Rokoko-Fest und Stadtfestival
Alle zwei Jahre veranstaltet die Stadt Erlangen ein Rokoko-Fest rund um das Egloffsteinsche Palais. Historisch gekleidete Gruppen inszenieren Tanz und Musik, Handwerker präsentieren traditionelle Techniken, und eine Freiluftbühne bringt Opernarien inmitten der Sandsteinmauern zur Aufführung.
Geführte Palais-Touren
Spezielle Themenführungen beleuchten Architektur, Adelsleben und Universitätsgeschichte. In Kleingruppen erkunden Interessierte private Prunkgemächer, den Festsaal und das erhaltene Mezzanin. Die Gästeführer kombinieren Anekdoten über Gelehrte, Studentenaufstände und geisterhafte Erscheinungen, die mancher Legende zufolge im Treppenhaus ihr Unwesen treiben.
Tipps für Besucher
Anreise und Parken
Erlangen ist über die A3 und A73 bestens angebunden. Parkhäuser am Marktplatz bieten Kurzzeitstellplätze. Die Straßenbahnhaltestelle „Marktplatz“ liegt direkt gegenüber dem Palais. Für Radreisende stehen im Innenhof Fahrradständer bereit.
Öffnungszeiten und Eintritt
Das Palais ist in der Regel werktags von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Während universitären Ferienzeiten kann es zeitweise geschlossen sein. Konzerte und Sonderausstellungen erfordern meist eine gesonderte Anmeldung. Der Eintritt zu Führungen kostet um die 5 Euro, Ermäßigungen für Studierende und Seniorinnen.
Gastronomie in der Nähe
Im alten Orangeriepavillon können Sie Kaffee und Kuchen genießen. Wenige Schritte entfernt laden traditionelle fränkische Weinstuben und internationale Bistros im Stadtzentrum zu regionalen Spezialitäten und Erlanger Altbier ein.
Fazit
Das Egloffsteinsche Palais vereint Rokoko-Pracht, Universitätsgeschichte und städtische Kultur in einem einzigartigen Denkmal. Von der verspielten Fassade bis zu den prunkvollen Stuckdecken öffnet es Fenster in eine Zeit, in der Adel, Hof und Wissenschaft untrennbar miteinander verflochten waren. Heute schlägt hier das Herz Erlangens – als Ort des Austauschs, der Erinnerung und der lebendigen Gegenwart.